Vergewaltigung nach Kriegsende

Schweigen und Tabu gebrochen

Gesellschaft | Peter Hahne - Vergewaltigung nach Kriegsende

Schweigen und Tabu gebrochen. Die hohe Zahl an vergewaltigten Frauen durch Besatzungssoldaten war bisher ein Tabuthema. Peter Hahne spricht mit Prof. Miriam Gebhardt und dem Buchautor Jochen Metzger.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.12.2016, 23:55
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Vor mehr als 70 Jahren endete der 2. Weltkrieg und trotzdem gibt es immer noch zentrale Themen aus dieser Zeit, über die kaum gesprochen wird. Die hohe Zahl an vergewaltigten Frauen durch Besatzungssoldaten beispielsweise war bisher ein Tabuthema. Laut einer wissenschaftlichen Studie sind mindesten 800.00 Frauen sexueller Gewalt zum Opfer gefallen. Die Täter waren Angehörige der Alliierten Besatzungsmächte aller Nationen in Europa. Das Bild, das nur den russischen Soldaten als Vergewaltiger darstellt, ist nachweislich falsch. Aber warum haben die betroffenen Frauen erst oft kurz vor ihrem Tod von dem Leid gesprochen, dass sie in dieser Zeit erfahren haben? Warum wird erst und gerade jetzt über diese Gräueltaten gesprochen? Peter Hahne spricht darüber mit der Historikerin Miriam Gebhardt und dem Buchautor Jochen Metzger.

Jochen Metzger
Jochen Metzger

Jochen Metzger, 1969 geboren, ist freier Journalist und schreibt für eine Reihe von Wissenschaftsmagazinen. Von seiner Großtante erfährt er von der Massenvergewaltigung in ihrem ehemaligen badischen Dorf durch Soldaten unter französischer Flagge, kurz vor Ende des 2. Weltkriegs. Metzger recherchiert weiter und erfährt mehr von den schrecklichen Vorfällen. Bis dahin haben alle Betroffenen kollektiv geschwiegen, in einer gemeinsamen, unausgesprochenen Übereinkunft.

Prof. Miriam Gebhardt
Prof. Miriam Gebhardt

Erst die über 90jährige Großtante Metzgers hat das Schweigen gebrochen. Jochen Metzger hat seine Recherchen in dem bewegenden Roman "Und doch ist es Heimat" verarbeitet und berichtet von seinem Gespräch mit seiner Großtante: Sie saß plötzlich ganz aufrecht da, wie eine junge Frau, hat mich scharf angesehen, mit ganz klaren Augen. Und sie hat diesen Satz 'Die haben alle vergewaltigt‘ mit einer Wucht rausgehauen, die mich wirklich platt gemacht hat."





Miriam Gebhardt, geboren 1962, ist außerplanmäßige Professorin an der Universität in Konstanz. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Geschichte der Frauenbewegung, historische Sozialisationsforschung und die moderne deutsch-jüdische Geschichte.
Gebhardt veröffentlichte unter anderem das Buch "Als die Soldaten kamen: Die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs“. Sie schreibt über ihr Buch: „Vor allem möchte ich die zu schlummernden Monstern ausgewachsenen Bilder russisch-asiatischer oder marokkanischer Vergewaltiger ins rechte Verhältnis setzen, gegenüber den weißen Befreiern, die, wie nun deutlich wird, nach dem selben Drehbuch plünderten und vergewaltigten.“

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