Lehrer am Limit

Geschlagen, gemobbt, gehasst

Gesellschaft | Peter Hahne - Lehrer am Limit

Mobbing, Rufmord, schwere körperliche Angriffe und Drohungen - das alles müssen Lehrer heute in den Schulen aushalten. Sind sie überfordert? Schlecht ausgebildet? Nicht motiviert? Peter Hahne diskutiert die aktuelle Situation der Lehrer mit seinen Gästen.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video leider nicht mehr verfügbar
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Früher war alles besser - Punkt! Und in der Schule sowieso. Das ist natürlich in vielen Fällen ein subjektives Empfinden, kann eine Verklärung der Erinnerung sein, Wunschdenken oder einfach das Vergessen von negativen Ereignissen oder Sachverhalten. Aber ist es nicht erschreckend, was wir immer wieder aus den Schulen von Lehrern hören? Und dabei geht es nicht um verkürzte Schuljahre oder den steigenden Leistungsdruck, der auf den Schülern lastet.

Es ist das Verhalten der Schüler ihren Lehrern und Mitschülern gegenüber, die Aggression, die Gewalt, die ihnen entgegenschlagen. Verbale Verunglimpfungen sind noch harmlose Situationen, mit denen sich die Lehrer auseinander setzen müssen. Mobbing, Rufmord, schwere körperliche Angriffe und Drohungen gegen die ganze Familie gehören in vielen Schulen zum Handlungskanon von Schülern. Nein, nicht bei allen – aber in einer solch hohen Anzahl, dass mittlerweile jede Schule künftig einen festen Ansprechpartner bei Polizei und Staatsanwaltschaft haben wird, wie der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann erklärt.

Schüler ohne Grenzen

Die Lehrer an deutschen Schulen sind zunehmend überfordert. Bildungsforscher und Grundschulpädagoge Professor Hans Brügelmann erklärt: „Früher musste man Kinder dazu bringen, ihre Meinung zu sagen. Heute besteht die Schwierigkeit darin, sie zum Zuhören zu bewegen und ihnen begreiflich zu machen, dass es nicht immer nur um sie geht“. Ergo: Eltern setzen ihren Kinder nicht nur zu wenig Grenzen – die Gesamtsituation scheint ein Spiegel der Gesellschaft zu sein.

Natürlich liegt die „Schuld“ einer solchen Entwicklung nicht nur bei einer Partei; weder nur bei Schülern, Eltern oder Lehrern. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, dass durch alle Altersstufen hinweg Toleranz und Respekt vor dem Mitmenschen, seiner Einstellung oder seinem Hab und Gut schwindet. Und in vielen Fällen sind es Mitschüler und Lehrer, die sich mit den Folgen aus dieser Entwicklung konfrontiert sehen.

Diskussion über Lösungen

Doch wer oder was muss sich ändern? Lehrer? Schüler? Eltern? Die Schule und ihr System? Peter Hahne diskutiert mit seinen Gästen, wie sich die aktuelle Situation an den Schulen auf die Lehrer und ihre Arbeit auswirkt. Wie Lehrer vielleicht wieder einen Zugang zu ihren Schülern bekommen und Schüler eine andere Haltung Ihren Lehrern und Mitschülern gegenüber. Was müssen die Elternhäuser dazu beitragen?

Dieser Post bei Facebook sorgte weltweit für Schlagzeilen:

"Liebe Eltern

  • Wir möchten euch daran erinnern, dass magische Worte wie hallo, bitte, gern geschehen, Entschuldigung und danke alle zuerst zu Hause gelernt werden
  • Zu Hause lernen Kinder auch, wie man ehrlich, pünktlich und fleißig ist, Freunden Mitgefühl und älteren Menschen und Lehrern gegenüber Respekt zeigt.
  • Zu Hause lernen sie, wie man sauber ist, nicht mit vollem Munde spricht und wie/wo man seinen Müll loswird.
  • Zu Hause lernen sie, wie sie ordentlich sind, gut auf ihre Sachen aufpassen, und dass es nicht ok ist, andere anzufassen.


Hier in der Schule dagegen bringen wir ihnen die Sprache, Mathematik, Geschichte, Geographie, Physik, Wissenschaft und Sport bei. Wir stärken nur die Erziehung, die Kinder zu Hause von ihren Eltern bekommen."

Gäste bei Peter Hahne

Gerlinde Unverzagt
Gerlinde Unverzagt Quelle: ZDF/Michael Kramers

Gerlinde Unverzagt, geboren 1960, hat vier Kindern und lebt heute in Berlin. Während ihres Studiums der Geschichte, Philosophie, Lateinamerikanistik und Publizistik arbeitete sie als freiberufliche Journalistin für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften.

Nach einer Reihe von Veröffentlichungen erschien 2005, unter ihrem Pseudonym Lotte Kühn, „Das Lehrerhasser-Buch“, in dem sie sich über die aus ihrer Sicht unfähigen Lehrer und ihrem Desinteresse an ihrer eigenen Arbeit und den Schülern äußert. Von täglichen Qualen ihrer Kinder durch die Lehrer ist dort die Rede – und der Untertitel des Buches dann auch entsprechend: „Eine Mutter rechnet ab“. In der Verlagsbeschreibung heißt es: „Lotte Kühn zeigt unsere Lehrer, wie sie wirklich sind: unprofessionell, faul, ohne jede Ahnung von Kindern, hilflos, überfordert und total gestresst.

Ulrich K. Clemens
Ulrich K. Clemens Quelle: ZDF/Michael Kramers

Ulrich K. Clemens, geboren 1954, hat zwei Kinder. Nach seinem pädagogischen Hochschulstudium macht Clemens sein Referendariat in Berlin-Kreuzberg und tritt dann eine feste Stelle in Schöneberg an. Nach einem zweijährigen Erziehungsurlaub ging er zunächst an eine Ganztagsschule und arbeitete später an einer Grundschule in Charlottenburg. Seit 2014 lehrt er an der Ernst-Habermann-Schule in Berlin Wilmersdorf.

2015 veröffentlichte Clemens das Buch „Gewalt gegen Klassenlehrer, eine Doku-Fiktion aus dem sozialen Brennpunkt.“ Keine Fiktion ist allerdings einer seiner Berichte aus der Praxis, dem er den Tagesspiegel gab:

Clemens zum Schüler: "Warum schreibst du nicht?"
Schüler: "Hab kein Blatt, siehste doch!"
Clemens: "Warum denn nicht?"
Schüler: "Mann, hat meine Katze aufgegessen!"
Clemens: "Hol dir doch bitte ein Blatt."
Schüler: "Du alte Schwuchtel, hast mir gar nichts zu sagen!"

Clemens will dem Schüler einen Tadel geben. Die Sozialarbeiterin, die mit in der Stunde sitzt
und alles gehört hat, sagt: "Ach Ulrich, lass es. Das bringt doch nichts ..." Auch das gehört zu seinem Alltag, das Prinzip: Bloß keinen Ärger machen, lieber den Ärger runterschlucken.

Auf die Frage, ob der hohe Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund der Grund für zunehmende Gewalt an Schulen sei:

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