DDR-Fluchtgeschichten

Tunnel, Ballon, Kofferraum

Gesellschaft | Peter Hahne - DDR-Fluchtgeschichten

Ein ganzes Volk eingesperrt, bespitzelt, fremdgesteuert: Die ehemalige DDR war für zahlreiche Menschen wie ein Gefängnis, aus dem sie versuchten auszubrechen - über 250 Menschen haben diese Flucht mit dem Leben bezahlt. Doch auch vielen ist sie gelungen.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.02.2018, 23:59
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Wer nach 1989 in Deutschland geboren ist, kann es sich fast nicht vorstellen: einfach ins Auto oder den Zug steigen, um ins Ausland zu verreisen – doch an der Staatsgrenze ist Schluss. Eine riesige Mauer oder ein Hochsicherheitszaun mit Selbstschussanlagen und vermienter Todesstreifen versperrte den Weg zum nahezu ganzen Rest der Welt. In der ehemaligen DDR war es genauso: Urlauber brauchten zunächst eine „Ausreisegenehmigung“ vom Staat, um die Grenze in ein anderes Land von der DDR aus überqueren zu dürfen; spontanes Reisen - Fehlanzeige, unmöglich! Grenzenlos durch Europa? Kein Gedanke!

Bespitzelt und verraten

Und wer mit dem „Arbeiter und Bauernstaat“, wie sich die DDR bezeichnete, nicht einverstanden war und das auch noch sagte oder sich möglicherweise gegen die Staatsmacht stellte, kam schon gar nicht mehr raus. So fühlten sich viele Menschen der ehemaligen DDR wie in einem Gefängnis. Eingesperrt, bespitzelt und fremdgesteuert: Hunderte von DDR-Bürgern hielten es nicht mehr aus und versuchten den Grenzübertritt ohne offizielle Genehmigung. Viele von ihnen wurden gefasst, teils weil sie Pech hatten und entdeckt wurde, aber auch in vielen Fällen, weil sie jemand denunzierte. Denn die Spitzel lauerten überall!

Doch vielen DDR-Bürgern ist die Flucht gelungen, oft unter spektakulären Bedingungen. Sie sind gelaufen, gesprungen, geschwommen, gerudert oder gesegelt - zu Lande, zu Wasser oder durch die Luft - Hauptsache weg, raus aus der DDR, aus der erdrückenden Gefangeneschaft in die Freiheit.

Trotz aller Gefahren

Peter Hahne hat Gäste eingeladen, die berichten können, wie die Flucht im Detail geplant und durchgeführt wurde. Welche Möglichkeiten es gab und welche Fluchtwege letztendlich zu gefährlich, ja lebensgefährlich waren. Sie erzählen, welche Gefahren und Schwierigkeiten auf die Flüchtenden auf dem Weg in die Freiheit warteten und viele Menschen trotzdem nicht davon abhielten, einen Fluchtversuch aus der DDR zu versuchen.

Volker G. Heinz
Volker G. Heinz Quelle: ZDF/Michael Kramers

Volker G. Heinz, geboren 1943 in Kassel, studierte Jura in Berlin und arbeitete später als Rechtsanwalt in Berlin und London. Neben Eglisch, Französich und Spanisch spricht Heinz Russisch. Ab 1965 begann Heinz, sich als Fluchthelfer zu engagieren, zunächst als Bote, später dann als Organisator ganzer Fluchtaktionen. 66 Menschen verhalf er zur Flucht aus der DDR in den Westen.

1966 wurde Heinz in der DDR verhaftet und saß in der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit, teilweise in Einzelhaft ein. Er erhielt Besuchsverbot und wurde mit nächtlichen Verhören traktiert. Nach fast einem Jahr im Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen veruteilte man ihn zu 12 Jahren Zuchthaus Stufe Z1.

1967 setzte sich Hans-Martin Schleyer, ein Corpsbruder aus Studienzeiten, für Volker Heinz ein und erreichte schließlich mit Hilfe des DDR Anwalts Wolfgang Vogel, dass Heinz gegen zwei DDR Spione ausgetauscht wurde. Erst 1991 erlangte Heinz seine vollständige Rehabilitation durch das Landgericht Berlin.

Günter Wetzel
Günter Wetzel Quelle: ZDF/Michael Kramers

Günter Wetzel, geboren 1955 in Thüringen, absolvierte zunächst eine Maurerlehre und erwarb später die Mittlere Reife. Er schloss eine Lehre als Forstfacharbeiter an und arbeitete danach als Kraftfahrer im Volkseigenen Betrieb (VEB) Saalfeld. 1978 machte er sich mit seinem Berufskollegen Peter Strelzyk als Elektroinstallateur selbstständig. Später wiederum absolvierte Wetzel eine Lehre als Berufskraftfahrer und arbeitete bis zu seiner Flucht 1979 im VEB Saalfeld.

Am 16. September 1979 gelangen Günter Wetzel und Peter Strelzyk die gemeinsame Flucht mit ihren Familien mit einem Heißluftballon aus der DDR.
Günter Wetzel ließ sich im Westen zum Kraftfahrzeugmechaniker ausbilden und machte hier auch seine Meisterprüfung. Seine berufliche Karriere beendete er 2016 als Qualitätsberater eines großen Automobilherstellers.
Peter Strelzyk hat nie richtig Fuß fassen können, ist viele Male im Westen umgezogen und nach der Wende mit seiner Familie wieder in seine alte Heimat nach Pößneck in Thüringen zurückgegangen. Peter Strelzyk verstarb im März 2017 mit 74 Jahren.

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