Im Zweifel für den Täter

Und wer denkt an die Opfer?

Gesellschaft | Peter Hahne - Im Zweifel für den Täter

Täter gestellt, Täter verurteilt, Täter nach verbüßter Strafe wieder entlassen. Und das Opfer? Was ist mit diesen Menschen? Wer kümmert sich um die Hinterbliebenen? Auch sie sind Opfer.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.01.2018, 23:59
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Gerade wenn es zu spektakulären Verbrechen kommt, wird gerne und viel in den Medien darüber berichtet: über die Tat, den Täter, seine Motive. Seine schwere Lebensgeschichte wird vielleicht bis ins Kleinste aufgezeigt und die Gründe, vielleicht ein milderes Urteil zu sprechen oder eben, die volle Härte des Gesetzes anzuwenden.

Und die Opfer? Die Hinterbliebenen? Wer spricht über sie? Ob es die Amokfahrt über den Weihnachtsmarkt in Berlin ist, der Absturz der Germanwings-Maschine in den Alpen oder andere schreckliche Verbrechen; über die Opfer hören wir in den Medien kaum etwas.
In diesen Tagen beschließt ein Gericht die Freilassung des Geiselnehmers von Gladbeck vor 30 Jahren, Dieter Degowski. Auch dies ist wieder eine Meldung wert, und wieder wird ausführlich über ihn, seine Tat, seine Beweggründe diskutiert.

Das Leid der Opfer

Über Opfer und Hinterbliebene ist kaum etwas zu hören, sie sind kein Thema mehr. Doch leiden sie nicht bis heute unter dem Trauma der Tat, wie auch viele andere Menschen, die Verluste in Berlin, in den Alpen oder anderswo erlitten haben? Die Anwälte setzen ihre ganze Kraft ein, ihren Mandanten zu verteidigen, die Strafe so milde wie möglich ausfallen zu lassen. Aber auch die Anklagevertreter der Opfer geben ihr Bestes. Doch ist damit das Leid zu mildern, das ihnen widerfahren ist?

Zwei Anwälte für Strafrecht sind bei Peter Hahne zu Gast, ein Verteidiger von Schwerkriminellen sowie der Opferbeauftragte des Landes Berlin. Beide schildern sie ihre Sicht der Dinge und stellen sich unter anderem der Frage, ob für die Opfer genug getan wird oder ob sie zu wenig Aufmerksamkeit erhalten.

Die Gäste

Volker Schröder
Volker Schröder Quelle: ZDF/Michael Kramers

Volker Schröder, geboren 1960, ist Fachanwalt für Strafrecht. Neben seinen Spezialgebieten für Arbeitsrecht, Miet- und Pachtrecht sowie Verkehrsrecht, arbeitet er vor allem im Strafrecht und hat eine Hotline bei Festnahmen. Aktuell vertritt er einen jungen Mann, der einen Molotowcocktail in eine türkische Teestube geworfen hat. Er vertritt aber auch einen Pädophilen, der einen Säugling missbraucht hat. Volker Schröder hat bisher an etwa 100 Verfahren mitgewirkt, in denen es um Tötungsdelikte ging.

Schröder, der in der Regel als Verteidiger auftritt meint, dass es nicht notwendig ist, bei Gerichtsverfahren den Fokus mehr auf die Opfer zu legen, da es bei der Verhandlung um die Tat ginge und das richtige Strafmaß. Hierbei müsse der Täter im Mittelpunkt stehen. Schröder spricht sich aber auch für einen Opferbeauftragten aus.

Roland Weber
Roland Weber Quelle: ZDF/Michael Kramers

Roland Weber, geboren 1966, arbeitet seit 1999 als Rechtsanwalt, ist seit 2009 Fachanwalt für Strafrecht und seit Oktober 2012 Opferbeauftragter des Landes Berlin. Er ist stilles Mitglied von „Weisser Ring e.V.“ Nach seiner Zulassung hatte Weber nach eigenen Worten einen Plan: „Natürlich wollte ich die dicken Fische verteidigen.“ Doch zu seiner eigenen Überraschung kam es ganz anders: Schon bei seinem ersten Fall zeigte sich, dass er seinen Mandanten, einen Mann, der seine Lebensgefährtin umgebracht hatte, nicht mochte. Die Hinterbliebene dagegen, die Schwester des Opfers, tat ihm leid.

Als Roland Weber einmal mit einem Staatsanwalt darüber sprach, dass man eigentlich für die Hinterbliebene dringend etwas tun müsse, machte dieser ihn auf viele andere, ähnliche Fälle aufmerksam. Seitdem kümmert sich Roland Weber als Rechtsanwalt bundesweit um die Opfer und nicht wie ursprünglich geplant um die dicken Fische.

Auf die Frage der Redaktion, ob die Täter weiterhin zu sehr im Focus stehen würden, meint Roland Weber: „Vor zehn Jahren hätte ich gesagt: Genau so ist es! Heute kann ich sagen: Zumindest theoretisch gesehen hat sich in Bezug auf den Opferschutz etwas getan. Aber in der Praxis kommt da immer noch viel zu wenig an.“

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