Brauchen wir eine Leitkultur?

Sprache, Lieder, Grundgesetz

Typical

Gesellschaft | Peter Hahne - Brauchen wir eine Leitkultur?

Fragt sich nicht jeder Mensch einmal, woher er kommt und wohin er will? Und welche Werte ihm dabei wichtig sind? Die „Leitkultur“ soll nach Ansicht des Bundesinnenministers Thomas de Maizière vielen Menschen dabei die Richtung weisen.

Datum:
Sendungsinformationen:
Im TV: ZDF, 08.05.2017, 01:30 - 02:00
Verfügbarkeit:
Leider kein Video verfügbar
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Welch eine Lawine donnert da ins Tal des täglichen Gesprächs? „Leitkultur“ - in die hohe politische Diskussion damals von Friedrich Merz eingeführt, dann über Jahre in der Versenkung verschwunden und nun von Bundesinnenminister Thomas de Maizière wieder losgetreten, donnert der Begriff ins Tal der Politdiskussion. Und natürlich: Hier entzünden sich die Wahlkampfgemüter.

Tatsächlich geht es doch um eine Identitätssuche in Zeiten von Migration, Globalisierung und nationalem Selbstverständnis. Wie sieht sich der Deutsche? Welchen Werten folgt er? Was nimmt er von außen an, und was bringt die Einwanderungsbewegung nach Europa und auch nach Deutschland? Darf sich eine Nation, darf sich Deutschland abgrenzen? Nicht Zäune und Mauern sind im Umfeld der Diskussion einer „Leitkultur“ gemeint, sondern die Abwehr fremder Sitten, Gebräuche und Rituale.

Ruck zuck haben wir das Wort „Werte“ auf den Lippen, und es scheint oft so, als fühlten viele Deutsche ein Unbehagen, sich zu unseren Werten zu bekennen, ja sie sogar gegen Andersdenkende zu behaupten. Wäre das so schlimm? Verliert sich ein Volk wie „die Deutschen“ dann tatsächlich selbst, wenn die Menge der Migranten nach Deutschland so hoch ist wie in den vergangenen Jahren? In welche Richtung müssen dann Werte vermittelt werden, wer hat welcher Kultur zu folgen? Oder sollte es ein Miteinander geben, eine Übernahme von Werten im Sinne einer gegenseitigen Bereicherung? Falsch wäre sicher, die Diskussion um eine „Leitkultur“ in die nationalistische Ecke zu schieben. Denn dort ist eher ein Gedankengut vertreten, das mit der Diskussion um deutsche Werte, Traditionen, Sprache oder Grundgesetz nichts zu tun hat.

Gäste bei Peter Hahne

Hans-Christian Ströbele
Hans-Christian Ströbele Quelle: ZDF/Michael Kramers

Hans-Christian Ströbele wurde 1939 in Halle /Saale geboren. Nach dem Abitur 1959 in Marl/Westfalen startete er ein Jura-und Politikstudium in Heidelberg und Berlin. Dieses schloss er 1969 mit der zweiten juristischen Staatsprüfung ab und wurde als Rechtsanwalt zugelassen. Im gleichen Jahr wurde er Mitbegründer des „Sozialistischen Anwaltskollektivs“ in Berlin, das sich in erster Linie der juristischen Vertretung von angeklagten Demonstranten widmete. 1970 wurde er bundesweit bekannt, als er die Verteidigung von Angeklagten aus der RAF, unter anderem Andreas Baader, übernahm. 1975 wurde er als Anwalt im Stammheimer Prozess ausgeschlossen, und 1980 verurteilte ihn das Landgericht Berlin wegen „Unterstützung einer kriminellen Vereinigung“ zu 18 Monaten Haft auf Bewährung. Die Strafe wurde später auf zehn Monate reduziert.

Nachdem Ströbele nach fünf Jahren Mitgliedschaft 1975 aus der SPD ausgeschlossen worden war, gehörte er 1978 zu den Mitbegründern der „Alternativen Liste“ in Berlin, dem Vorläufer der „Grünen“. Seine politische Karriere startete 1985, als er als Nachrücker für zwei Jahre in den Bundestag einzog. Nachdem seine Partei 1990 den Einzug in den Bundestag verpasst hatte, kehrte er erst 1998 über die Landesliste in das Parlament zurück. Als Parteilinkem verwehrte ihm die Mehrheit der Berliner Grünen einen aussichtsreichen Listenplatz für die Bundestagswahl 2002. So kandidierte er für ein Direktmandat, das er als einziger Grüner überraschenderweise auch gewann. Sowohl 2005 als auch 2009 konnte er diesen Erfolg in seinem Berliner Wahlkreis wiederholen.  Zwischen 2002 und 2009 war er auch stellvertretender Parteivorsitzender von Bündnis90/Die Grünen. Mittlerweile hat er bekannt gegeben, dass er auch bei der Bundestagswahl im Herbst wieder antreten und sein Direktmandat verteidigen will.

Ismael Tipi
Ismael Tipi Quelle: ZDF/Michael Kramers

Ismael Tipi, 1959 in Izmir, Türkei, geboren, kam 1972 nach Deutschland und erhielt 1995 die deutsche Staatsbürgerschaft. Nach seinem Maschinenbaustudium begann er eine journalistische Ausbildung und arbeitete von 1981 bis 1999 bei der türkischen Zeitung „Hürriyet“. 2000 wechselte er als Redaktionsleiter zu „Star“ und berichtete als Europakorrespondent auch für „Star-TV“. Seit 2006 ist er freier Journalist.

Tipi engagierte sich zunächst in der Lokalpolitik in Heusenstamm und ist mittlerweile Landtagsabgeordneter der CDU in Hessen. Seine politischen Schwerpunkte sieht Ismail Tipi unter anderem in den Themen innere Sicherheit, religiöser Extremismus und Integrationspolitik.

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