Pfingstwunder an der Zapfsäule

Überraschender Erfolg für preisbewusste Autofahrer

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie sich die Augen reiben, wenn Sie in diesen Tagen an einer deutschen Tankstelle vorbeikommen? Hat sich da jemand verschrieben, vertippt oder geirrt?

Zapfpistole
Zapfpistole Quelle: dpa

Die Preise sind tatsächlich (bis auf Diesel) gefallen - und das vor dem Feiertag Christi Himmelfahrt und den Pfingstferien. Sonst war's genau umgekehrt: Nahte eine Feiertagsbrücke oder die Urlaubszeit, dann gewann man jede Wette, wenn man auf "Preiserhöhung" setzte.

Verblüffte Fachleute

König Abdullah (m) mit Internationalen Ministern
Opec-Treffen in Saudi Arabien Quelle: reuters


Also es geht doch! Wenn man nur will. Die Zapfsäule ist nicht dazu da, unsere Geldbörse zu leeren und die Taschen der Konzerne (und des Staates!) zu füllen. Und die ganze Lyrik von Weltmarktpreisen und dem ach so gebeutelten Erdölmarkt habe ich ohnehin nie geglaubt. Woher sollen die islamischen Saudis zum Beispiel wissen, an welchen christlichen Feiertagen wir Deutschen gerne Auto fahren?! Und warum sind in unseren Nachbarländern die Preise stabil, und bei uns schlagen sie ausgerechnet vor Feiertagen aus?

Wir hatten in unserer Sendung bereits vor zwei Monaten ein hochrangiges Streitgespräch zu dem Thema, und der Chef der Mineralölwirtschaft versicherte uns: Wenn es der Markt erlaubt und der Ölpreis es hergibt, dann senken wir auch die Preise. Der Vertreter des ADAC - und, offen gestanden, auch ich! - hat nicht daran geglaubt. Jetzt ist es so gekommen, ausgerechnet vor der Ferien-Reise-Zeit! Das Super-Benzin wird billiger, ist nur noch rund drei Cent teurer als das ungeliebte Öko-E 10.

Es geht noch tiefer

Diese Preissenkung können die Autofahrer getrost als Sieg feiern, denn sie haben uns Medien und die Politik so sehr auf Trab gehalten, dass der öffentliche Druck auf die Konzerne immer größer wurde. Zuletzt hat auch das Bundeskartellamt mit Sanktionen gedroht, falls sich nicht endlich etwas ändert. Das nennt man Marktwirtschaft, das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Wenn Verbraucher groß auf die Pauke hauen, gibt selbst eine Quasi-Monopol-Wirtschaft klein bei. Dass dies plötzlich geht, macht eines deutlich: Der Weltmarkt dirigiert weit weniger als der heimische Druck, und den Konzernen ist das Image der Preistreiberei ein Klotz am Bein - und, was ich noch wichtiger finde: Es ist für den Preis jetzt sogar noch genug weiterer Spielraum nach unten.

Die neuen Preise an den Zapfsäulen zeigen, dass es keine Verleumdung war, wenn man den Konzernen unterstellte, die Abzocke habe nur einen Grund: Superbenzin war nur deshalb so teuer, um den Verbrauchern das ungeliebte E 10 schmackhaft zu machen. Die haben das durchschaut und einfach fröhlich (wenn auch zähneknirschend) weiter getankt. Der Weltmarkt hatte damit rein gar nichts zu tun. Ich bin der Überzeugung: Der Sprit kann noch billiger werden. Es besteht also noch kein Grund, sich zufrieden zurück zu lehnen. Der Protest mit der Wahl des Zapfhahns ist die beste Waffe gegen Preistreiberei. Das kleine Pfingstwunder an Deutschlands Tankstellen sollte die Preismacher zu weiteren Taten beflügeln.

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