Politiker als Traumberuf?

Urgestein trifft Quereinsteiger

Seinem Land und dessen Bevölkerung dienen – ein hehres Ziel und häufig genannter Grund für das Erklimmen der Polit-Karriereleiter. Doch angesichts der jüngsten Skandale um deutsche Volksvertreter ist das Ansehen von Politikern noch weiter gesunken. Auch die eher durchschnittliche Bezahlung kann nicht als Anreiz gesehen werden. Was treibt also Menschen in die Politik und lässt sie oft jahrelang dort arbeiten? Bei "Peter Hahne" sprechen darüber Dieter Wiefelspütz und Charles M. Huber. Wiefelspütz ist seit mehr als zwei Jahrzehnten MdB für die SPD, und Huber, der aus der Reihe "Der Alte" bekannte Schauspieler, möchte als Polit-Neuling ein Bundestagsmandat für die CDU gewinnen.

Zoomaufnahme des Bundestags
Traum eines jeden Jungpolitikers: eine Rede vor dem Bundestag Quelle: imago

Die meisten Abgeordneten des Deutschen Bundestags haben ein Studium oder eine hochqualifizierte Ausbildung abgeschlossen. Doch im Unterschied zu ihren Ausbildungskolleginnen, die den Weg in die Wirtschaft oder die eigene Kanzlei gefunden haben, verdienen sie nur relativ wenig. So liegt das Einkommen der Vorstandsvorsitzenden der DAX-Konzerne im Durchschnitt zwanzig Mal höher als das der Bundeskanzlerin Merkel – was vor einiger Zeit ihren Gegenkandidaten Steinbrück zu dem oft kritisierten Sparkassen-Direktorenvergleich provozierte. Erschwerend kommt hinzu, dass üblicherweise der Arbeitstag eines Politikers deutlich länger ist als der eines leitenden Angestellten.

Immer ein offenes Ohr

Doch wenn es nicht das Geld ist, das junge Menschen in die Politik lockt, was kann es dann sein? Ist es doch das Gut-Menschentum, das Bedürfnis etwas für sein Land, seine Mitbürger zu tun, für ein besseres Leben zu kämpfen oder dafür, dass sich nichts ändert? Und was passiert, wenn solche Politiker dann merken, dass sie mit ihren großen Ambitionen selbst bei Partei-„Freunden“ auf Granit stoßen, wenn sie ihre Ideen der Fraktionsdisziplin opfern müssen? Es scheint klar zu sein, dass neben rhetorischen Fähigkeiten und charismatischem Auftreten auch eine ausgeprägte Frustrationstoleranz zu den unabdingbaren Politikereigenschaften zu zählen ist.

Ein weiterer Grund „in die Politik zu gehen“, obwohl diese in weiten Teilen der Bevölkerung als „schmutziges Geschäft“ angesehen wird, liegt wohl auch in dem Bedürfnis bestimmter Persönlichkeiten, ihre Kompetenzen in der Öffentlichkeit auszustellen. Diese Geltungssucht bis hin zur Profilneurose kann aber auch das Gegenteil bewirken, wenn die Wähler feststellen, dass der Kandidat statt eines Programms nur seine Person präsentiert. Einige, die das Abgeordnetentreiben mit besonders misstrauischen Augen beobachten, meinen noch einen weiteren Politiker-Typus entdeckt zu haben: Volksvertreter, die sich ausschließlich als Agenten einer bestimmten Interessensgruppe verstehen, jederzeit ein offenes Ohr haben für „ihren“ Lobbyisten und vielleicht auch gerne mal eine Luxus-Reise in die Karibik als „kleines Dankeschön“ akzeptieren. Der Gipfel des Zynismus – den aber Abgeordnete schon erklommen haben sollen.

Die Gäste der Sendung

Charles M. Huber
Charles M. Huber Quelle: imago

Charles M. Huber wurde 1956 als Karl-Heinz Huber in München geboren. Sein Vater war senegalesischer Diplomat, seine Mutter stammte aus Deutschland. Nach der Ausbildung als Zahntechniker startete er seine Karriere als Schauspieler in Münchner Kellertheatern. Er nannte sich nun Charles Muhamed nach seinem Spitznamen als Kind und nach seinem Idol, dem Boxer Muhammad Ali. Zwischen 1986 und 1997 wurde er als Polizeikommissar in der ZDF-Serie „Der Alte“ bekannt, außerdem wirkte er in mehreren nationalen und internationalen Kinoproduktionen mit. Nach seinem Ausstieg aus der ZDF-Reihe beriet er das äthiopische Tourismusministerium und gründete 2002 das Hilfsprojekt „Afrika Direkt e.V.“.

Politisch war Huber zunächst in der SPD aktiv, entfremdete sich doch bald von dieser Partei und wandte sich anschließend – als Bayer – der CSU zu. Auf die Anfrage der hessischen CDU hin, ob er sich um ein Bundestagsmandat in Darmstadt bewerben möchte, zog er nach Hessen und wechselte von der CSU in die CDU. Zur Begründung führt er an, dass er sich schon immer für Politik, besonders Entwicklungspolitik, interessiert habe. Die Kandidatur für die CDU sieht im Zusammenhang mit seiner Bewunderung für Angela Merkel; da scheut er nicht einmal das Risiko, gegen die etablierte SPD-Politikerin und Ex-Justizministerin Brigitte Zypries anzutreten.

Dieter Wiefelspütz
Dieter Wiefelspütz Quelle: imago

Dieter Wiefelspütz wurde 1946 im nordrhein-westfälischen Lünen geboren. Nach Mittlerer Reife und Buchhändlerausbildung holte er auf dem Zweiten Bildungsweg das Abitur nach und studierte Jura in Bochum. Nach den Staatsexamen und dem Referendariat arbeitete er ab 1978 als Richter in Gelsenkirchen und ließ sich 1989 als Rechtsanwalt nieder.

Wiefelspütz gehört seit 1972 der SPD an. Dem kommunalpolitischen Engagement folgte ab 1987 seine bundespolitische Karriere. Seit diesem Jahr hat er bei jeder Bundestagswahl das Direktmandat seines Wahlkreises gewinnen können. Seit 1994 gehört er dem Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion an. 2011 gab Wiefelspütz bekannt, dass er bei der Bundestagswahl 2013 nicht mehr antreten werde und trat gleichzeitig als innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion zurück.

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