Programmierter "Bufdi"-Flop

Hastiges Handeln und geschönte Zahlen

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie sich kaum darüber wundern, dass der viel gepriesene und hoch gelobte "Bundesfreiwilligen-Dienst" sich als Flop erweist?

Das Gegenteil hätte mich erstaunt, und ich hätte meine schlechte Prognose von besseren Tatsachen gerne korrigieren lassen, als ich nach Abschaffung der Wehrpflicht schrieb: Wenn jetzt auch noch die Zivis wegfallen, dann droht unserem Sozialsystem und vielen Hilfsdiensten eine Katastrophe. Doch die Politiker betonten wie tibetanische Gebetsmühlen: Nein, nein, es werden sich genug Freiwillige finden, die da einspringen ...

Doch gleich der erste "Bufdi"-Monat sorgte für Ernüchterung. Und ich meine: für einen klaren Blick auf die Realität! Denn die Bilanz der Hilfsdienste ist erschütternd. Zum 1. Juli suchte zum Beispiel der Arbeiter-Samariter-Bund 1700 Freiwillige, doch es meldeten sich ganze 50 Bufdis. Dem Malteser Hilfsdienst erging es nicht besser: Von den benötigten 900 Plätzen konnten nur 98 besetzt werden, bei den Johannitern haben sich nur 170 gemeldet. Noch schlimmer ist das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bei der Caritas. Von 3300 Plätzen konnten nur 300 vergeben werden.

Angst vor dem Alter

Schlimmer ist, wie sich das Familienministerium diesen eklatanten Fehlstart schön rechnet. Die Berliner Bürokraten wollen uns den Bundesfreiwilligen-Dienst als Erfolg verkaufen und machen sich dazu eine eigene Mathematik: Es gibt bereits 17.300 Freiwillige, frohlockt man. Die Wahrheit ist allerdings, dass 14.300 von diesen neuen Bufdis die guten alten Zivis sind. Es sind Zivildienstleistende, die ihren Dienst freiwillig verlängert haben, wohl deshalb, weil sie ihren Dienstort und vor allem die betroffenen Menschen angesichts der drohenden Katastrophe nicht im Stich lassen wollen. Hut ab vor diesen jungen Leuten! Das ist echtes Engagement, ja sogar ein Beispiel von Solidarität.


Der Grund für diese Null-Bock-Stimmung für ehrenamtliche Dienste ist nicht nur eine Gesellschaft, in der Worte wie Nächstenliebe oder Gemeinsinn zu Fremdworten verkommen sind. Es ist wieder einmal der Aktionismus unserer Regierenden, die aus dem Bauch heraus Augenblicks-Entscheidungen treffen, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Experten haben längst davor gewarnt, die Abschaffung der Wehrpflicht nicht zu hektisch zu vollziehen. Doch Berlin handelte wieder mal getreu dem alten Mark-Twain-Motto: "Als sie das Ziel aus den Augen verloren, verdoppelten sie ihre Anstrengungen." Was uns bei dem überstürzten Ausstieg aus der Kernenergie noch alles blüht, werden wir sehen. Der übereilte Ausstieg aus der Wehrpflicht hat bereits jetzt gezeigt: Hastiges Handeln holt sich seine Opfer meist bei denen, die am wenigsten dazu können. Jetzt haben noch mehr Leute Angst vor dem Alter und der Pflegebedürftigkeit.

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