Radfahrer: der natürliche Feind des Autofahrers

Rücksicht - im eigenen Interesse

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie sich jetzt im Auto beim Abbiegen wieder ganz besonders zusammenreißen müssen? Nämlich um den rechten Außenspiegel zu benutzen und/oder den Kopf zu drehen, wie es in der Fahrschule gelehrt wird?

Poster mit der Aufschrift "Kampf den Kampfradlern"
Poster mit der Aufschrift "Kampf den Kampfradlern" Quelle: ZDF,Tobias Kurfer

Vielleicht nicht, wenn Sie auf dem Land wohnen oder in den Bergen. Aber in den Großstädten ist die Saison eröffnet. Und die Straßen werden zunehmend zur Kampfzone. Das hat auch Bundesverkehrsminister Ramsauer erkannt, der den "Kampf-Radlern" ein härteres Vorgehen angedroht hat. In der Tat: Viele Radfahrer halten sich für Fußgänger und befolgen bestenfalls die eher laxen Regeln, die für diese gelten. Warum an einer roten Ampel halten, wenn die Kreuzung frei ist? Warum die Straße mit ihrem ruckelnden Kopfsteinpflaster benutzen, wenn der Gehweg breit genug und zudem auch frei ist?

Aber Radfahrer sind eben keine Fußgänger, die schnell halten können, weil sie nicht schnell sind. Und sie sind nicht langsam wie Fußgänger, die ein Autofahrer besser einschätzen kann, weil sie langsam sind. Wer einmal in Berlin aus seiner Haustür getreten ist und von einem auf dem Fußweg vorbei rasenden Radfahrer beinahe umgefahren wurde, weiß, wovon ich rede. Und wer beim Rechtsabbiegen froh ist, dass die Fußgänger nun den Weg freigemacht haben und dann auf einen in letzter Minute bei Rot von hinten kommenden und geradeaus fahrenden Radfahrer achten muss, ebenfalls.

Der natürliche Feind des Radfahrers

Wie anders aber stellt sich die Welt dar, wenn man selbst auf einem Fahrrad sitzt. Dann nämlich nimmt man sehr schnell für sich in Anspruch, die Lage zu überblicken und zu beherrschen. Klar lockt der Bürgersteig, wenn die Straße mit Kopfsteinpflaster bedeckt ist oder der Radweg mal wieder zugestellt. Und klar fühlt man sich immer ein bisschen im Recht, weil man ja doch der Schwächere ist. Ist doch alles nicht so schlimm, man kann doch anhalten. Und ist der Vorteil eines Radfahrers nicht dahin, wenn er sich wie ein Auto mühsam von roter Ampel zu roter Ampel stauen muss? Schnell mal zwischendurch, an der Seite vorbei, über die Fußgänger-Ampel und dann wieder auf die Fahrbahn einsortiert.

Das bisschen Freiheit und Abenteuer muss doch im Großstadt-Dschungel erlaubt sein. Eine Fußgängerzone kürzt den Weg ab? Nichts wie durch, die Fußgänger werden es schon ermöglichen. Alkohol am Lenker? Kein Problem, ist doch nur ein Fahrrad. Telefonieren mit dem Handy? Daran sollen sich Autofahrer halten. Wie viele Polizisten müsste man da einsetzen, um den Regeln wieder zur Gültigkeit zu verhelfen? Einzelkontrollen haben mitunter zwar kurzfristig eine heilsame Schockwirkung, in der Gesamtheit der Verkehrsverstöße wirken sie doch wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Bis auf Weiteres hilft nur der Appell: Nehmt Rücksicht! Und zwar auch im eigenen Interesse. Denn wer gegen Regeln verstößt, darf im Nachhinein nicht auf Mitleid hoffen.

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