Randale, Einbrüche, Gewaltexzesse

Brauchen wir mehr Polizei?

Erstmals seit sieben Jahren ist die Zahl der Straftaten im Jahr 2011 in Deutschland wieder gestiegen. Insbesondere Einbruchsdelikte weisen eine überdurchschnittliche Steigerung auf. Wie kommt es zu einer solchen Entwicklung? Und ließe sie sich nicht durch die vermehrte Einstellung von Polizisten verhindern? Zu diesem Thema hat Peter Hahne zwei Gäste eingeladen, deren konträre Positionen eine interessante Diskussion versprechen: der Bundestagsabgeordnete der Grünen Hans-Christian Ströbele und der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft DPolG Rainer Wendt.

Mann versucht mit Schraubendreher ein Fenster zu öffnen.
Die Zahl der Wohnungseinbrüche hat um fast zehn Prozent zugenommen. Quelle: imago

Jahr für Jahr werfen besorgte Bürger einen Blick auf die jüngste Kriminalstatistik – lange Zeit grundlos, denn die Zahl der angezeigten Straftaten ist regelmäßig zurückgegangen. Nun ist sie erstmals wieder angestiegen, um etwa ein Prozent. Zwar sind Gewalttaten nach wie vor rückläufig, doch die Fälle von Wohnungseinbrüchen sind um fast zehn Prozent angestiegen. Auch die Aufklärungsquote hat sich von 56 auf knapp 55 Prozent verschlechtert.

Nun wird mancher sich beruhigt zurücklehnen, denn die nachlassende Gewaltbereitschaft sei wichtiger als ein paar geknackte Terrassentüren mehr. Wer Opfer eines Wohnungseinbruchs geworden ist, sieht das allerdings ganz anders. Natürlich lässt sich der materielle Verlust über die Versicherung regulieren, doch die Opfer müssen auch noch die Schäden beheben, Handwerker organisieren, das Chaos in der Wohnung beseitigen. Und was oft vergessen wird: Wer reguliert eigentlich die psychischen Schäden?

Flächendeckende Präsenz?

Die Vorstellung, dass ein Fremder in ihren intimsten Kreis eingebrochen ist, ihre Zufluchtsstätte, ihr Heim zerstört hat, ist für viele nur schwer aushaltbar. Psychologen berichten von Klienten, die monatelang therapiert werden mussten, um dieses Trauma zu verarbeiten und von einigen, die sogar umgezogen sind, weil sie es in der alten Wohnung nicht mehr ausgehalten haben.

In solchen Momenten kommt immer eine Forderung schnell auf den Tisch: Wir brauchen mehr Polizisten! Denn wenn mehr Streifen durch das Wohngebiet fahren, werden Einbrecher eher von ihrem Plan Abstand nehmen, so das Kalkül. Doch Erfahrungen aus der Drogenprävention zeigen, dass eine stärkere Überwachung die Tatorte lediglich verschiebt - in Gegenden, die weniger stark beobachtet werden. Und eine flächendeckende Präsenz von Polizisten in jeder Straße, auf jedem Platz in einer Großstadt wie Berlin ist pure Illusion. Wie kann also den Bürgern ein besseres Sicherheitsgefühl vermittelt werden?

Die Gäste der Sendung

Hans-Christian Ströbele
Hans-Christian Ströbele Quelle: imago

Hans-Christian Ströbele wurde 1939 in Halle /Saale geboren. Nach dem Abitur 1959 in Marl/Westfalen startete er ein Jura-und Politikstudium in Heidelberg und Berlin. Dieses schloss er 1969 mit der zweiten juristischen Staatsprüfung ab und wurde als Rechtsanwalt zugelassen. Im gleichen Jahr wurde er Mitbegründer des „Sozialistischen Anwaltskollektives“ in Berlin, das sich in erster Linie der juristischen Vertretung von angeklagten Demonstranten widmete. 1970 wurde er bundesweit bekannt, als er die Verteidigung von Angeklagten aus der RAF, unter anderem Andreas Baader, übernahm. 1975 wurde er als Anwalt im Stammheimer Prozess ausgeschlossen und 1980 verurteilte ihn das Landgericht Berlin wegen „Unterstützung einer kriminellen Vereinigung“ zu 18 Monaten Haft auf Bewährung. Die Strafe wurde später auf zehn Monate reduziert.

Nachdem Ströbele nach fünf Jahren Mitgliedschaft 1975 aus der SPD ausgeschlossen worden war, gehörte er 1978 zu den Mitbegründern der „Alternativen Liste“ in Berlin, dem Vorläufer der „Grünen“. Seine politische Karriere startete 1985, als er als Nachrücker für zwei Jahre in den Bundestag einzog. Nachdem seine Partei 1990 den Einzug in den Bundestag verpasst hatte, kehrte er erst 1998 über die Landesliste in das Parlament zurück. Als Parteilinken verwehrte ihm die Mehrheit der Berliner Grünen einen aussichtsreichen Listenplatz für die Bundestagswahl 2002. So kandidierte er für ein Direktmandat, das er als einziger Grüner überraschenderweise auch gewann. Sowohl 2005 als auch 2009 konnte er diesen Erfolg in seinem Berliner Wahlkreis wiederholen.  Zwischen 2002 und 2009 war er auch stellvertretender Parteivorsitzender von Bündnis90/Die Grünen. Mittlerweile hat er bekannt gegeben, dass er auch bei der Bundestagswahl im Herbst wieder antreten und sein Direktmandat verteidigen will. Hans-Christian Ströbele ist seit 1967 verheiratet.

Rainer Wendt
Rainer Wendt Quelle: imago

Rainer Wendt, 1956 in Duisburg geboren, ist seit 2007 Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft im Deutschen Beamtenbund (DpolG). Er arbeitet seit 1973 im Polizeidienst, vor seiner Wahl zum Gewerkschaftsvorsitzenden war er als Polizeihauptkommissar Dienstgruppenleiter bei der Schutzpolizei.

Bundesweit bekannt wurde Wendt als er im Mai 2010 den Vizepräsidenten des Bundestages Wolfgang Thierse (SPD) in der „Welt“ als „die personifizierte Beschädigung des Ansehens des deutschen Parlaments“ bezeichnete. Mit dieser Aussage kritisierte er die seiner Meinung nach illegale Beteiligung Thierses an einer Sitzblockade gegen den Aufmarsch von Nazis in Berlin.

Für Aufsehen sorgte Wendt auch durch mehrfache Kritik an Urteilen deutscher Gerichte bis hoch zum Bundesverfassungsgericht. Diese Äußerungen brachten ihm den Vorwurf ein, die Gewaltenteilung als Grundlage der Demokratie zu negieren. Auch in den eigenen Reihen stieß seine Forderung, die Polizei bei gewalttätigen Demonstrationen mit Gummigeschossen auszurüsten, auf Unverständnis. Der NRW-Vorsitzende der zweiten Polizeigewerkschaft GdP Frank Richter sagte: „(…) wir leben in Deutschland nicht in einem Bürgerkrieg. Wir sollten ihn auch nicht herbeireden.“ Rainer Wendt ist seit den 1970er Jahren Mitglied der CDU, verheiratet und Vater von fünf Kindern.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet