Recht so!

Endlich denkt ein Gericht auch an das Opfer

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie erleichtert sind, dass endlich mal ein Richter durchgreift und Unrecht bestraft? Allzu oft hat man ja den Eindruck, Gerichte hätten eher für die Täter als die Opfer Verständnis.

U-Bahn-Schläger
U-Bahn-Schläger Quelle: reuters

Roh und reuig

Autobrand in Berlin
Autobrand in Berlin Quelle: dpa


Zuletzt wurde in Berlin ein Krimineller wieder auf freien Fuß gesetzt, den man beim Anzünden eines Autos erwischt hatte. Auch bei Gewalttaten finden irgendwelche Gutachter und Psychologen genug Gründe, um die Täter im milden Licht erscheinen zu lassen, was eine milde Bewährungsstrafe zur Folge hat.
Anders das Landgericht in Berlin-Mitte. Da fand der Täter keine Gnade, auch wenn seine Verteidiger noch so ergreifende Gründe für mildernde Umstände ins Feld führten. Der Gymnasiast Torben P. bekommt knapp drei Jahre Jugendstrafe, weil er am Karsamstag einen 30-jährigen Mann auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße halb tot geschlagen hat. Die Videoaufnahmen der brutalen Tat gingen damals um die Welt, und Millionen konnten mit ansehen, wie der 18jährige Schüler viermal gegen den Kopf seines Opfers tritt, der bereits hilflos am Boden liegt.

Das Gericht war sich einig: Torben P. habe den Tod seines Opfers "mit einkalkuliert", weswegen die Tat als "besonders roh und brutal" anzusehen ist. Da half es wenig, dass der Täter seine schwere Kindheit, seine emotionslosen Eltern, Schulschwierigkeiten und seinen alkoholisierten Zustand gelten machen wollte. Nein, der Richter hatte das Opfer im Blick und die abschreckende Wirkung einer solchen Strafe. Recht so! Allein die Tatsache, dass Torben seine Tat bereut und bisher nicht auffällig oder gar vorbestraft war, ließ man gelten.

Bei Wasser und Brot?

Deshalb wird es für den Schüler einen offenen Strafvollzug geben. Auch das ist sinnvoll, kann er doch jetzt sein Abitur machen und wird im Gefängnis unter anderen Verbrechern nicht erst noch richtig kriminell. Deshalb verstehe ich nicht, dass Kritiker nach einer noch härteren Strafe rufen, am besten gleich "bei Wasser und Brot." Das bringt erfahrungsgemäß genauso wenig wie ein Freispruch, weil es die Chance auf Resozialisierung mindert. Mit diesem Urteil haben die Berliner Richter beides erreicht: Die relativ hohe Jugendstrafe wirkt abschreckend - und der freie Vollzug erhöht die Aussicht, dass Torben P. nie wieder zum Täter wird.

Und das ist wichtig an einem Tag, wo man in Berlin bereits um das nächste Opfer trauert. Schrecklich! Auf der Flucht in Todesangst vor U-Bahn-Schlägern wurde der Gastwirts-Sohn Guiseppe M. von einem Auto erfasst. 400 Berliner haben sich gestern an der Unglücksstelle versammelt. Gut, dass dank der Überwachungskameras die drei Schläger, die den Jugendlichen in den Tod gehetzt haben, bereits festgenommen sind. Bleibt zu hoffen, dass die Richter "im Namen des Volkes" ein Urteil finden, das wirklich vom Volk verstanden wird. Bei Torben P. ist es ihnen (endlich) gelungen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet