Rente mit 65, 66, 67

Das Renteneintrittsalter steigt

Geht es Ihnen auch so, dass Ihnen erst jetzt richtig bewusst wird, dass das Renteneintrittsalter, wie es so schön formaldeutsch heißt, langsam aber stetig steigt? Dabei sind die Beschlüsse dazu schon lange gefallen, die Auswirkungen angekündigt und breit diskutiert.

Senioren-Paar sitzt auf einer Bank
Senioren-Paar sitzt auf einer Bank Quelle: dpa

Aber mit Beginn dieses Jahres, da die ersten Neurentner-Jahrgänge von den - noch geringen Steigerungen - zum ersten Mal betroffen sind, wird uns allen erst richtig klar, was das bedeutet. Und nun beginnt die Diskussion erneut.

Nahtlos vom Bafög zur Rente

Es scheint menschlich, allzu menschlich, dass man vor dem vermeintlich Unangenehmen die Augen so lange verschließt, bis es nicht mehr zu leugnen ist. Das Gleiche gilt übrigens auch für die grundlegende Ursache dieser neuen Rentenregelung, den demographischen Wandel. Auch der hat sich lange, ja noch viel länger schon abgezeichnet. Nur wollte ihn keiner sehen oder zumindest daraus die notwendigen Konsequenzen ziehen.

Der zugegebenen blöde Spruch zur Überlastung des Sozialsystems, hat doch einen wahren Kern: "Nahtlos vom Bafög zur Rente!". Es kann doch nicht sein, dass eine Gesellschaft mit immer weniger Kindern und Alten mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von fast 90 Jahren die arbeitenden Menschen mit 60 in Rente schickt. Nach - bei Akademikern, deren Ausbildung länger dauert - vielleicht nur 30, 35 Berufsjahren, also einem Drittel ihrer Lebenszeit. Dass die Kassen dafür nicht reichen, ist keine komplizierte Mathematik. Mit der Neuregelung wird nur der eine, formale Schritt getan, der nötig ist. Die Rentenarithmetik wird auf sicherere Füße gestellt. Dass auch diese Erhöhung des Renteneintrittsalters nicht ausreichen wird, darüber sind sich fast alle Experten einig.

Wertschätzung der Lebensleistung

Zudem haben die meisten vergessen, dass es mit dem formalen Akt allein nicht getan ist. Und insofern verstehe ich die Klagen, die jetzt laut werden. Grundsätzliches Umdenken muss einsetzen - und das ist der zweite mindestens genau so wichtige Schritt - zu einer altenfreundlichen Gesellschaft, einer Wertschätzung von Erfahrung und Lebensleistung. Aber auch bei den Alten muss die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen und Weiterbildung wachsen. Denn Erfahrung allein reicht nicht aus, um den Fachkräftemangel in Deutschland durch längeres Arbeiten der erfahrenen Alten auszugleichen.

Ein hochkompetitiver globaler Markt verlangt nach innovativem Wissen der Fachkräfte. Und das muss lebenslang erarbeitet werden. Und umgekehrt werden auch die fittesten Alten nicht frohgelaunt ihrer Arbeit nachgehen, wenn Jugendwahn sie ausgrenzt.

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