Respekt als Mangelware

Ordnungshüter bespuckt, verhöhnt und verspottet

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie im Alltag allzu oft Zeugen von Respektlosigkeit werden? Damit meine ich nicht die jungen Leute, die natürlich ein "Recht" auf gewissen Ungehorsam haben, wie wir ihn als Kinder auch hatten.

Gewaltbereite Fußballfans mit Polizisten
Gewaltbereite Fußballfans mit Polizisten Quelle: imago

Dass die nicht stramm stehen oder gar aufstehen, wenn sie einer "Autoritätsperson" begegnen, gehört zur Pubertät und muss kein Zeichen schlechter Erziehung sein. Da Erziehung jedoch, wie der Urvater der Pädagogik, Johann-Heinrich Pestalozzi meinte, aus Vorbild und Liebe bestehe, empören mich eher die Vorbilder. Wir Erwachsene sind gefragt: Was leben wir unseren Kindern in Sachen Respekt eigentlich vor?

Undankbare Unfallopfer

In diesen Tagen kam ein internes Papier der Hamburger Polizei an die Öffentlichkeit, das schockiert. Die Beamten beklagen neben schlechter Bezahlung und beruflicher Überforderung zu allererst den mangelnden Respekt, der ihnen entgegengebracht wird. Das Schimpfwort "Bulle" sei noch das Harmloseste, was ihnen nachgerufen wird. Immer mehr Leuten scheint es völlig schnuppe zu sein, wenn die Polizei als Ordnungshüter einschreiten will. Beamte würden bespuckt, verhöhnt und verspottet. Und das nicht nur von Betrunkenen oder Leuten aus sozial schwierigen Verhältnissen. Da ist auch der flotte Porsche-Fahrer, der gönnerhaft das Bußgeld aufrundet und dann weiter rast, als gäbe es weder Gesetz noch Ordnung.

Rettungswagen typical Quelle: dpa

Nachdem diese Studie bekannt wurde, meldeten sich auch die "Engel des Alltags", die Rettungssanitäter und Notärzte. Auch denen wird keinerlei Respekt entgegengebracht. Ein Volltrunkener, der froh über seine Rettung sein müsste, beißt dem Arzt noch in den Arm. Selbst Unfallopfer beschweren sich, statt zu freuen, dass Hilfe da ist. Und die Zuschauer, die sich sensationshungrig um einen Unglücksort scharen, kümmern sich einen Dreck um diejenigen, die ihr Leben der Überlebenshilfe gewidmet haben.

Wie man in den Wald hinein ruft ...

Die Liste der Berufsgruppen ließe sich beliebig erweitern. Auch Lehrer erhalten nicht mehr den notwendigen Respekt. Für die einen sind sie "faule Säcke" (Gerhard Schröder), für die anderen Freizeitjobber oder Ferienrekordler. Schüler scheren sich genauso wenig um Ermahnungen zur Disziplin wie Eltern um die Warnungen vor schlechten Zeugnissen. Sollen die Lehrer doch sehen, wie sie mit den Kindern fertig werden. Die Haltung, dass jenseits aller notwendiger und zulässiger Kritik ein Mindestmaß an Respekt vorhanden sein muss, wird immer seltener.

Natürlich ist eine Uniform oder ein Amt nicht gleichzusetzen mit Rechthaben und Autorität. Doch der Mensch, der seine Pflicht im Dienste der Allgemeinheit tut, verdient als minimale Form der Anerkennung Respekt. Eine respektlose Gesellschaft wird kalt und unmenschlich, und letztlich tragen zum Schluss alle die Konsequenzen. Wenn die Volksweisheit stimmt, dass es aus dem Wald herausschallt, wie man in ihn hineinruft, dann tun mir die Täter der Respektlosigkeit jetzt schon leid. Sie werden garantiert die nächsten Opfer.

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