Risiko Übergewicht

Strafsteuer für Dicke?

Gesundheitsexperten warnen: Die Zahl der Übergewichtigen steigt und mit ihr die Gefahr, dass immer mehr Menschen vorzeitig an den Folgen von Übergewicht erkranken oder gar sterben. Um diesen Trend zu stoppen fordern Politiker wie der SPD-MdB Edgar Franke Steuererhöhungen. Ihm gegenüber sitzt bei "Peter Hahne" Vera Int-Veen. Die Moderatorin steht zu ihrer Figur und verbittet sich jegliche staatliche Einmischung in ihre persönlichen Gewichts-Angelegenheiten.

Cheesburger
Wird für ihn bald eine Strafsteuer fällig? Quelle: imago

Als erster Staat zieht Mexiko die Übergewichts-Reißleine. Die Tatsache, dass es mittlerweile in dem mittelamerikanischen Land prozentual mehr Übergewichtige gibt als in den USA, hat den Mexikanischen Kongress veranlasst, auf Fastfood und Softdrinks eine Strafsteuer zu erheben. Einen anderen Weg im Kampf gegen das Übergewicht schlägt die kleine pazifische Fluglinie Samoa Air ein: Sie berechnet ihre Ticketpreise nach dem Gewicht des Fluggastes. In einer Gegend, in der mehr als 90 Prozent der Menschen über 15 Jahre als übergewichtig gelten wohl keine gesundheitspolitische Maßnahme, sondern eher ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell.

Welche Auswirkungen Fettleibigkeit (Adipositas) auch haben kann, erfährt Kevin C. in den USA. Nachdem der 225 Kilogramm schwere junge Franzose sich in einer Spezialklinik in Chicago gegen Hormonstörungen, die seine Adipositas verursachen, hat behandeln lassen, versucht er zurück nach Hause zu fliegen. Doch British Airways weigert sich, ihn an Bord zu lassen, aus „sicherheitstechnischen Gründen“. Diese bestehen darin, dass die üblichen Sicherheitsgurte den massigen Leib nicht umspannen können und die engen Sitze mit geringer Beinfreiheit in der „Holzklasse“ Kevin C. nicht ausreichend Platz bieten. Andere Fluggesellschaften verweisen in ähnlichen Fällen ihre Passagiere auf die Möglichkeit, zwei Tickets zu buchen oder ein Upgrade in die komfortablere Business-Class zu bezahlen.

Du isst, was Du bist

Der Fall des jungen Franzosen ist sicherlich ein Extrembeispiel. Doch wie verhält es sich mit den „normalen“ Dicken? Was ist eigentlich „übergewichtig“? Die Antwort darauf erscheint in den letzten Jahren einfach zu sein: Der „Body-Mass-Index“ (BMI) soll verlässlich Auskunft geben über das Idealgewicht, das laut dieser Berechnung bei 18,5 bis 24,9 liegen soll.

Doch der BMI ist wie seine Vorgänger oder aktuellen Konkurrenten in der Fachwelt umstritten. Er wird lediglich als grober Anhaltspunkt angesehen, einige wissenschaftliche Studien haben sogar bewiesen, dass ein leicht erhöhter BMI von 25 bis 27 ein längeres Leben verspricht als ein „normaler“ Wert.

Fraglos steigt die Zahl der Dicken in den letzten Jahrzehnten rapide an. Doch wie kommt es dazu? Sicherlich haben gesellschaftliche Veränderungen auch das Essverhalten beeinflusst. In einer immer hektischer werdenden Arbeitswelt ist einfach keine Zeit mehr für ein ruhiges, gesundes Mittagessen: Fastfood ist angesagt. Massive Werbefeldzüge preisen das billige und angeblich wohlschmeckende Schnellgericht. Und angesichts der zunehmenden Zahl von verarmten Bürgern erscheint es logisch, dass diese Menschen gerne einen Hamburger für einen Euro oder ein billiges Dosengericht zu sich nehmen – auch wenn sie dick machen. Denn dummerweise enthalten diese Gerichte nicht nur überdurchschnittlich viele ungesunde Fette und andere Dickmacher, sondern sättigen auch schlechter als gesunde Nahrung: Die nächste Hungerattacke folgt schneller als erhofft.

Die Gäste der Sendung

Vera Int-Veen mit gut gefülltem Teller
Vera Int-Veen steht dazu, dass sie gerne isst. Quelle: imago

Vera Int-Veen wird 1967 in Meerbusch am Niederrhein geboren. Nach dem Abitur arbeitet sie neben ihrem Jura- und Politikstudium schon als „Freie“ für Rudi Carrell und Thomas Gottschalk. 1996 startet sie ihre eigene Karriere als Talkmasterin bei Sat 1. Es folgen Sendung bei Kabel 1, RTL II und RTL.

Nachdem ihre Sendung „Mietprellern auf der Spur“ stark in die Kritik geraten ist, moderiert sie für RTL die Sendung „Verzeih mir“. Neben ihrer Moderatorinnen-Tätigkeit veröffentlicht Vera Int-Veen auch zwei Bücher, darunter „Essen Sie doch, was Sie wollen!“, in dem sie sich kritisch mit dem Diät- und Abnehmwahn auseinander setzt.

Edgar Franke
Edgar Franke schlägt eine Strafsteuer auf Fastfood vor. Quelle: privat

Edgar Franke wird 1960 im nordhessischen Gudensberg geboren. Nach Abitur und Zivildienst studiert er Politik und Jura in Marburg und Gießen. Nach der Promotion zum Dr. jur arbeitet er zunächst in einer Rechtsanwaltspraxis, dem Dachverband der Unfallversicherungsträger und wird schließlich zum Rektor der Hochschule der Gesetzlichen Unfallversicherung. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher über Fragen des Arbeits- und Sozialrechts.

Seine politische Karriere startete er 1987 bei den Jusos und anschließen als Stadtverordnetenvorsteher und Bürgermeister seiner Heimatgemeinde. 1999 wurde Franke erstmals für die SPD in den Bundestag gewählt, dem er seitdem angehört. Er ist stellvertretender rechtspolitischer Sprecher seiner Fraktion sowie Mitglied im Rechts- und Gesundheitsausschuss. Angesichts der steigenden Zahl von Übergewichtigen schlägt er, dem Beispiel Mexikos folgend, eine Strafsteuer auf kalorienreiche Nahrungsmittel vor. Er denkt hierbei an eine Erhöhung um den halben Mehrwertsteuersatz. Zumindest in diesem Punkt ist die Große Koalition bereits Realität: Sein Vorschlag findet auch die Unterstützung des CDU-Gesundheitsexperten Erwin Rüddel.

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