Riskante Operationen, nutzlose Pillen

Machen uns die Ärzte krank?

Unnötige Operationen, zu viele Medikamente, die den Patienten krank machen oder Eingriffe, deren Wirksamkeit fragwürdig sind. Werden die Patienten in Deutschland zu hohen Risiken ausgesetzt? Wer wird falsch behandelt und wer richtig? Wann weiss ich, dass mein Arzt die richtige Empfehlung ausspricht? Fragen, die immer lauter gestellt werden, und auch zunehmend mehr Ärzte der Schulmedizin auf den Plan rufen.

Operationssaal an der Universitätsklinik Köln
Operationssaal an der Universitätsklinik Köln Quelle: dpa

Hartwig Bauer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, sagt: "Es wird zu viel und zu rasch operiert". Mit dieser Aussage steht er nicht alleine. Immer mehr Ärzte fordern, überflüssige Operationen und eine übermäßige Verabreichung von Medikamenten zu stoppen. Laut "Spiegel" erreichen die Zahlen der Operationen in Deutschland wie auch die Kosten für Medikamente Höchstwerte.

Widerstand bei der Ärzteschaft

Medikamente
Medikamente Quelle: ZDF

In unterschiedlichen Gruppen wie dem "Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin" oder auf Internetplattformen wie "vorsicht-operation.de" schließen sich Ärzte zusammen. Wie Hans-Ulrich Steinau, Leiter der Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum, fordern sie eine seriösere und objektivere Beurteilung für die Patienten.



Da stellt sich die Frage, ob es tatsächlich noch der Patient ist, den viele Mediziner in ihren Behandlungen im Auge haben. 160.000 Mal wird beispielsweise in Deutschland an einer Bandscheibe operiert - 80 Prozent der Eingriffe sind nach Angaben der Techniker Krankenkasse überflüssig. Ähnliche Tendenzen solle es bei Kniespiegelungen, Schilddrüsenerkrankungen oder Gebärmutteroperationen geben, so berichtet der Spiegel. Brauchen wir also eine Prävention vor der Medizin? Machen uns die Ärzte krank?

Mit Peter Hahne diskutieren


Professor Ingrid Mühlhauser ist Österreicherin, hat in Wien studiert und zunächst auch in Wien gearbeitet: im Stadtkrankenhaus in der Chirurgie und der Inneren Medizin, dann an der Universitätsklink in Wien. Anschließend ist sie nach Düsseldorf an die Universitätsklink gegangen, wo sie 20 Jahre in der klinischen Medizin praktizierte, vor allem im bereich Diabetes und Stoffwechselerkrankungen.


Seit 1996 hat sie eine Professur in Hamburg für Gesundheitswissenschaften. Sie sagt, dass von den Ärzten ein Aktionismus ausgeht und "heute etliche diagnostische und therapeutische Maßnahmen gesetzt werden, die unnötig sind und oftmals mehr Schaden als Nutzen für die Menschen bringen."


Professor Dr. med. Christoph M. Bamberger ist der Direktor des Medizinischen PräventionsCentrums Hamburg (MPCH). 1991 hat er seine medizinische Laufbahn als Arzt für Innere Medizin und Endikronologie an der Medizinischen Klinik Christian-Albrechts-Universität in Kiel begonnen, war zu Studienaufenthalten in den USA.


Nach weiteren Stationen erhielt er ab 2003 die Professur für Endokrinologie und Stoffwechsel des Alterns im Zentrum für Innere Medizinam Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Direktor und Geschäftsführer des MPCH ist er seit 2006. Der Internist und Hormonexperte ist als bundesweit erster Professor für Endokrinologie und Stoffwechsel des Alterns ("Anti-Aging") bekannt geworden. Er gehört zu den angesehensten Ärzten auf dem Gebiet der Präventiv- und Anti-Aging-Medizin.

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