Sarrazin: Redeverbote und Tabubruch

Wie frei sind wir wirklich?

Begleitet von kleineren Protesten hat der umstrittene Bestsellerautor Thilo Sarrazin am Dienstag sein Buch "Der neue Tugendterror" zum ersten Mal öffentlich vorgestellt. Rund 400 Menschen besuchten die Veranstaltung im Potsdamer Nikolaisaal, während vor dem Gebäude etwa 80 Sarrazin-Gegner protestierten. In dem neuen Buch kritisiert Sarrazin ein vermeintliches links-liberales Gutmenschentum, das auf moralisch korrekte Gesinnung anstatt auf Fakten setze und einem "Gleichheitswahn" anhänge. Peter Hahne diskutiert darüber mit dem Autor selbst und mit dem Publizisten Jakob Augstein.

Besonders mit dem Buch "Deutschland schafft sich ab" hat Thilo Sarrazin für heftige Debatten im Land gesorgt. Kritiker haben ihn zum Rassisten gestempelt, seine Anhänger haben sein Buch zum Bestseller und ihn selbst zu einem wohlhabenden Mann gemacht. Über Ablehnung müsste er sich also nicht beschweren - und doch tut er in seinem neuen Werk "Der neue Tugendterror" genau das. Der Publizist Jakob Augstein findet eine einfache Erklärung: "Sarrazins Buch über den Tugendterror zieht seine Wucht nicht aus der Sorge um das Wohl der Welt, sondern aus der gekränkten Eitelkeit des Autors." Worin diese Kränkung besteht, beschreibt Augstein bei Spiegel Online so: "Mehr als eine Million Menschen haben Sarrazins Buch gekauft. Aber ihm blieb der Zuspruch der Meinungseliten versagt. Das kann er nicht verzeihen."

Provokation oder nicht?

Der frühere SPD-Politiker Sarrazin sieht sich selbst nicht als Provokateur. "Ich provoziere ja nicht, sondern es fühlen sich einige provoziert", sagte er bei der Vorstellung seines neuen Buches. Letztlich ergebe sich aber eine Diskussion, und das sei immer produktiv. Der 69-Jährige betonte, er bleibe weiterhin in der SPD - in der Partei fühle er sich zu Hause.

"Lesen Sie das Godesberger Programm. Es gibt keinen Satz, außer vielleicht zum Atom, den ich nicht unterschreiben würde." Die SPD hatte in der Debatte um das erste Buch "Deutschland schafft sich ab" vergeblich versucht, Sarrazin aus der Partei auszuschließen.

Die Gäste

Thilo Sarrazin
Thilo Sarrazin

Thilo Sarrazin, geboren 1945, war von 1975 bis 2010 im öffentlichen Dienst tätig: Häufig waren dies Posten in Ministerien,  von 2000 bis 2001 auch in leitender Position bei der Deutschen Bahn AG. Danach wurde er bis 2009 viel beachteter Finanzsenator im Berliner Senat.

Das empfahl ihn für seine letzte Position in einem öffentlichen Amt: Bis Ende September 2010 war er Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank. Sarrazin hat mit "Deutschland schafft sich ab" einen höchst umstrittenen Bestseller geschrieben, der ihn letzlich seine Bundesbank-Position gekostet hat.

Jakob Augstein
Jakob Augstein Quelle: imago

Jakob Augstein wurde 1967 geboren. Er ist Journalist, Verleger und Chefredakteur der Wochenzeitung "der Freitag". Er studierte Politikwissenschaft, Germanistik und Theaterwissenschaft. Von 1993 bis 2003 arbeitet er für die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) in München und Berlin, war Chef der SZ-Berlin-Seite.

Seit 2011 schreibt er unter anderem regelmäßig für "Spiegel Online" und entwickelte mit dem Fernsehsender Phoenix die Sendung "Augstein und Blome", die für den Grimme Preis 2013 in der Kategorie „Information und Kultur“ nominiert war.

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