Scheitern: Katastrophe oder Chance?

Zwischen "Aus und vorbei" und "Phönix aus der Asche"

Der Schock sitzt tief. Zum ersten Mal ist die FDP auf Bundesebene an der 5-Prozent-Hürde gescheitert. Ihr Vorsitzender Philipp Rösler und das gesamte Parteipräsidium sind zurückgetreten. War’s das für die Liberalen? Verschwindet die traditionsreiche Partei nun in der Versenkung? Oder bietet sich nun endlich die Gelegenheit für eine grundsätzliche Neuorientierung und die Wiederauferstehung?

Rainer Brüderle und Philipp Röslder nach der Wahlniederlage
Die FDP-Politiker Rainer Brüderle und Philipp Rösler nach der Wahlschlappe Quelle: dpa

Johannes Vogel, einer der Gäste bei „Peter Hahne“ und nicht verwandt mit Bernhard Vogel, dem zweiten Gast, war – bislang – nur eine Legislaturperiode im Bundestag vergönnt: Er scheiterte mit seiner FDP an der Sperrklausel. Natürlich ist auch er wie seine Parteifreunde niedergeschmettert. Doch er sucht die Schuld für das Ergebnis nicht bei anderen, etwa der CDU, die diesmal auf eine Zweitstimmen-„Spende“ verzichtet hat, sondern sieht sich und seine Partei allein in der Verantwortung. Er stellt fest, dass seine Partei es nicht verstanden habe, „verlorene Glaubwürdigkeit“ wieder herzustellen.

Kopf hoch!

Seine Betonung des Themas Bürgerrechte und sein Bezug auf die sozial-liberalen Urgesteine der 1970er Jahre Gerhart Baum und Burkhard Hirsch sowie die (nun ehemalige) Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger deutet die Richtung an, in die er wohl denkt: Weg von der reinen wirtschafts-liberalen Orientierung, zurück zur Betonung von Persönlichkeitsrechten, Wiederherstellung der sozialen Marktwirtschaft und endlich das Eingeständnis, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei.
Johannes Vogel ist zwar die Enttäuschung über das Wahlergebnis anzumerken, doch keinerlei Resignation. Er vermittelt den Eindruck, dass diese Niederlage auch eine Chance bietet – vielleicht nicht in Form des mystischen Phönix aus der Asche, eher als Baron Münchhausen, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht.

Die Gäste der Sendung

Bernhard Vogel
Bernhard Vogel Quelle: imago

Johannes Vogel wurde 1982 in Wermelskirchen/Bergisches Land geboren. Nach dem Abitur und Zivildienst studierte er Politikwissenschaften, Völkerrecht und Geschichte in Bonn. 2009 schloss er sein Studium mit dem Magister Artium (M.A.) ab. Bereits als 16-Jähriger trat er den Jungen Liberalen (JuLis) bei, der Jugendorganisation der FDP an; ein Jahr später wurde er auch FDP-Mitglied. Zunächst engagierte Vogel sich auf Kreisebene für die JuLis, bevor er 2004 in den Bundesvorstand der Organisation gewählt wurde. Nur ein Jahr später wurde er zum Vorsitzenden der Bundes-JuLis gewählt; das Amt hatte er bis 2010 inne. Zwischen 2001 und 2005 war er Mitarbeiter des FDP-Generalsekretärs von NRW Christian Lindner, daran anschließend wurde er in den Kreistag des Rheinisch-Bergischen Kreises gewählt. 2009 wurde Vogel Mitglied des Bundestages und arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Durch das Scheitern der FDP an der 5-Prozent-Hürde gehört er dem neuen Parlament nicht mehr an.

Bernhard Vogel wurde 1932 in Göttingen geboren. Nach dem Abitur 1953 in München studierte er in Heidelberg und München Politik, Soziologie und VWL. 1960 promovierte er zum Dr. phil. Ab 1961 arbeitete er für vier Jahre als Lehrbeauftragter an der Universität von Heidelberg. 1965 gewann er bei der Bundestagswahl für die CDU das Direktmandat seines Wahlkreises und zog in das Bonner Parlament ein. Bereits zwei Jahre später musste er das Mandat zurückgeben, da er vom Ministerpräsidenten Peter Altmeier zum Kultusminister von Rheinland-Pfalz ernannt worden ist. 1976 wurde er zum Ministerpräsidenten des Landes gewählt, nachdem Helmut Kohl Bundeskanzler geworden war.

Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl 1987 und einem darauf folgenden heftigen innerparteilichen Streit gab er sein Amt als Ministerpräsident auf und trat als Landesvorsitzender der CDU zurück. In den folgenden fünf Jahren konzentrierte sich Vogel auf seine Arbeit als Vorsitzender der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Anfang 1992 kehrte er in die aktive Politik zurück. Nachdem der thüringische Ministerpräsident Josef Duchač zurückgetreten war, wurde er zu dessen Nachfolger und zum Landesvorsitzenden der CDU gewählt. Bei der Wahl 1994 scheiterte sein Koalitionspartner FDP an der 5-Prozent-Klausel und Vogel bildete mit der SPD eine Große Koalition. Die Wahl 1999 gewann er souverän und konnte eine Alleinregierung in Thüringen für die CDU etablieren. Vier Jahre später gab er sein Amt aus Altersgründen auf; zu seinem Nachfolger wurde der CDU-Vorsitzende Dieter Althaus gewählt. Bernhard Vogel ist das Paradebeispiel dafür, dass eine politische Niederlage noch lange nicht das Ende bedeuten muss. Mit Beharrlichkeit, Geduld und Durchsetzungsvermögen lässt sich offenbar gerade in der Politik ein vermeintlicher Karriereknick ausbügeln.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet