Selbstbedienungsladen Brüssel

Traumjob Europa-Beamter

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie "Europa" oft nur über Skandale, Korruption und Bürokratie wahrnehmen? Natürlich wird uns von der Politik immer wieder eingehämmert, wie wichtig und nützlich das vereinte Europa doch ist.

EU-Flaggen vor dem EU-Parlament
EU-Flaggen vor dem EU-Parlament Quelle: dpa

Und natürlich freue auch ich mich darüber, ohne langwierige Kontrollen über Grenzen fahren zu können und ohne umständlichen Währungsumtausch mit dem Euro zu bezahlen. Auch dass Deutschland erstmals in seiner Geschichte nur noch von Freunden umzingelt ist, ist ein stichhaltiges Argument für das vereinte Europa.


Umso mehr macht's mich wütend, dass die europäischen Funktionäre meist nur durch Skandal-Schlagzeilen auffallen und einem den Spaß am Projekt Europa gründlich verderben. Das schlechteste Image, was ein "Produkt" nur haben kann, hat einen Namen: Europa. Und immer geht's dabei um das liebe Geld. Als die Kanzlerin jetzt die Griechen geißelte, sie würden zu viel Urlaub machen bei den hohen Schulden, da begann die große Rechnerei, wer wie viele freie Tage in Europa hat. Als hätte man's geahnt und könnte drauf wetten: Die üppigste Ferienregelung leisten sich die EU-Beamten!

DI-MI-DO-Behörde

Gegen den Freizeitpark Brüssel ist Athen das reinste Arbeitslager. 63 (in Worten: dreiundsechzig!) bezahlte (!) Feier- und Urlaubstage stehen den Bürokraten zu - vom Generaldirektor bis zum Chauffeur. Unfassbar, dass die Herrschaften sogar noch die freien Tage zwischen Weihnachten und Neujahr bezahlt bekommen, ganz zu schweigen von den An- und Abreisetagen, die natürlich in die Arbeitszeit eingerechnet werden.

Die EU leistet sich also auf unsere Kosten einen Selbstbedienungsladen ohnegleichen. Während man von Portugal, Griechenland oder jetzt Belgien wegen der hohen Schulden Kürzungen bei Renten und den Gehältern im öffentlichen Dienst verlangt, genehmigt man sich selbst üppige Privilegien. Der Apparat der Eurokraten verkommt zu einer DI-MI-DO-Behörde, wenn man montags und freitags als Reisetage abzieht. Jeder Arbeitnehmer träumt doch davon, dass er seinen Weg zur Firma von der Arbeitszeit abziehen kann, vor allem, wenn er zum Beispiel aus dem sächsischen Plauen ins bayerische Lenggries zur Arbeit muss, wie mir jetzt eine Zugschaffnerin erzählte.

Gute Nacht, Europa

Ich kenne manchen Europa-Parlamentarier, der sich für seinen wichtigen, einflussreichen und arbeitsintensiven Job abrackert. Ständig aus dem Koffer leben, pendeln zwischen Brüssel und Straßburg, Präsenz im Wahlkreis und in Berlin und viel zu wenig zu Hause bei der Familie: Das ist der normale Alltag in einem Parlament, das inzwischen mehr zu entscheiden hat als der Bundestag. Ich frage mich: Wie lange wollen diese Leute tatenlos zusehen, wie ihre Arbeit durch den privilegierten Bürokraten-Apparat diskreditiert wird? Und wie lange will Finanzminister Schäuble für diesen Freizeitpark noch zahlen?

Kein Wunder, dass Europa keine Konjunktur hat, dass die Bürger die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie nur "Brüssel" hören. Es sind leider keine Vorurteile, die sich die gebildet haben. Es sind leider Urteile als Ergebnis einer realistischen Wahrnehmung. Wenn Europa nur noch Gegenstand von Sonntagsreden ist, der Alltag jedoch abstoßend und demotivierend daherkommt, dann "Gute Nacht"!

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