Sind wir noch Papst?

Ein Streitgespräch nach dem Deutschland-Besuch

Vom 22. bis zum 25. 09. besucht Papst Benedikt XVI. seine alte Heimat. Bei Peter Hahne diskutieren der SPIEGEL-Journalist Matthias Matussek und der Autor Richard David Precht das Für und Wider dieser Visite.

Papst Benedikt XVI.
Papst Benedikt XVI. Quelle: dapd

Zum ersten Mal während seines Pontifikats kommt der Papst zu einem offiziellen Besuch nach Deutschland. Ein Heimspiel? Wohl nicht ganz. Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung ihn willkommen heißt, sind die kritischen Stimmen unüberhörbar. Ihnen gilt Benedikt als Repräsentant einer verkrusteten Institution, die eine repressive Sexualpolitik vertritt, frauenfeindlich auftritt und sich nur unter massivem Druck der Öffentlichkeit zum sexuellen Missbrauch einiger Kleriker geäußert hat.

Mitglieder des Bundestages im Plenarsaal
Bundestag: Haushalt - Typical Quelle: dpa


Für eine besondere Diskussion hat die Rede des Papstes vor dem Deutschen Bundestag gesorgt. Sobald dieser Plan bekannt wurde, verkündeten einige Abgeordnete der Fraktionen von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, der LINKEN und der SPD, dass sie während dieser Rede das Parlament verlassen würden. Sie sähen darin eine grundgesetzwidrige Verknüpfung von Religion und Politik. Befürworter des Papstauftritts verweisen allerdings darauf, dass es sich nicht nur um die Rede des geistigen Oberhauptes der katholischen Kirche handele, sondern auch um die des weltlichen Staatsoberhaupts des Vatikanstaats. Und wenn tatsächlich einige Abgeordnete die Rede boykottierten, leere Sitze würde es nicht geben, dafür stünden Ersatzleute bereit.

Die Gäste


Matthias Matussek, 1954 in Münster/Westfalen geboren, ist einer der auffälligsten Kulturjournalisten in Deutschland. Nach einem Studium der Amerikanistik und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der FU Berlin und ersten journalistischen Tätigkeiten beim Berliner "Abend" und dem Szenemagazin "Tip" ging er zum "Stern" und danach zum "Spiegel", wo er unter anderem von 2005 bis 2007 als Kultur-Ressortleiter tätig war. Anschließend hat er diese Tätigkeit aufgegeben, um sich - wie er selbst sagt - den Sachen zu widmen, "die er am besten kann: dem Schreiben und der Disziplinlosigkeit. Matthias Matussek ist bekennender Katholik.



Richard David Precht wurde 1964 in Solingen geboren und studierte Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte. 1994 promovierte er über Robert Musil. Nachdem er in verschiedenen Zeitschriften Essays und Kolumnen veröffentlich hat, erschien 1997 sein Buch "Noahs Erbe", das sich mit ethischen Fragen im Verhältnis von Mensch und Tier befasst. Auf gute Resonanz stieß seine 2007 vorgelegte Autobiografie "Lenin kam nur bis Lüdenscheid", die auch verfilmt wurde. Mit seinem Philosophiebuch "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?", das seit Jahren auf der Sachbuch-Bestsellerliste steht, begeisterte er Leser wie Kritiker. Auch seine Bücher "Liebe. Ein unordentliches Gefühl" und "Die Kunst, kein Egoist zu sein" waren große Bestsellererfolge. Seit Mai 2011 ist Precht Honorarprofessor für Philosophie an der Leuphana Universität Lüneburg.

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