Taschengeld und Markenwettlauf

Mein Handy! Mein Laptop! Mein MP3-Player!

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie erstaunt sind, was Kinder heutzutage so an Taschengeld bekommen? Die jüngste Statistik belegt, dass die Sechs- bis 13-Jährigen in Deutschland im Schnitt 24,80 Euro im Monat zur Verfügung haben, mit steigender Tendenz.

Kind - Taschengeld
Kind - Taschengeld Quelle: imago/imagebroker/begsteiger

Damit sind die Kids ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Insgesamt haben sie eine Kaufkraft von 2,6 Milliarden Euro, wenn man die Geldgeschenke zum Geburtstag oder zu Weihnachten hinzurechnet.

Schulklasse als Laufsteg


Wohlgemerkt: 24,80 Euro ist ein Durchschnittswert, denn in Wahrheit ist das Kinder-Portemonnaie noch viel praller gefüllt. Schließlich gibt's ja auch so etwas wie Kinderarmut in unserem Land. Und das sind junge Menschen, die nichts, aber auch gar nichts an Geld zur Verfügung haben. Dabei ist es mir egal, ob es nun jedes fünfte oder "nur" jedes sechste Kind ist, das davon betroffen ist. Wenn ich die Kleinen an der Suppenküche der Berliner "Arche" anstehen sehe, dann dreht sich mir der Magen um. Man merkt einfach, dass sie sich die Wünsche nicht erfüllen können, die für andere Altersgenossen selbstverständlich sind. Und das ist schlimm für ein Wohlstandsland!

Wie mag es wohl in einer Schule aussehen, in der diese beiden Gruppen aufeinander treffen? Da sind die einen, für die selbst die Klasse zum Laufsteg der Markenkleidung oder zum Hightech-Zentrum wird - und die anderen schauen in die Röhre und können einfach nicht mithalten. Und manchmal frage ich mich, ob ich die, die sich alles leisten können, glücklicher schätzen soll. Es kann doch einfach nicht normal sein, wenn Kinder jeden Wunsch erfüllt bekommen und ausgestattet sind wie kleine Erwachsene. Das obligatorische Handy ist da noch das harmloseste Spielzeug auf dem kindlichen Elektronikmarkt, teure Laptops oder MP3-Player gehören für manche schon zur Grundausstattung.

Vorbildfunktion der Eltern

Junge mit MP3-Player beim Weihnachtsbaum
Technik unterm Weihnachtsbaum Quelle: imago/Emil Umdorf


Der Druck unter den Schülern, mithalten zu wollen, ja zu müssen, um nicht als ausgestoßener Außenseiter zu gelten, ist enorm. Nicht selten ist der eigentliche Wettkampf in der Klasse kein sportlicher, sondern der um die besten Marken bei Kleidung, Schuhen und Elektronik. Wenn dann noch dazu kommt, dass beneidet wird, wer die dickste Geldbörse hat, na dann gute Nacht! Eltern, die ihrem Kind Gutes tun wollen, sollten sie lehren, dass es so etwas wie Verzicht und das berühmte Wörtchen "Nein!" gibt. Und Taschengeld, das raten die Pädagogen, sollte verantwortlich bemessen und behandelt werden. Dazu gehört auch, den Kindern einen vernünftigen Umgang mit dem Geld vorzuleben und beizubringen.

Da geht es auch um das eherne Gesetz, dass die Dicke des Portemonnaies nichts mit dem Wert und der Persönlichkeit eines Menschen zu tun hat. Daran sollte auch die Wirtschaft denken, die unsere Kinder mit Werbung traktiert, als seien sie Erwachsene. Kein Wunder, schließlich bringen die Kleinen eine große Milliardensumme auf die Waagschale der Konjunktur.

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