Thronwechsel in Holland

Brauchen wir den Adel noch?

Königin Beatrix tritt ab und macht den niederländischen Thron frei für ihren Sohn Prinz Willem-Alexander. Die Monarchin ist über die Grenzen Hollands hinaus überaus beliebt, und auch ihrem Sohn fliegen die Sympathien zu. Trotzdem stellt sich in solchen Momenten immer wieder die Frage: Ist eine Monarchie denn noch zeitgemäß? Gehören diese alten Zöpfe nicht endlich abgeschnitten? Lässt sich das viele Geld, das das Königshaus verbraucht, nicht besser verwenden?

Noch-Königin Beatrix umgeben von ihrem Nachfolger Prinz Willem-Alexander und dessen Frau Maxima
Beruf: König - ein Auslaufmodell? Quelle: dpa

Familiäre Ereignisse in adligen Familien – von der Geburt bis zum Ableben – verursachen schon immer ein heftiges Rauschen im Blätterwald der gelben bis bunten Gazetten. Gerade in Deutschland, das seit fast 100 Jahren keinen Kaiser mehr an seiner Regierungsspitze sitzen hat, scheint die Sehnsucht nach etwas mehr Glanz und Gloria besonders ausgeprägt zu sein. Denn: Was ist schon ein Bundespräsident gegen eine waschechte Königin?

In Vergessenheit gerät dabei allerdings allzu oft, dass es sich in den Niederlanden, wie auch in England, genauer United Kingdom, um Parlamentarische Monarchien handelt. Die Queen wie auch Königin Beatrix und ihr Nachfolger Willem-Alexander verfügen über keine konkrete politische Macht. Sie führen im Prinzip nur symbolische Handlungen aus, die vorher von den Parlamenten oder Regierungen beschlossen worden sind. Dazu zählen beispielsweise die Ernennung von Ministern oder die Verlesung einer Regierungserklärung.

Geliebte, teure Monarchie

Anhänger der Monarchie werden allerdings nicht müde, zu betonen, wie wichtig für eine Gesellschaft die Persönlichkeit eines Königs sein kann. Ihm wird oft eine integrierende Wirkung attestiert. Manche Monarchen gelten in ihren Heimatländern als moralische Instanzen. Und bei Beatrix zeige sich noch mehr: Ihre regelmäßigen Treffen mit den Regierungsmitgliedern sind legendär, musste sich doch, nach Auskunft informierter Kreise, der eine oder andere Minister wie in einer peinlichen Prüfungssituation gefühlt haben angesichts der durchaus fachkundigen Königin.

Hinsichtlich der europaweit leeren Staatskassen bleibt jedoch die Frage, ob eine solche gut informierte, moralische Instanz die Niederländer im Jahr 2007 etwa 110 Millionen Euro kosten darf. Davon erhielten Beatrix und Sohn mit Gattin knapp sechs Millionen für persönliches Einkommen, Aufwandentschädigungen und Personalkosten – steuerfrei. Was in Holland außerdem selbstverständlich ist: Die Kosten für den privaten Wohnsitz Schloss Huis ten Bosch, den Arbeitspalast und weitere von der Königin genutzte repräsentative Bauten übernimmt der Staat, also der Steuerzahler. Trotzdem, so hat es den Anschein, wird sich in den Niederlanden niemals eine Mehrheit finden lassen, die die Abschaffung der Monarchie fordert.

Die Gäste der Sendung

Rolf Seelmann-Eggebert
Rolf Seelmann-Eggebert Quelle: imago

Rolf Seelmann-Eggebert wurde 1937 in Berlin geboren. Nach dem Abitur studierte er Soziologie, Ethnologie und Völkerrecht im In- und Ausland. Das Studium schloss er mit dem Magister Artium (MA) ab. Bereits als Student arbeitete er für den damaligen Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) und war anschließend über viele Jahre Chefkorrespondent des NDR, unter anderem auch in Afrika. 1978 wurde er Studioleiter der ARD in London und begründete im gleichen Jahr seinen Ruf als Adelsexperte mit seinem Bericht über den 30. Geburtstag von Prinz Charles. Zwischen 1985 und 1992 berichtete er in der elfteiligen Reihe „Königshäuser“ über den europäischen Adel.

Seit vielen Jahren kommentiert Seelmann-Eggebert regelmäßig die Militärparade zu Ehren der Geburtstage der britischen Könige („Trooping the Coulor“) sowie die Abschlussveranstaltung der Sommerkonzertreihe „Last Night of the Proms“ aus London. Für seine Verdienste wurde er mit dem dritthöchsten britischen Orden, dem Commander des „Order of the British Empire“, ausgezeichnet.

Eduard Prinz von Anhalt
Eduard Prinz von Anhalt Quelle: imago

Eduard Prinz von Anhalt, mit vollem Namen Julius Eduard Erdmann Ernst-August Prinz von Anhalt, wurde 1941 in Ballenstedt, östlich des Harz‘ geboren. Nach dem Tod seines älteren Bruders wurde er 1963 Chef das Hauses Anhalt-Askanien. Die Askanier sind ein deutsches Uradelsgeschlecht, das ursprünglich aus Sachsen stammte, später aber vor allem in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen von Bedeutung war. Heute werden Askanier in der Regel mit Anhaltinern gleichgesetzt, da diese seit Generationen die Erbfolge bestimmen.

Prinz Eduard setzt diese Tradition fort, in dem er als Großmeister den askanischen Hausorden „Albrechts des Bären“ an Persönlichkeiten verleiht, die sich "in besonderer Weise um das Haus Anhalt-Askanien verdient machen". Nach seiner Rückkehr aus einem langjährigen USA-Aufenthalt wurde Eduard Prinz von Anhalt bekannt durch seine Tätigkeit als Kolumnist und seine Fernsehsendung bei RTL „Adel verpflichtet“.

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