TV-Ärzte: Mediziner Ihres Vertrauens?

Dr. Feld und "Dr. Dressler" bei Peter Hahne

Ärzte genießen ein hohes Ansehen – auch als Fernsehstars. Die "Schwarzwaldklinik" machte es vor; Arztserien wie "In aller Freundschaft" oder "Familie Dr. Kleist" sind heute noch immer Quoten-Garanten. Doch die Unterschiede zwischen richtigen Medizinern und Serienärzten sind groß: Serienärzte legen ihren Doktor nach Drehschluss ab. In der Realität können sie zwar Erste Hilfe leisten, mehr aber nicht. Zu Gast bei "Peter Hahne" sind Ludwig Haas, allseits bekannt als "Dr. Ludwig Dressler" aus der "Lindenstraße", und der "echte" Arzt Dr. Michael Feld. Dieser behandelt Patienten in seiner Praxis. Darüber hinaus tritt er in zahlreichen Fernsehsendungen auf und stellt in der neuen ZDF-Serie "Dr. Feld hilft" einige seiner Fälle vor.

Der "Bergdoktor" steht vor seiner Praxis.
Auch der "Bergdoktor" legt nach Drehschluss seinen Titel wieder ab. Quelle: ZDF

Ruhe, Freundlichkeit, Vertrauen, Zuversicht – diese Charaktereigenschaften haben wohl die meisten Fernsehärzte. Sie nehmen sich viel Zeit für ihre Patienten und helfen, wo sie nur können: sowohl bei medizinischen Problemen als auch bei privaten Sorgen. Zumindest ist das in der "Schwarzwaldklinik", der "Sachsenklinik" oder in der Praxis des "Bergdoktors" der Fall. Wie nimmt der Fernsehzuschauer die vorgetäuschte Realität wahr? Und wie verhalten sich "echte" promovierte Ärzte wirklich?

Ende der "heilen Welt"

Knapp acht Minuten - die Zeit, die sich Ärzte laut einer Studie der Barmer Ersatzkasse im Durchschnitt für ihre Patienten nehmen. Patienten werden wie am Fließband abgefertigt. Diese Erfahrungen müssen viele Patienten früher oder später machen. Eine wissenschaftliche Studie beweist: Im Gegensatz zu Patienten, die den "Bergdoktor" und Co. meiden, ist dies für begeisterte Arztserienzuschauer ein Schock. Sie haben den "Übermenschen" aus dem Fernsehen erwartet, den Arzt, der sich Zeit für sie nimmt, sich mit ihnen unterhält und sie nach der OP im Krankenhaus besucht. Stattdessen: Angeschlossen an eine Furcht einflößende Maschine erfährt der Patient vom Arzt die Diagnose – und der hat nicht einmal die Zeit, sich zu ihm zu setzen.

Andere Untersuchungen zeigen, dass die übermäßige Angst von Arztserienjunkies vor einer Routine-OP keine Seltenheit mehr ist. Im Fernsehen werden Operationen überspitzt dramatisch dargestellt. Die Komplikationen können "Dr. Heilmann" und seine Kollegen aus der "Sachsenklinik" trotzdem immer bewältigen. Nur selten kommt es vor, dass den Serienärzten ein Patient "auf dem Tisch bleibt". So wird dem Fernsehzuschauer eine "heile Welt" vorgegaukelt, in der fast alle noch so lebensbedrohlichen Krankheiten mit oft außergewöhnlichen Methoden geheilt werden können.

Rolle und Realität

Anders in der "Lindenstraße": Hier praktizierte bis vor 15 Jahren "Dr. Ludwig Dressler", gespielt von Ludwig Haas. Nun befindet sich der TV-Arzt im Ruhestand. Seit 1989 sitzt die Figur "Dressler" in der Sendung infolge eines Autounfalls im Rollstuhl. Zunächst hatten die Drehbuchautoren "vergessen", ihn wieder zu heilen. Somit hat man aber auch Zuschauern mit dem gleichen Schicksal keine falschen Hoffnungen gemacht, indem "Dressler" plötzlich wieder gesund wird. Dennoch verknüpfen einige Fernsehzuschauer diese Behinderung mit der Wirklichkeit. Sie sind erstaunt, dass er in der Realität wieder laufen kann, ebenso wie Klausjürgen Wussow öfter als "Professor Brinkmann" aus der "Schwarzwaldklinik" angesprochen wurde.

Aber auch "richtige" Ärzte treten häufig im Fernsehen auf. In verschiedenen Magazinsendungen oder Talkshows sind sie als Experten und Berater zu Gast. Sie sprechen beispielsweise in "Volle Kanne" über Gentherapien oder die Risiken von Impfungen. Dr. Michael Feld ist einer von ihnen. Der promovierte Arzt legt nach Drehschluss nicht wie seine "Kollegen" aus "In aller Freundschaft" oder "Familie Dr. Kleist" seinen Doktor ab. Er gehört zu den TV-Ärzten, die sachlich und korrekt über Krankheiten oder Therapien aufklären. So wie mit ihm präsentiert das Fernsehen zwei Sorten von Medizinern: die, die unterhalten und die, die informieren. Was können sie voneinander lernen, oder stehen sie sich unversöhnlich gegenüber?

Die Gäste der Sendung

Ludwig Haas
Ludwig Haas Quelle: imago

Ludwig Hass wurde am 16. April 1933 in Eutin in Schleswig-Holstein geboren. Nach seinem Abitur besuchte er von 1951 bis 1953 die Staatliche Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Seitdem verkörperte er zahlreiche Theaterrollen, wie in Shakespeares "Richard III" oder in Brechts "Arturo Ui". Zudem war er an mehr als 80 Fernsehproduktionen beteiligt und übernahm zum Beispiel eine Rolle in einem "Tatort" von 1992 sowie 1991 in "Der Alte". Seit Beginn der WDR-Serie "Lindenstraße" im Jahr 1985 hat er bis heute die Rolle des "Dr. Ludwig Dressler" inne. Außerdem spielte er in zahlreichen internationalen Filmen mit, wie zum Beispiel in der niederländischen Produktion "Der Anschlag" von 1986, die einen Oscar erhielt.

Dr. Michael Feld
Dr. Michael Feld Quelle: imago

Dr. med. Michael Feld wurde 1970 geboren. Er absolvierte ein Medizinstudium in Köln, das er im Jahr 2000 mit einer Promotion zum Dr. med. abschloss. Dieser folgte eine Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Schlafmedizin, Notfallmedizin und Chirurgie in der Nordseeklinik auf Sylt.

Seit einigen Jahren tritt er als Berater in zahlreichen Fernsehsendungen auf, wie im "Kölner Treff", in der "Drehscheibe Deutschland" oder "Volle Kanne". Dr. Feld wirkte außerdem bei der Gesundheitssendung des ZDF "Die Ärzte" mit. Dr. med. Michael Feld praktiziert in Köln.

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