Unzufrieden mit dem Job?

Jeder Dritte will einen neuen Arbeitsplatz

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie nicht verstehen können, wie viele Arbeitnehmer sich in ihrem Job nicht wohlfühlen und ihren Arbeitsplatz am liebsten wechseln würden? Jeder Dritte, so ist jetzt zu lesen, denkt ernsthaft darüber nach, die Firma zu wechseln.

Bei denen, die noch keine 24 Jahre alt sind, beträgt die Wechselabsicht sogar satte 50 Prozent. Die Hälfte der jungen Arbeitnehmer - unzufrieden mit und in ihrem Job! Das darf doch wohl nicht wahr sein. Ein riesiger Schaden für Wirtschaft und Menschen. Hat denn die alte Tradition wirklich ausgedient, dass in Familien sogar mehrere Generationen in ein und derselben Firma beschäftigt sind?

Innerlich gekündigt

Da war der Opa bereits auf Montage oder an der Werkbank, und auch Sohn und Enkel gingen denselben Weg. Man fühlte sich wohl im Unternehmen, es bestand ein echtes Wir-Gefühl, man ging miteinander durch Dick und Dünn und erlebte die Firma wie eine zweite Familie. Diese gute alte Zeit mit ihren goldenen Jahren scheint vorbei - so wie sich viele traditionelle Bindungen lösen. Die Volksparteien können ein Lied davon singen, viele Vereine auch. Es ist eben nicht mehr selbstverständlich, immer dieselbe Partei zu wählen oder am gleichen Arbeitsplatz zu bleiben.

Streit unter Kollegen
Streit im Büro - Typical Quelle: imago


Schlimm finde ich allerdings die Begründung der Unzufriedenheit. Die meisten beklagen eine schlechte Führungskultur und vermissen Wertschätzung und Anerkennung genauso wie eigene Entscheidungsfreiheit, die der Chef einem lässt. Nach dem Motto "Der Fisch stinkt vom Kopf her" sind es meist die Vorgesetzten, die das Betriebsklima durch Unfähigkeit bei Menschenführung und Mitarbeitermotivation vergiften. Dazu kommt das Drama des Mobbings, das immer mehr um sich greift und Arbeitnehmer nicht nur in die Isolation treibt, sondern richtig krank macht. Nicht zu vergessen: Selbst Arbeitnehmer, die ihre Firma nicht wechseln, haben oftmals innerlich gekündigt und machen Dienst nach Vorschrift.

Führungskraft, die Führung schafft

Vielleicht sind die Erwartungen, die man heute an seinen Arbeitsplatz stellt, schlichtweg zu hoch. Oder die Leidensfähigkeit ist einfach zu gering. Denn Arbeit, so zufrieden sie einen machen sollte, ist kein Paradies auf Erden. Da gibt es immer Reibereien, mehr Frust als Lust sowie Misserfolge und Pleiten. Unzufriedene Kollegen sind tödlich fürs Arbeitsklima, weil Missstimmung ansteckend wirkt wie eine Wintergrippe. Wenn erstmal die Stimmung im Eimer ist, ist meist alles verloren...

Es gehört zu den Aufgaben einer Führungskraft, auch die Kraft zum Führen zu haben. Wer das nicht schafft, sollte sich nicht Führungskraft nennen. Motivation, Kommunikation, Information, aber auch Wertschätzung und Wohlfühlen gehören dazu. Alarmzeichen sollte sein, wenn man nicht mehr gerne zur Arbeit geht und am liebsten auf dem Absatz wieder umdrehen würde, wenn man sich der Firma nähert. Dann sollte man sich ernsthaft Gedanken machen, ob man noch dahin passt, was schief läuft und wie man das gemeinsam ändern kann. Notfalls, so raten Experten, sollte man sich lieber etwas Neues suchen. Innerliche Kündigung wäre das Schlimmste, macht unglücklich. Zum Glück gibt's genug Chefs, die dazu keinen Grund geben.

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