Volksdroge Alkohol

Warum eine Krankheit verschwiegen wird

Die frühere Drogenbeauftragte Sabine Bätzing-Lichtenthäler und der Schauspieler Jaecki Schwarz diskutieren mit Peter Hahne über das Tabu-Thema Alkoholismus. Bätzing war beruflich stark mit dieser Thematik befasst, und Schwarz hat nach einer Therapie gelernt, offen über sein Alkoholproblem zu sprechen.

Komasaufen
Komasaufen Quelle: imago

"Ein Gläschen in Ehren, ...", "Trink, trink, Brüderlein trink", "Wenn das Wasser im Rhein goldner Wein wär', ...": In zahlreichen Liedern und Redensarten wird der Alkohol gefeiert, einige sagen sogar verharmlost. Denn wenn das unverdächtige Glas Wein zum Essen zum Saufgelage ausartet, zeige der Alkohol sein wahres Gesicht: Er ist eine Droge, die süchtig - also krank - macht. Es gibt sogar Experten, die das Suchtpotential von Alkohol höher einschätzen als das von Cannabis-Produkten.

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Frau trinkt Alkohol
Frau trinkt Alkohol Quelle: ZDF


Zahlen aus den vergangenen Jahren zeigen das Problem: Der Jahresverbrauch an reinem Alkohol liegt bei den Bundesbürger bei knapp zehn Litern - vom Kleinkind bis zum Senioren! Das entspricht etwa 15 Kästen Bier oder 60 Liter Wein. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen zählte im Jahr 2008 über 73.000 Todesfälle, die direkt mit dem Konsum von Alkohol in Verbindung standen. Die Schätzungen über die Zahl der Alkoholkranken in Deutschland schwanken zwischen 1,3 und 2,5 Millionen, mit einem Frauenanteil von 30 Prozent, Tendenz steigend.

Volksdroge Alkohol. Mit dessen gesellschaftlicher Akzeptanz ist ein Problem verbunden, das aus dem Bereich illegaler Drogen unbekannt ist. Während deren Konsum sofort als unrechtmäßig erkannt wird, besteht beim Alkohol kein Unrechtsbewusstsein - weder beim Konsumenten noch bei seiner Umgebung. Wie oft wird die Fahne des Kollegen ignoriert, die verwaschene Aussprache der Nachbarin überhört. Und wenn ein Alkoholiker endlich sein Problem erkannt hat, wie kann er sich dann in der vertrauten Umgebung verhalten? Kein schnelles "Helles" mehr an der Theke, kein Glas Wein zum Essen, keinen "Absacker" nach dem Kino? Ein schwieriger Schritt, den viele nicht schaffen - und weiter trinken.

Die Gäste:


Sabine Bätzing wurde 1975 in Altenkirchen/Westerwald geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Diplom-Verwaltungswirtin und arbeitete anschließend bis 2002 als Beamtin in der Verbandsgemeindeverwaltung von Altenkirchen mit dem Zuständigkeitsbereich EDV. Bereits als 19-Jährige trat sie der SPD bei und engagierte sich im Orts- und Kreisverband der Partei. 2002 wird sie als Direktkandidatin ihres Wahlkreises Neuwied/Altenkirchen in den Bundestag gewählt.

Nachdem sie 2004 zur Beisitzerin des Landesvorstandes ihrer Partei gewählt wurde, folgt ein Jahr später die Ernennung zur Drogenbeauftragten der Bundesregierung. In dieser Funktion hat sie sich immer wieder auch mit dem Thema Alkoholismus auseinander gesetzt. Angesichts einer sehr hohen Zahl von Alkoholkranken und einem steigenden Missbrauchs bei Jugendlichen forderte sie unter anderem die Erhöhung der Alkoholsteuer und die Senkung des Blutalkoholgehalts für Verkehrsteilnehmer auf 0,3 Promille. Sie ist in zweiter Ehe mit Marco Lichtenthäler verheiratet, trägt seitdem den Doppelnamen Bätzing-Lichtenthäler und hat seit August 2010 eine Tochter.


Jaecki Schwarz wurde 1946 in Berlin geboren. Nach Schule und begleitender Ausbildung zum Chemiefacharbeiter besuchte er die Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg. Nach Abschluss des Studiums war er bis zum Ende der 1960er Jahre hauptsächlich in Fernsehproduktionen beschäftigt. Doch bereits seine erste Hauptrolle in einem Kinofilm ("Ich war neunzehn", Regie Konrad Wolf) machte ihn einem breiten Publikum bekannt. Es folgten weitere Filmrollen und zahlreiche Theaterarbeiten. So war er jahrelang Ensemble-Mitglied des Maxim-Gorki-Theaters und des Berliner Ensembles. Seit 1996 verkörpert er den Hauptkommissar Schmücke in der ARD-Reihe "Polizeiruf 110".

Sein Verhältnis zum Alkohol verdeutlicht eine Anekdote aus dem November 1989. Nach einem Bühnenauftritt hatte er sich derart betrunken, dass er mit einem Kreislaufkollaps ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Daher hat er erst drei Tage später vom Fall der Mauer erfahren. Als ihm nach diesem Exzess sein Alkoholproblem bewusst wurde, begann er einen Entzug und eine Therapie. Seit dem ist er auch bereit, offen über dieses persönliche Problem zu sprechen. Gerade als Prominenter fühlt er eine besondere Verantwortung, andere vor dem Abgleiten in die Sucht zu warnen. Jaecki Schwarz ist unverheiratet und lebt seit Jahrzehnten offen seine Homosexualität.

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