Vom Verschwinden der Dinge

Digitale Technik räumt die Wohnung

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie sich wundern, wie langsam die Dinge um uns herum verschwinden? Immer leerer wird es in unseren Wohnungen - langsam aber unaufhaltsam.

Plattencover von Michael Jackson
Plattencover von Michael Jackson Quelle: imago/Xinhua

Zunächst begannen wir unsere CD-Sammlung zu digitalisieren, weil es so schön praktisch war, Musik mit den mp3-Playern überall verfügbar zu haben. Dann folgten die Vinyl-Platten. Das war etwas umständlicher, sie auf Datenformat zu bringen, aber es ging.


Dann waren die Fotos dran. Die machten wir dann von einem bestimmten Zeitpunkt an auch gleich digital, die Analogen wurden gescannt. Die Fotos verschwanden auf Festplatten. Die Videos kamen zunehmend über das Internet. Der Gang in die Videothek oder zum Laden wurde überflüssig. Bücher erscheinen heute gleichzeitig als Druckversion oder digital für die unterschiedlichsten Formate an Lesegeräten. Der digitale Anteil wird immer größer und geht rasant auf die 50 Prozent zu. Und die Zeitungen kommen als App auf die Tablets oder andere mobile Geräte. Nichts liegt mehr rum, alles ist digital, auf Festplatten oder kleinen Digitalgeräten.

Barcode scannen und weg damit

Warum eigentlich noch all die körperlichen Medien aufheben fragen sich zunehmend mehr Menschen und fangen an, ihre Wohnungen tatsächlich aufzuräumen und zu "entrümpeln". Warum die CDs noch rumstehen lassen? - Weg damit. Die Platten? - Bringen auf dem Flohmarkt noch Geld. Die Bücherwand? - Verkaufen! Und das wird mit den Möglichkeiten des Internets auch immer komfortabler: Barcode einscannen oder eingeben, Preisvorschlag machen lassen, akzeptieren, Begleitschein ausdrucken, Paket packen, wegschicken, Porto übernimmt Empfänger, und in ein paar Tagen ist das Geld auf dem Konto.

Man muss gar nicht Minimalist sein, um das ganz schick zu finden. Mehr als 200 Dinge müsse man nicht besitzen, finden die neuen Trendsetter. Das geht vielleicht ein bisschen weit, zumal 100 CDs für mich 100 CDs bleiben, auch wenn sie in einer einzigen Festplatte verschwunden sind. Aber mal ehrlich, das Aufräumen macht den Kopf frei für neue Dinge. Nur an die leere Wohnung muss man sich erst noch gewöhnen.

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