Vom Wasser und vom Wein

Verloren gegangene Glaubwürdigkeit

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie sauer auf eine Elite sind, die anderen dauernd Wasser predigt, aber selber Wein trinkt? Jüngstes Beispiel ist Hans Eichel, der einstige "Eiserne Hans des Sparens".

Hans Eichel
Hans Eichel Quelle: ZDF

Als Finanzminister sprach der hessische Sozialdemokrat immer gern vom Gürtel, den wir enger schnallen müssen. Und natürlich von der Gerechtigkeit und von der Solidarität mit künftigen Generationen, weshalb mehr Sparen und weniger Schulden angesagt seien. Doch nun reibt man sich die Augen über einen "Minister Nimmersatt", der für sich nicht genug kriegen kann.


Da Eichel mit seiner Pension in der beneidenswerten Höhe von 8200 Euro nicht einverstanden ist, klagte er sich durch mehrere Instanzen und ist schlussendlich beim Bundesverwaltungsgericht angekommen. Das soll nun Ende November entscheiden, ob man dem (einst) sparsamen Hans auch noch seine Zeit als Oberbürgermeister von Kassel für die Altersversorgung anrechnen muss. Damit käme der Ex-OB, Ex-MdL, Ex-MdB, Ex-Landesminister und Ex-Bundesminister auf eine Gesamtpension von satten 14.550 Euro, also 6350 mehr als jetzt. Sollte Eichel Recht bekommen, gibt's noch einen Nachschlag von üppigen 200.000 Euro. Na dann: guten Appetit!

Öko-MP mit Hubschrauber

Doch der scheint seiner Partei mit ihrer Jahrhunderttradition für soziale Gerechtigkeit längst vergangen. Generalsekretärin Andrea Nahles spricht von einem "verheerenden Eindruck", den das Verhalten des einst gefeierten Genossen auf die Bürger mache. Was soll sie auch anderes sagen, ist es doch die SPD, die seit Jahren gegen die "Überversorgung ehemaliger Politiker" zu Felde zieht, sich für den Mindestlohn stark macht und die Rechte der Hartz-IV-Empfänger stärken will.


Aber so ist es eben mit unserer Elite und dem Wasser und dem Wein! Ausgerechnet der grüne Regierungschef aus Stuttgart schwebte letzte Woche zur Ministerpräsidentenkonferenz in Lübeck mit einem Hubschrauber (9000 Euro Steuerzahler-Kosten) ein. Seine Kollegen kamen bescheiden mit Linienflug oder PKW. Doch das machte der Öko-MP eigentlich auch: Auf dem Lübecker Rollfeld wartete seine Dienstlimousine, die satte 740 Kilometer leer von Schwaben an die Ostsee gerollt war. Offizielle Begründung: der enge Terminkalender.

Bischöfin mit Rückenproblemen

Um Begründungen sind unsere Damen und Herren von der Wasser predigenden Elite ja nie verlegen. Als eine Umweltorganisation jetzt die Dienstwagen der evangelischen und katholischen Kirchenführer unter die Lupe nahm, stellte sich heraus: Die am lautesten Öko und Umweltschutz schreien, fahren die dicksten Dreckschleudern. Die Bischöfin aus Luther-Land mit dem gefühlt höchsten Ausstoß von Umweltschutz-Forderungen erklärte die Nutzung einer Luxuslimousine mit dem höchsten bischöflichen CO2-Ausstoß mit ihren Rückenproblemen.

Ich gönne der Dame ihr rückenschonendes Auto und dem Schwaben-MP seine zeitsparenden Reiseplanungen, selbst Hans Eichel darf um sein gutes Recht klagen - nur sollen die Herrschaften endlich aufhören, uns mit ihren Mahnungen, Forderungen und den Wasser-Predigten zu behelligen. Ein Hauch von Glaubwürdigkeit würde dann über unser Land wehen.

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