Von alten und neuen Süchten

Gefährliches Web

Geht es Ihnen auch so, dass Sie die Warnhinweise vor den gesundheitlichen Gefahren des Rauchens auf Zigarettenpackungen gut finden? Und dass Sie sich fragen, warum es solche Warnhinweise nicht viel häufiger gibt? Gut, inzwischen müssen auch die Anbieter von Glücksspielen und Lotterien vor der Suchtgefahr warnen, die von der Verführung des mühelosen Gewinns ausgehen kann.

bunte Weinflaschen
bunte Weinflaschen Quelle: dpa

In Südafrika habe ich allerdings auch auf Alkohol- und insbesondere Weinflaschen Warnhinweise ähnlich denen auf Zigarettenpackungen gesehen. Den Aufschrei würde ich gern mal hören, den es in Deutschland geben würde, sollte das hier auch jemand einführen wollen. Dabei sind die Suchtgefahren durch Alkohol nicht von der Hand zu weisen, ebenso wenig wie die Gesundheitsgefahren durch übermäßigen Alkoholkonsum. Von den Verkehrstoten, die auf übermäßiges Trinken zurückzuführen sind, mal ganz abgesehen.

Und die Tatsache, dass es in Deutschland mehr Winzer als Tabakanbaubetriebe gibt, die durch die Warnhinweise geschädigt würden, kann man auch nicht gelten lassen. Denn Südafrika macht sich gerade auf, in die Oberliga der Weinproduzenten vorzustoßen und manch guter Tropfen vom Kap gilt inzwischen unter Kennern als Geheimtipp.

Vorsicht! Netz-Sucht!

Junger Mann mit Whiskey am Laptop
Junger Mann mit Whiskey am Laptop Quelle: imago

Redet man von alten Süchten wie Nikotin, Alkohol und Glücksspiel und neuen Süchten, dann müsste auch das Internet mit einem Warnhinweis versehen werden, insbesondere soziale Netzwerke. Schon im vergangenen Jahr hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmanns, darauf hingewiesen, dass rund ein Prozent der Deutschen internetsüchtig seien. Unter jungen Menschen sind es sogar doppelt so viele. Interessant daran ist, dass sich bei Süchtigen die vermeintliche Förderung sozialer Kontakte durchaus ins Gegenteil verkehren kann: Wer abhängig ist, verliert schnell den Bezug zur realen Welt und ersetzt die echten Kontakte durch ausschließlich virtuelle Freundschaften.

Grund genug also, vielleicht demnächst die Provider aufzufordern, beim ersten Aufruf von Internetseiten den Warnhinweis "Vorsicht! Internetnutzung kann abhängig machen" zu schalten? Immerhin gibt es ernstzunehmende Forscher, die das Suchtpotential als gefährlicher ansehen als das der "alten" Suchtmittel.

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