Vorgeführt und angeprangert

Können sich nur Promis gegen das Internet wehren?

Mobbing war gestern, heute gibt es Cyber-Mobbing. Verbunden damit ist nicht nur eine quantitative Steigerung, auch die „Qualität“ der Verunglimpfungen hat sich erhöht: Sie werden immer perfider und verbreiten sich tausendfach und sekundenschnell über die ganze Welt – World Wide Web eben. Also ist Widerstand sinnlos? Die Ex-First Lady Deutschlands Bettina Wulff versucht sich zu wehren und klagt gegen den Internet-Riesen Google. Doch kann das auch Otto-Normalverbraucher oder haben nur Promis die Macht und die Mittel gegen das Netz vorzugehen? Darüber diskutieren bei Peter Hahne der Fraktionsvorsitzende der Piraten, Christopher Lauer und der Rechtsanwalt Christian Schertz.

Ortsschild mit Aufdruck Mobbing und Cybermobbing
Üble Verleumdungen haben das Netz erreicht.

Eigentlich ist das Gerücht schon ziemlich alt, kursiert schon seit langem im Internet. Doch erst als es im Fernsehen nochmals erwähnt wird schlägt es hohe Wellen. Die Ehefrau des Ex-Bundespräsidenten Bettina Wulff soll in irgendeiner Form mit dem Rotlicht-Milieu in Verbindung gestanden haben.

Das Netz vergisst nichts!

Untermauert von einer eidesstattlichen Erklärung, verklagte sie unter anderem Günther Jauch auf Unterlassung und verlangt vom Suchmaschinen-Anbieter Google, dass dieser die Autovervollständigung ändert. Sie möchte so erreichen, dass bei Eingabe ihres Namens nicht mehr automatisch Begriffe wie „Rotlicht“ oder „Escortservice“ erscheinen.

Neben der Tatsache, dass immer mehr Promis mit dem Netz im Clinch liegen, zeigt sich eine weitere relativ neue Tendenz: Cyber-Mobbing. Insbesondere die immer stärkere Verbreitung von sozialen Netzen hat diese Entwicklung vorangetrieben. Besorgnis erregend sind Berichte von Jugendlichen, die anonym bei Schüler VZ oder Facebook beschimpft werden. Und im Unterschied zu früher kann heute ein Schulwechsel nicht mehr Abhilfe schaffen, denn auch dort werden Einträge in den sozialen Netzen gelesen. Die Folge: einmal Prügelknabe – immer Prügelknabe, bis hin zu Selbstmordversuchen, von denen einige zum Tode von Schülern geführt haben.

Internationale Unterschiede

Auffallend ist auch, dass sich diese Form der anonymen Beleidigungen nicht nur innerhalb einer Gruppe oder Altersklasse abspielt. Vor allem Lehrer sind zunehmend Opfer von Schüler-„Beurteilungen“, die inkognito auf Seiten wie „spickmich.de“ oft übel beschimpft werden. Einige Lehrer haben versucht, gerichtlich gegen diese Bewertungen vorzugehen, die unter voller Namensnennung im Netz abzurufen sind. Letztinstanzlich hat allerdings der Bundesgerichtshof die Meinungsfreiheit höher eingeschätzt als das Persönlichkeitsrecht der Pädagogen.

Ein Urteil, das im Fall „Wulff gegen Google“ dem Internet-Unternehmen Hoffnung auf einen Erfolg machen könnte - allerdings im internationalen Vergleich wohl nur in Deutschland: In Italien und Japan verurteilten in vergleichbaren Fällen Gerichte Google zur Veränderung der automatischen Vervollständigung von Suchanfragen und laut einer Meldung der „SZ“ hat sich Google in Frankreich mit mehreren Organisationen „zu nicht näher genannten Bedingungen“ geeinigt.

Die Gäste der Sendung

Christian Schertz
Christian Schertz

Christian Schertz (Jahrgang 1966) studierte in Berlin und München Jura. Dem Studium folgte die Mitarbeit in der Rechtsabteilung des RIAS und an der Humboldt-Universität Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Lehrbeauftragter an der HU Berlin promovierte er 1996 zum Dr. jur. Nach weiteren Lehraufträgen wurde er 2011 an die Universität von Dresden als Honorarprofessor berufen.

Bereits 1994 trat er als Rechtsanwalt in eine Hamburger Kanzlei ein und 2005 gründete er gemeinsam mit Simon Bergmann eine eigene Kanzlei in Berlin. Schertz ist spezialisiert auf Presse-, Urheber- und Medienrecht und hat sich insbesondere einen Namen gemacht durch seine gerichtlichen Auseinandersetzungen mit zahlreichen Boulevard-Medien. Hierbei vertrat er Prominente wie Hannelore Elsner, Dieter Wedel oder Günther Jauch.

Christopher Lauer (PIRATEN)
Christopher Lauer Quelle: dpa,Rolf Vennenbernd

Christopher Lauer (Jahrgang 1984), Fraktionsvorsitzender der Piratenpartei im Berliner Abgeordnetenhaus, aktiver Internetnutzer und Blogger. Er steht mit seiner Partei für die absolute Freiheit im Internet.

Von Harald Grimm

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