Kinder in Not

Brauchen wir einen Elternführerschein?

Immer wieder erscheinen Meldungen über Kindesmisshandlungen in der Presse. In der Regel quälen die leiblichen Eltern ihren Nachwuchs – körperlich, psychisch oder durch Vernachlässigung. Um diesem grassierenden Problem Herr zu werden, hat nun die CDU-Bundestagsabgeordnete Christina Schwarzer einen Aufsehen erregenden Vorschlag gemacht. Inwiefern sich ihr Modell eines „Kinderführerscheins“ in die Tat umsetzen lässt, diskutiert die Urheberin dieser Idee bei „Peter Hahne“ mit der TV-Moderatorin und zweifachen Mutter Caroline Hamann.

Kind wehrt drohende Schläge mit den Händen ab.
Fast 20.000 Kinder wurden 2013 in Deutschland missbraucht oder misshandelt. Quelle: imago

„Wer Mofa fahren will, muss eine Prüfung absolvieren – aber jeder Idiot darf Kinder in die Welt setzen!“ Was nach übelster Stammtischparole klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Es mehren sich die Meldungen über Kinder, die von ihren Eltern brutal zusammengeschlagen, lieblos behandelt oder ohne Frühstück in die Schule geschickt werden. Das Thema hat nun die Bundestagsabgeordnete Christina Schwarzer (CDU) – natürlich eleganter formuliert – aufgegriffen und eine Art „Kinderführerschein“ für überforderte Eltern angeregt.

Die Obfrau der CDU/CSU-Fraktion im Familienausschuss des Bundestags schlägt in der „BILD“ vor, dass die üblichen Untersuchungen, ob ein Kind reif für die Schule sei, erweitert werden sollten. Es müsse auch geprüft werden, ob das Kind in irgendeiner Weise von den Eltern vernachlässigt wird. Sollte dies der Fall sein, müssten die Eltern ein Erziehungsprogramm absolvieren, beispielsweise Sprach- oder Kochkurse – sie müssten also einen Kinderführerschein machen. Sollten sich die Eltern weigern, daran teil zu nehmen, würde Christina Schwarzer sie mit einem Bußgeld – ähnlich dem bei fortgesetztem Schulschwänzen – bestrafen.

Rettet die Familie!

Die Häme lässt nicht lange auf sich warten. Im „Freitag“ schlägt ein Blogger vor, die Eltern mit Beginn der Schwangerschaft einem Intelligenztest zu unterziehen. Bei einem unterdurchschnittlichen Wert sollten demnach die Neugeborenen sofort in ein „geprüftes Elternhaus“ gegeben werden. Ganz zu Ende gedacht erscheint der Vorschlag allerdings nicht. Wäre es nicht sinnvoller, diesen Test vor der Zeugung durchzuführen? Wer ihn nicht besteht, darf dann keine Kinder zeugen oder empfangen. Oder riecht das dann doch zu sehr nach „unwertem Leben“, einer „Diagnose“, die unter den Nazis zu Hunderttausenden Zwangssterilisationen geführt hat?

Andererseits stellt sich die Frage, welchen Sinn Zwangs-Fortbildungen und Bußgelder haben. Ist es wirklich vorstellbar, auf diesem Weg, liebevolle und fürsorgliche Eltern zu erschaffen? Oder steckt nicht vielmehr wieder einmal (wie beim Betreuungsgeld, auch „Herdprämie“ genannt) der verzweifelte Versuch dahinter, die traditionelle Familie zu retten. Frei nach dem Motto: Es gibt für ein Kind nichts Besseres als das Elternhaus. Nichts Besseres? Trotz aller Berichte über Heimskandale ist es in den meisten Fällen dem Kindeswohl zuträglicher, wenn die Kleinen bei Pflege- oder Adoptiveltern beziehungsweise in einem Heim groß werden, als jahrelang von den leiblichen Eltern misshandelt und vernachlässigt zu werden. Doch, gestützt von einer konservativen Familienpolitik, sehen das offenbar die Jugendämter und Familiengerichte (meistens) immer noch anders.

Die Gäste der Sendung

Christina Schwarzer
Christina Schwarzer Quelle: Tobias Koch

Christina Schwarzer wird 1976 in Berlin-Neukölln geboren. Nach dem Abitur 1996 absolvierte sie bis 1999 eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten. Daran anschließend arbeitet sie in einer Kanzlei und später als Immobilienverwalterin.

Mit 20 trat sie der CDU und der Jungen Union bei. Nach verschiedenen Tätigkeiten für den CDU-Kreisverband Neukölln und die Bezirksverordnetenversammlung wird sie 2013 im Wahlbezirk Berlin-Neukölln über die Landesliste in den Bundestag gewählt. Seit Januar 2014 ist sie Mitglied des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Caroline Hamann
Caroline Hamann Quelle: imago

Caroline Hamann wird 1971 in München geboren. Nach einem Volontariat bei ProSieben geht sie 1995 als Anchorwoman zu den VOX-Nachrichten. Zwischen 2001 und 2007 arbeitet sie für verschiedene Nachrichtenformate des ZDF, um anschließend zur Tagesschau zu wechseln.

Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter im Jahr 2009 entschließt sie sich, ihre berufliche Karriere auszusetzen und sich ganz ihren Kindern und der Familie zu widmen. 2014 erscheint ihr erstes Buch „Mami Talk“, in dem sie mit der Ko-Autorin Christiane Hoffmann ihr Leben als Mutter beschreibt.

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