Vorverurteilung und Unschuldsvermutung

Wo Rauch ist, ist (nicht immer) auch Feuer

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie sich fragen, was denn die Unschuldvermutung heute noch wert ist? Zur Erinnerung: Dass ein Beschuldigter bis zur Verurteilung durch ein Gericht als unschuldig gilt, ist eines der Grundprinzipien eines rechtsstaatlichen Strafverfahrens. Darauf muss auch in der medialen Berichterstattung stets hingewiesen werden.

Aber was heißt das in der heutigen Bilderwelt schon, wenn ein Beschuldigter in Handschellen dem Haftrichter vorgeführt wird? Was heißt das schon, wenn monatelang intimste Details und sexuelle Praktiken vor Gericht ausgebreitet werden? Und was heißt das noch, wenn gleich hinter der Unschuldsvermutung angefügt wird, es sei doch bekannt, dass er sich in dieser Hinsicht schon einiges habe zuschulden kommen lassen?

Beispiel Andreas Türck

Dass eine Klärung ohne Rücksicht auf Stellung, Ansehen oder Promi-Faktor nötig und richtig ist, zeigt der Fall des israelischen Präsidenten Katzav, der Ende vergangenen Jahres wegen Vergewaltigung schuldig gesprochen wurde. Gerade in Fällen, in denen es um sexuelle Übergriffe geht, ist die Öffentlichkeit aber schnell bereit zu urteilen, ohne das Verfahren abzuwarten - mal ganz abgesehen von der Frage, ob es in einem Fall, in dem es um ein Geschehen zwischen nur zwei Menschen ohne Zeugen geht, überhaupt Klärung geben kann.

Und es gilt der schlimme Satz: Semper aliquid haeret - etwas wird schon hängen bleiben, ob gewollt oder nicht. Davon berichten kann zum Beispiel der einstige Fernsehmoderator Andreas Türck, der den tiefen Fall nach der Anklage wegen Vergewaltigung erlebte, obwohl er schließlich freigesprochen wurde.

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