Wahnsinn Schule

Lernstress für Schüler immer höher

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie sich manchmal fragen, wie groß der Leistungsdruck unserer Gesellschaft heute schon in der Schule ist? Sicher hat der Konkurrenzkampf in den letzten Jahrzehnten allgemein zugenommen und die Auswirkungen in die Schule hinein haben schleichend stattgefunden.

Schwangere mit Kofhörer auf Bauch
Schwangere mit Kofhörer auf Bauch

Dennoch oder vielleicht gerade deswegen lohnt es sich, einmal innezuhalten und zu reflektieren, was heute alles Schülerinnen und Schülern zugemutet wird. Sicher ist es richtig, Leistung zu verlangen, zu fordern und zu fördern, wie es immer so schön heißt. "Ohne Fleiß kein Preis", das wurde auch den Angehörigen der älteren Generation schon von klein auf immer vorgehalten.


Aber heute meinen Eltern, ihren Kindern Gutes zu tun, indem sie mit Ausbildung, Förderung und "Lernanreizen" so früh wie möglich beginnen. Mozart schon im Mutterleib, damit das musikalische Gefühl ausgeprägt wird. Reiten, Tennis, Klavier etc. schon im Kindergartenalter. Sprachen sowieso, am besten Mandarin, da ist man dann auf alles vorbereitet. Und natürlich muss es die beste Schule sein.

Tests und Bewerbungsmappen

Welch Wahnsinn aber von den Schulen selbst veranstaltet wird, bekommt man gerade dann mit, wenn es um den Wechsel der Schulart geht. Da werden schon Schüler in den ersten Klassen ihrer Schullaufbahn über den Notendruchschnitt unter enormen Leistungsdruck gesetzt. 2,3 im Schnitt, sonst wird es nichts mit dem Wechsel aufs Gymnasium. 2,3 im Schnitt, das heißt aber nach den Regeln der Mathematik meist auch, Einsen, Zweien, vielleicht ein Dreier, auf keinen Fall eine Vier. Manch Eltern sollen sogar schon einen Umzug erwogen haben, weil es andernorts mit dem verlangten Schnitt günstiger aussieht.

Wer es über den Schnitt nicht schafft, kann sich über "Bewerbungen" qualifizieren. Das heißt aber auch: Sonderprüfungen der Schule, streng angesetzt, einmalige Chance unter Zeitdruck, Aufgaben, von denen klar ist, dass sie von den meisten nicht lösbar sein werden, Prüfungsgespräche, Erstellen von Bewerbungsmappen.

Zeit zum Lernen statt Turbo-Abi

Lehrer mit Schüler
Lehrer mit Schüler Quelle: dpa


Man kann sich ausmalen, was auch in Verbindung mit Erwartungen und Hoffnungen der Eltern für ein Druck auf den Kindern lastet, welch ungeheures Frustrationspotential sich aufbauen könnte. Und vielleicht wäre es gar nicht schlecht, den Kindern wieder mehr Kindheit zu gönnen. So mancher, der in der Schule nicht der Beste war, hat trotzdem seinen Weg gemacht, vielleicht später, aber immerhin.

In Berlin wollten jetzt gerade weniger Schüler aufs Gymnasium als auf die Integrierten Sekundarschulen. Hintergrund: die Sekundarschulen bieten mehr Ganztagsangebote und - sie lassen den Schülern mehr Zeit zum Lernen. Für das Abi kann man sich da 13 Jahre gönnen, statt wie auf dem Gymnasium sich den Stoff in 12 Jahren aneignen zu müssen. Vielleicht ein gutes Zeichen.

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