Wandelnde Ballermänner

Im Ausland zeigen sich die Deutschen von ihrer hässlichen Seite

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie sich im Auslandsurlaub manchmal schämen, als Deutscher erkannt zu werden? Dabei geht es mir gar nicht einmal um unsere Geschichte im Großen und im Ganzen, mir geht es schlicht um unser Auftreten und um das, was man im Ausland für "typisch deutsch" hält.

Ich schreibe diese Zeilen aus Kalifornien, dem Sonnenstaat voll praller Lebensfreude. Hier sind die Menschen, trotz der bedrohlichen Krise, wirklich noch ausgelassen und genießen ihren Urlaub und die Ferienzeit, die mit dem ersten Sonntag im September, dem Labour-Day, endet. Die einzigen, die dabei stören, sind die Touristen. Und raten Sie mal, welche besonders!

Ältere Frau ermahnt Kinder zur Ruhe
Ältere Frau ermahnt Kinder zur Ruhe Quelle: colourbox


In den USA ist (wie in jedem zivilisierten Land) völlig klar, dass ab 22 Uhr draußen Ruhe herrscht und drinnen Zimmerlautstärke gilt. Als ich mich gegen Mitternacht bei meinen Hotel-Nachbarn wegen des Lärms beschweren wollte, konnte ich mir Englisch sparen, es waren natürlich Deutsche, für die solche Regeln nicht zu gelten scheinen. Als dann auf dem Nachbarbalkon Nächte später mal Kinderlärm war und ich die beiden Kids darauf hinwies, nun sei schon der neue Tag angebrochen und langsam Ruhe angesagt, auch ein Gameboy müsse mal schlafen - prompt kam die Mutter raus, holte ihre Kleinen rein und absolute Stille kehrte ein. Das hat mich so fasziniert, dass ich den beiden Kids am nächsten Tag ein Eis spendierte.

Zerstörtes Image

Das Schlimmste ist die Raucherei, die für Deutsche immer noch zum Alltag gehört. Mein Hotel firmierte unter "no smoking property", und man musste sogar beim Einchecken unterschreiben, dass man im gesamten Komplex, also nicht nur auf dem eigenen Zimmer, nicht rauchen darf. Als die ersten Wolken vom Nachbarbalkon in mein Schlafzimmer wehten, war mir klar: Das können nur Landleute sein, die sich so etwas erlauben. Schließlich schert man sich zu Hause ja auch nicht darum, ob der Nachbar seine Fenster geöffnet hat. Und richtig, die Wette hätte ich gewonnen: Es war ein Ehepaar aus Köln, das dann auch noch uneinsichtig war und frech wurde, bis das amerikanische Paar von der anderen Seite die Direktion anrief. Für die ignoranten Herrschaften vom Rhein wurde es teuer, denn sie hatten ja bei der Anreise unterschrieben ...

arbeitslose Amerikaner
USA: Arbeitslose Amerikaner stehen Schlange Quelle: ap


Da packt mich keine Schadenfreude, damit wir uns nicht missverstehen. Aber warum sind es dauernd Deutsche, die wie wandelnde Ballermänner im Ausland auftreten. Man wird in US-Restaurants platziert, die Teutonen setzen sich frech einfach hin. Man steht geduldig in der Schlange an, die Deutschen drängeln. Man wirft nichts auf die Straße oder den Bürgersteig und verlässt den Strand blitzsauber. Für unsere Leute scheint das alles nicht zu gelten. Man könnte unendlich fortfahren mit solchen peinlichen Possen, die das Image von Deutschland als einem Hort von Sauberkeit, Disziplin und Pünktlichkeit zerstören. Schade eigentlich, denn in Amerika erlebe ich, dass das Leben mit Rück- und Nachsicht viel lebens- und liebenswerter ist!

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