Was soll Schule heute leisten?

Lernen fürs Leben

Viele Menschen fragen sich: Was ist heute an unseren Schulen los? Es wird über die Kleidung der Schüler diskutiert, über neue Inhalte im Sexualunterricht, ob die Schreibschrift abgeschafft werden soll oder ob das Abitur verkürzt oder verlängert werden muss. Zahlreiche Eltern vermissen die Vorbereitung der Schüler auf ein praktisches Leben. Müssten Lehrer mehr Medienkunde unterrichten oder den Schülern erklären, wie ein Bankkonto zu eröffnen ist? Doch: Sind die Schulen wie auch die Lehrer mit solchen Inhalten überfordert? Was kann und soll Schule tatsächlich heute leisten? Darüber spricht Peter Hahne mit dem Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus und der Schülerin Svenja Appuhn, stellvertretende hessische Landesschulsprecherin.

Svenja Appuhn
Svenja Appuhn Quelle: M. Kramers

Sind es wirklich nur Mathematik, Physik, Deutsch und einige andere Grundfächer, die an deutschen Schulen gelehrt werden sollen? Müsste die Lehre nicht noch weitere Themen aus dem alltäglichen Leben der Schüler anbieten? Aber wo soll das enden, und: Was soll in den Elternhäusern der Schüler vermittelt werden, was sollten sie dort für Grundkenntnisse mit auf ihren Lebensweg bekommen? Machen es sich diejenigen nicht etwas leicht, die versuchen, jegliche Verantwortung für die Ausbildung und das Fortkommen der Kinder und Jugendlichen an die Schulen abzugeben? Sind Schulen und Lehrer wirklich allein für die Bildung der Kinder verantwortlich? Darüber und andere Fragen diskutiert Peter Hahne mit seinen Gästen.

Svenja Appuhn, geboren 1998, engagiert sich weit über ihre Schule hinaus ehrenamtlich. Sie arbeitet im Sanitätsdienst des Deutschen Roten Kreuzes, arbeitet bei einer Entwicklungshilfeorganisation mit und engagiert sich besonders in der Schülervertretung. Hier ist sie stellvertretende Landesschulsprecherin in Hessen.

Svenja Appuhn fordert höhere Investitionen ins deutsche Bildungssystem und zitiert dabei John F. Kennedy: "Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung." Sie meint, genau darauf solle sich die Politik besinnen. Appuhn fordert aber auch mehr Mitbestimmung der Schüler bei der Auswahl der Lehrinhalte und spricht sich für ein "lernen fürs Leben" aus.

Josef Kraus
Josef Kraus Quelle: M. Kramers

In einem Interview mit den Taunus-Nachrichten (vom 11.03.15) sagt sie, der Begriff 'Bulimie-Lernen', den die Schüler verwenden, sei leider sehr treffend. „Bei 16 Klausuren in sieben Wochen lernt man nicht in kurzer Zeit viel, sondern vergisst in kurzer Zeit viel. Wie sonst will man für das nächste Thema im Kopf Platz schaffen?“


Josef Kraus, Jahrgang 1949, machte 1969 sein Abitur, studierte Deutsch und Sport auf Lehramt und machte danach noch sein Psychologie-Diplom an der Universität in Würzburg. Nach 15jähriger Arbeit als Gymnasiallehrer in Landshut wurde er 1995 Schulleiter  am Maximilian-von-Montgelas-Gymnasium in Vilsbiburg (Bayern). Bevor er Präsident des Deutschen Lehrerverbandes wurde, hatte er verschiedene Vorstandsämter im Deutschen Philologenverband inne.

Kraus ist nicht nur ein ausgewiesener Kritiker der neuen Rechtschreibreform. in zwei Büchern bemängelt er das deutsche Schul- und Bildungswesen mit den bezeichnenden Buchtiteln „Spaßpädagogik – Sackgassen deutscher Schulpolitik“ (1998) und „Der PISA-Schwindel“ (2005). Aber auch die Eltern stand im Fokus seiner Betrachtung: "Helikopter-Eltern: Schluss mit Förderwahn und Verwöhnung"(2013).


Kraus sagte schon 2011 in einem Interview mit BILD-Online: "Die um sich greifende Erleichterungs- und Wohlfühlpädagogik bringt nichts. Schule ohne Leistung und Anstrengung geht nicht. Wir müssen unseren Kindern etwas mehr zutrauen und auch etwas mehr zumuten."

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