Wer hilft uns aus der Krise?

Die Alten melden sich zurück

Die Brüder Bernhard und Hans-Jochen Vogel - ehemals führende Köpfe der konkurrierenden Parteien CDU und SPD - diskutieren mit Peter Hahne die Frage, ob die Erfahrung altgedienter Politiker hilfreich sein kann, um die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krisen zu überwinden.

Alle Welt spricht von der Euro-Krise, einige befürchten gar den Bankrott ganzer Staaten, die Bonität der letzten verbliebenen Großmacht USA wird von Rating-Agenturen herabgestuft: Wenn keiner mehr weiter weiß - vielleicht richten's ja die "Alten". Oder ist die Lage so verfahren, dass selbst das in jahrzehntelanger Arbeit angehäufte Wissen von Politprofis, wie das der Brüder Vogel, nicht reicht?

Die Großen schwächeln

Neben den bedrohlichen Wirtschaftskrisen werden aber auch gesellschaftspolitische Verwerfungen immer deutlicher, insbesondere was die politischen Parteien angeht. Die FDP, mit fast 15 Prozent strahlender Sieger der letzten Bundestagswahl, liegt bei Umfragen seit Monaten unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde. Selbst der Austausch des Vorsitzenden hat ihr nicht viel geholfen.


In der CDU ist momentan von "Union" kaum noch die Rede, so zerstritten präsentiert sich die Partei - nicht nur intern, sondern auch nach außen. Selbst christdemokratische Politiker, von denen lange nichts mehr zu hören waren, wie beispielsweise Erwin Teufel, melden sich zu Wort und fordern die Rückkehr zu alten Werten - eine Position, die auch Bernhard Vogel vertritt, oder hat das CDU-Urgestein andere Vorschläge, wie seine Partei sich aus der Krise befreien kann?

Nach ihrem historischen Debakel bei der letzten Bundestagswahl dümpelte die SPD lange Zeit bei etwas mehr als 23 Prozent vor sich hin - und kaum jemand hatte den Eindruck, dass die Parteispitze sonderlich viel dagegen unternommen hätte. Erst in den letzten Wochen hat sie sich in den Umfragen etwas erholt. Böse Zungen behaupten allerdings, dies sei lediglich Ausdruck der momentanen Schwäche der Regierungskoalition. Könnte in einer solchen Situation der Rat eines alten Partei-Recken wie Hans-Jochen Vogel hilfreich sein? Was empfiehlt dieser seiner Partei zur Überwindung der derzeitigen Schwäche?

Die Gäste:


Bernhard Vogel wurde 1932 in Göttingen geboren. Nach dem Abitur folgte ein Studium der Politischen Wissenschaft, Geschichte, Soziologie und Volkswirtschaft in Heidelberg und München. 1960 promovierte er zum Dr. phil an der Heidelberger Universität, an der er auch in den folgenden Jahren als Wissenschaftlicher Assistent und Lehrbeauftragter beschäftigt war.

In seiner Studienstadt war das CDU-Mitglied auch in der Kommunalpolitik engagiert, bevor er 1967 zum Kultusminister von Rheinland-Pfalz berufen wurde. Direkt im Anschluss daran wurde Bernhard Vogel 1976 zum Ministerpräsidenten des Landes gewählt. 1988 trat er nach einem heftigen innerparteilichen Streit von diesem Posten zurück.

Von 1989 bis 1993 sowie von 2001 bis 2009 war er Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung. In der Zwischenzeit von 1992 bis 2003 hatte er das Amt des Thüringischen Ministerpräsidenten inne, von dem er freiwillig aus Altersgründen zurücktrat. Nach seinem Ausscheiden als Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung wurde er 2010 zu deren Ehrenvorsitzenden erklärt. Bernhard Vogel ist ledig, kinderlos und lebt in Speyer.


Hans-Jochen Vogel wurde 1926 in Göttingen geboren. Nach dem Abitur 1943 war er bis zum Kriegsende 1945 Soldat der Wehrmacht. 1946 begann er ein Studium der Rechtswissenschaft, das er 1950 mit der Promotion zum Dr. jur. abschloss. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied der SPD. 1958 wurde er zum Stadtrat in München gewählt und bereits zwei Jahre später zum jüngsten Oberbürgermeister einer Millionenstadt in Europa ernannt.

Von 1972 bis 1981 war Vogel zunächst Bau- und anschließend Justizminister. 1981 wurde er Regierender Bürgermeister von Berlin und 1983 SPD-Kanzlerkandidat, unterlag jedoch Helmut Kohl und wurde Fraktionsvorsitzender der SPD. Von 1983 bis 1994 war er erneut Mitglied des Deutschen Bundestags und von 1987 bis 1991 Vorsitzender der SPD. 1994 kandidierte Vogel nicht mehr für den Bundestag und zog sich aus der aktuellen Politik zurück; er ist allerdings weiterhin in zahlreichen Organisationen engagiert. Hans-Jochen Vogel ist in zweiter Ehe verheiratet, Vater dreier erwachsener Kinder und lebt in einem Seniorenstift in München.

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