Wo Alte wieder jung werden

Seniorenheim und Kita unter einem Dach

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie es nicht verstehen können, wie die Generationen vielfach aneinander vorbei leben? Da gibt es die Alten, die oft einsam und allein gelassen in ihren Wohnungen leben, nachdem der Ehepartner verstorben ist. Und selbst im Seniorenheim sind die Alten nur unter sich.

Kinder spielen mit Senioren.
Kinder spielen mit Senioren. Quelle: dpa

Dann sind da die Kinder, denen es helfen würde, wenn Nachbarn oder Verwandte sich um sie kümmern, falls die Eltern berufstätig sind und die Betreuung nicht völlig durch eine Kita erledigt werden kann. Man hat leider den Eindruck, Alt und Jung leben aneinander vorbei, obwohl sie doch aufeinander angewiesen sind, ja sich sogar gegenseitig bereichern könnten.

Klar, es hat keinen Sinn, die gute alte Großfamilie wieder herbeizureden, die es nun mal höchstens noch im ländlichen Raum gibt. Die Idee des Mehrgenerationenhauses, von Ministerin Ursula von der Leyen forciert, ist auch für manche nicht machbar, weil Kinder, Enkel und Großeltern oft an verschiedenen Orten leben. Dass man die Waffen nicht strecken und nicht aufgeben muss, das beweist ein Projekt in Hamburg. Ich meine, es sollte Schule machen, so überzeugend klingt das Konzept und die ersten Erfahrungen.

Alte Traditionen neu entdeckt

Vorlesen macht Kinder schlau
Vorlesen macht Kinder schlau Quelle: imago


Alte und Junge leben im Seniorenheim "Pflegen & Wohnen Farmsen" unter einem Dach, das Seniorenheim ist sozusagen gleichzeitig auch eine Kita. Rund 80 Kinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren werden im gleichen Gebäude betreut wie 215 Senioren. Und wenn man die Berichte liest und die Bilder sieht, dann scheinen sich alle dabei wohl zu fühlen und davon zu profitieren. So können Kinder einem gebrechlichen Alten beim Essen helfen, und umgekehrt ein rüstiger Rentner seiner kleinen Tischnachbarin. Die Älteren können Vorlesen und Erzählen, man singt gemeinsam und macht Spiele.

Aber viel mehr: Die Älteren haben Fertigkeiten und Fähigkeiten, die sie an die Kleinen weitergeben können. Es wird gebacken und gekocht, Drachen gebaut oder gebastelt. Die Kita-Leiterin schwärmt: "Vielen Kindern fehlt das Zusammenleben mit anderen Generationen. Die Kinder hier entwickeln ein Gefühl fürs Alter, werden sensibel für Schwäche und Gebrechlichkeit." Das Projekt findet inzwischen so viel Aufmerksamkeit, dass nun auch andere Seniorenheime bei den Kitas anklopfen, ob man nicht zusammen arbeiten kann. Eine revolutionäre Idee, die eigentlich nichts anderes tut, als uralte Traditionen aufzunehmen: Das Zusammenleben einer Großfamilie.

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