Wo bleibt die Gerechtigkeit?

Der Armuts- und Reichtumsbericht schürt Neid-Debatten

Den reichsten zehn Prozent der Bundesdeutschen gehört etwas über die Hälfte des Vermögens im Land, dafür hat die ärmere Hälfte des Landes zusammen nur etwa ein Prozent des Vermögens auf der hohen Kante. Und die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander – das steht im Entwurf des neuen Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung, der Ende September veröffentlicht wurde. Seitdem gibt es Neid-Debatten in Deutschland. Zurecht? Darüber diskutiert Peter Hahne mit Gregor Gysi, dem Bundestags-Fraktionschef der Linken und mit dem Selfmade-Millionär Klaus Barski.

Demo Arm trotz Arbeit des DGB
Auf der Demo "Arm trotz Arbeit" fordert der DGB einen Mindestlohn. Quelle: dpa

In den vergangenen zwanzig Jahren ist das Privatvermögen in Deutschland auf das Doppelte gestiegen: Zehn Billionen Euro besitzen wir Deutschen zusammen. Aber nur die wenigsten haben davon etwas abbekommen. Am unteren Rand der Gesellschaft ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wer arm geboren wird, auch in Armut bleiben wird.

Keine Aufstiegsträume

Die Jahre nach dem Krieg waren eine Zeit der sozialen Durchlässigkeit. Das Bild des Unternehmers, der in Anzug und Krawatte erzählt, wie er mit einer Idee und einem Bollerwagen angefangen hat, jetzt aber einen mittelständischen Betrieb mit 1000 Beschäftigten an drei Standorten führt: Dieses Bild gehört in die Vergangenheit. Die Enkel des Unternehmers sind eine Erbengeneration.

Eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge hat errechnet, dass in diesem Jahrzehnt 2,6 Billionen Euro vererbt werden. Die meisten der Erben seien auch vor dem Erbe nicht arm gewesen. Nur wer hat, dem wird gegeben – bewahrheitet sich ein alter Spruch?

Soziale Verantwortung der Reichen?

Gleichzeitig wird für Menschen, die aus kleinen Verhältnissen stammen, der Aufstieg schwieriger. Ein entscheidender Faktor für ein Leben in eher armen Verhältnissen bleibt die Herkunft aus prekären Schichten, ein weiteres Risiko sind Scheidungen: Viele alleinerziehende Mütter sind vom sozialen Abrutschen bedroht.

Deswegen fordern Gewerkschaften und Sozialverbände eine höhere Besteuerung von Reichtum. Das Bündnis "Umfairteilen" fordert unter anderem die Erhöhung des Spitzensteuersatzes sowie der Erbschaftssteuer, die Wiedereinführung einer Vermögenssteuer, höhere Steuern für Unternehmensgewinne und Kapitalerträge sowie eine Finanztransaktionssteuer.

Die Gäste der Sendung

Gregor Gysi
Gregor Gysi Quelle: dpa


Gregor Gysi (Jahrgang 1948) ist Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Bundestag. Ab 1971 war Gysi als Rechtsanwalt in der DDR tätig, verteidigte auch Systemkritiker. Politische Ämter bekleidet er seit der deutschen Einheit: Er war als Parteivorsitzender der damaligen SED-PDS daran beteiligt, dass die Partei nach der Wende nicht aufgelöst wurde und das Parteivermögen erhalten blieb. Den Parteivorsitz der PDS hatte Gysi bis 1993 inne. Er war auch Abgeordneter der ersten frei gewählten DDR-Volkskammer. Später betrieb er mit Oskar Lafontaine zusammen die Gründung der Partei "Die Linke", sitzt für die Linkspartei seit 2005 im Bundestag.

Klaus Barski
Klaus Barski

Klaus Barski (Jahrgang 1943) nennt sich selbst einen "Selfmade-Millionär". Mit Mitte 20 hatte er mit Immobilien seine erste Million verdient. In Frankfurt erwarb er in den 60er und 70er Jahren ramponierte Häuser, sanierte sie auf Pump, verkaufte sie mit Gewinn – und wurde so reich. Mit dem Geld gönnte er sich zunächst ein gutes Leben in Frankfreich und Florida. Seit ein paar Jahren ist er zurück in Deutschland und schreibt Bücher. Sein neusestes heißt "Prügel für den Hausbesitzer". Darin erzählt Barski eine Geschichte vom Aufstieg und Absturz.

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