Zwei Leben, eine Geschichte

Widerstand in der DDR

Gesellschaft | Peter Hahne - Zwei Leben, eine Geschichte

Widerstand in der DDR - Wolf Biermann und Matthias Storck erzählen bei Peter Hahne über ihr Leben in einem anderen Deutschland.

Beitragslänge:
27 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.02.2017, 00:15
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Es bereitet vielen Menschen noch immer eine Gänsehaut, wenn sie an Biografien und Schicksale von Bewohnern der früheren DDR denken. Der Tag des Mauerfalls, der 9. November, lässt so manche Bilder wieder lebendig werden. Vor allem bei den Menschen, die unter dem Martyrium der SED und den Handlangern in der Stasi gelitten haben, sind die seelischen und körperlichen Schmerzen unvergessen. Darum ist es immer wieder wichtig, an diese Zeit zu erinnern und Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen.

Peter Hahne begrüßt in seiner Sendung zwei Gäste, die mittlerweile enge Freunde geworden sind. Zwei Menschen mit Biografien, die eigentlich gar nicht zusammen passen: Der eine ein Kommunist und Liedermacher, ein Protestsänger und Dichter – der andere ein Pfarrer, ein geistlicher und frommer Mann. Beide eint sie ihre Geschichte in der DDR. Peter Hahne spricht mit Wolf Biermann und Matthias Storck über ihren Rückblick auf die Zeit im Staat des damals „einzig real existierenden Kommunismus“ und seinem Einfluss auf die Menschen in der DDR.

Matthias Storck
Matthias Storck Quelle: ZDF/Michael Kramers

Matthias Stork wurde 1956 als Sohn eines Pfarrers im Harz, DDR, geboren. Nach einer Ausbildung als Buchhändler studierte er evangelische Theologie. Schon als Student engagierte sich Storck gegen den Wehrkunde-Unterricht der DDR. 1979 wurde er zusammen mit seiner Verlobten verhaftet. Man warf ihm die Planung der Republikflucht vor. Beide wurden tatsächlich nach zehn Monaten Untersuchungshaft wegen „Fluchtversuch und landesverräterischer Agententätigkeit“ angeklagt und zu zwei Jahren und acht Monaten in einem Berliner Gefängnis verurteilt.

Tatsächlich verraten hatte sie ein befreundeter Pfarrer. Das grausame an dieser Tat: Sie hatten überhaupt nicht vor, die DDR zu verlassen. Nach 14 Monaten Haft kaufte die Bundesrepublik Deutschland beide frei, sie dürfen in die Bundesrepublik ausreisen.

Ein zweiter Schock

Später, Matthias Storck lebte mit seiner Frau schon in Deutschland, erfährt er, dass auch sein Vater, ebenfalls Pfarrer, als Spitzel für die Stasi gearbeitet hat. Für Storck ist es auch heute noch unverständlich, wie aus Geistlichen Spitzel werden können, auch wenn er, wie er selbst berichtet, nie erpresst und vor die Wahl gestellt wurde, jemanden verraten zu müssen.
Matthias Stark blickt auf die Wende mit Dankbarkeit zurück und versucht jungen Menschen zu vermitteln was es heißt, in Freiheit leben zu dürfen.

Wolf Biermann
Wolf Biermann Quelle: ZDF/Michael Kramers

Wolf Biermann wurde 1936 in Hamburg geboren. Der Vater, Kommunist und Jude, wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Nach seinem Schulabschluss 1953 übersiedelte er in die DDR und wurde sofort Staatsbürger. 1955 begann er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Humboldt-Universität. 1957 bis 1959 Regieassistenz am Brechttheater "Berliner Ensemble". Er absolvierte an der Humboldt-Uni ein zweites Studium (Philosophie, Mathematik). Nach dem Bau der Mauer, 1961, Gründung und Leitung des Hinterhoftheaters "b.a.t." im Prenzlauer Berg bis zu dessen Verbot 1963.

Auftrittsverbot und Ausbürgerung

Bis 1965 trat er mit den jeweils nicht verbotenen Liedern in der DDR auf. Im Herbst 1964 und zum folgenden Ostermarsch 1965 durfte er über die Mauer zu Konzerten in die Bundesrepublik fahren. Im November 1965 folgte das totale Auftritts- und Publikationsverbot in der DDR. Als Wolf Biermann im November 1976 eine Tournee durch die Bundesrepublik genehmigt wurde, war das erste Konzert in Köln der Vorwand, ihn wegen "Staatsfeindlichkeit" aus der DDR auszubürgern.

Die Ausbürgerung des kritischen Sängers löste eine ungeahnt große Protestbewegung in Ost und West aus und markiert für viele Menschen den Anfang vom Ende des SED-Regimes. Auch im Westen mischte er sich mit neuen Liedern und Gedichten ein. Biermann veröffentlicht neben seiner poetischen Produktion eine Serie scharfzüngiger Essays, mit denen er sich wirkungsvoll in den tagespolitischen Streit einmischt. Seine Gedichtbände zählen zu den meist verkauften der deutschen Nachkriegsliteratur. Er wurde mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet.

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