Zusatzsteuer für Kinderlose

Irrsinn oder Gerechtigkeit?

Der CDU-Abgeordnete Marco Wanderwitz und der Kabarettist Florian Schroeder diskutieren bei Peter Hahne darüber, ob Kinderlose ab 25 Jahren eine Extra-Abgabe zahlen sollen.

Mutter mit Kind
Mutter mit Kind Quelle: imago


"Die Renten sind sicher!" - den legendären Satz des früheren Arbeitsministers Norbert Blüm wird wohl kein aktueller Politiker mehr bedenkenlos unterschreiben. Zu alarmierend sind die Meldungen über den demografischen Wandel, Rente mit 70, und chronische Unterfinanzierung der Rentenkassen. Glücklicherweise gibt es hierzulande aber auch kreative Politiker, die mit außergewöhnlichen Vorschlägen, das Problem beseitigen wollen.

Fertilitätstests für Kinderlose?

So sieht der sächsische CDU-MdB Marco Wanderwitz in Kinderlosen Schmarotzer am Sozialsystem, profitieren sie doch von ihm, ohne durch die Produktion von Nachwuchs für künftige Einzahler in die Rentenkassen zu sorgen. Er empfände es als gerecht, wenn Über-25-Jährige ohne Kinder ein Prozent und Eltern von einem Kind ein halbes Prozent ihres Einkommens zusätzlich abgeben müssten. Mehrfacheltern wären von dieser Sondersteuer befreit. Ein Vorschlag, der von Familienministerin Schröder zwar abgelehnt wurde, der jedoch durchaus Wohlwollen in der Schwesterpartei CSU fand: Deren bayerische Familienministerin Haderthauer sah darin eine Möglichkeit, "die Gerechtigkeitslücke im Sozialversicherungssystem" zu schließen und auch der CDU-Generalsekretär Gröhe äußerte Verständnis.

Kritiker dieser Idee - wie der Kabarettist Florian Schroeder - halten diese für ausgemachten Unsinn. Kann man Menschen dazu zwingen, Kinder zur Welt zu bringen? Werden in Zukunft ungewollt Kinderlose doppelt bestraft: keine Kinder und noch eine Extrasteuer? Oder werden nur die bewussten Verweigerer herangezogen - aber wie werden diese "enttarnt", durch Fertilitätstests? Zur Rettung des Sozialsystems könnte man doch einmal über Alternativen nachdenken: Wie wäre es denn, wenn von den Nichtrauchern, den Nichttrinkern und allen anderen gesund Lebenden erhöhte Rentenbeiträge verlangt würde? Diese beanspruchen durch ihre Lebensweise das Rentensystem deutlich länger als andere und sollten dafür auch zur Kasse gebeten werden - ein Vorschlag, der sich durchaus mit dem von Wanderwitz messen lassen kann.

Die Gäste:


Marco Wanderwitz wurde 1975 in Karl-Marx-Stadt (dem früheren und späteren Chemnitz) geboren. Nach Abitur und Bundeswehr studierte er von 1995 bis 2000 Jura in Dresden und Potsdam. Es folgten Referendariat, Assessorenzeit und die Zulassung zum Rechtsanwalt. 2002 wurde das CDU-Mitglied als Direktkandidat Mitglied des Bundestags, dem er seit diesem Jahr ohne Unterbrechung angehört. Marco Wanderwitz ist verheiratet und Vater dreier Töchter.

Der sächsische CDU-Politiker, der zum Kreis der Jungen in der Union zählt, wurde schon mehrfach durch "außergewöhnliche" Vorschläge bekannt. So empfahl er 2010 - unisono mit dem FDP-Finanzexperten Frank Schäffler - Griechenland, zur Überwindung der Finanzkrise einige Inseln zu verkaufen. Im gleichen Jahr forderte er höhere Krankenkassenbeiträge von Übergewichtigen, da diese bewusst durch übermäßiges Essen das Gesundheitssystem überbelasteten. Und dieses Jahr die Forderung nach einer Kinderlosensteuer. Bislang wurden alle diese Vorschläge von der Kanzlerin als "nicht zielführend" abgelehnt, obwohl sie immer auch Unterstützer aus der Regierungskoalition gefunden haben. Es bleibt also abzuwarten, wann eine seiner kreativen Anregungen mehrheitsfähig sein wird.


Florian Schroeder wurde 1979 in Lörrach geboren. Bereits als Schüler fiel er durch Parodien von Lehrern auf - sehr zur Freude seiner Mitschüler, weniger zur Freude der Pädagogen. Als 14-Jähriger hatte er seinen ersten Fernsehauftritt in Harald Schmidts "Schmidteinander", und von 1995 bis 2000 war er Reporter und Moderator bei einem Privatradio. Trotz der Lehrerparodien schaffte er 1999 das Abitur, dem der Zivildienst folgte.


Von 2000 bis 2005 arbeitete Schroeder beim SWR und war Ensemblemitglied des Kabarett-Quartetts "HEINZI". Nebenbei studierte er (bis 2007) Germanistik und Philosophie in Freiburg. 2004 brachte er sein erstes Soloprogramm auf die Bühne, das 2006 auch als CD erschien. Es folgte 2007 das zweite Soloprogramm samt Live-Mitschnitt auf CD. Schroeder moderierte zahlreiche Fernseh- und Radiosendungen sowie unterschiedlichste Veranstaltungen. Daneben war er Teilnehmer vieler Kabarett-Sendungen ("Neues aus der Anstalt", "Seitensprung", "Ottis Schlachthof", "TV total" und weitere). Sein Erfolg auf den unterschiedlichsten Bühnen spiegelt sich auch in der Zahl der Preise wider, mit denen er ausgezeichnet worden ist: allein zwischen 2004 und 2006 waren es sechs Comedy- und Kabarett-Preise. Florian Schroeder lebt in Berlin und ist kinderlos.

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