Zwei Welten, eine Leidenschaft

Eine jüdisch-muslimische Musiker-Freundschaft

Der Sohn eines Stardirigenten und der Rapper aus der Gosse werden Freunde und machen gemeinsam Musik. Ein modernes Märchen oder wie sehen David Barenboim und Said Zarzour ihre Beziehung?

Said Zarzour
Said Zarzour Quelle: ZDF/Michael Kramers

Unterschiedlicher kann der Start ins Leben und das Erwachsenwerden nicht sein. Said Zarzour kommt 1977 als Sohn einer Deutschen und eines Syrers in Berlin zur Welt. Seinen Vater kann er kaum kennenlernen, denn dieser sitzt bei Saids Geburt im Knast. Die Eltern trennen sich, und nach der Haftentlassung wird sein Vater nach Syrien abgeschoben. Nachdem er von seinem Vater entführt und der Mutter zurück nach Berlin geholt worden ist, zieht er mit ihr zu seiner Oma. Doch nun beginnt die richtige Leidenszeit des mittlerweile Siebenjährigen.

Plötzlich reich und berühmt

Von der Oma abgelehnt und schikaniert, darf er nicht mit den Erwachsenen essen und muss seine Wäsche selbst mit der Hand in kaltem Wasser waschen. Kein Wunder also, dass das Kind zunächst in der Schule aggressiv und verhaltensauffällig wird. Mit elf Jahren schon startet er seine kriminelle Karriere. Er knackt Autos und kommt immer später nach Hause. Als ihn seine Mutter nicht mehr spät abends in die Wohnung lässt, übernachtet er zunächst auf dem Speicher bis er als Zwölfjähriger endgültig auf die Straße geht. Die Schule hat er längst aufgegeben, seinen Lebensunterhalt verdient er sich mit Drogenhandel. Mit Mitte 20 kann er auf reiflich Knasterfahrung verweisen.

Etwa 2001 entdeckt er sein Interesse an Musik, lernt einige Berliner Rapper kennen, schreibt seinen ersten Song – und bekommt einen Auftritt im Musiksender VIVA. Schlagartig wird er in der Szene berühmt und kann 2011 sein erstes Soloalbum herausbringen. Zwei Jahre später erscheint sein zweites Album, produziert von seinem Freund David Barenboim. Die beiden Musiker haben sich 2007 während einer Studiosession bei einem anderen Rapper kennengelernt und sich mit der Zeit angefreundet. David Barenboim ist der Sohn des berühmten Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim, einem in Argentinien geborenen Juden. Er kommt 1983 in Paris zur Welt und zieht mit seiner Familie in Folge der steilen Karriere seines Vaters 1992 nach Berlin, mit regelmäßigen und längeren Aufenthalten in Chicago. Nachdem er etwa sieben Jahre lang Klavierunterricht erhalten hat, wechselt er dann doch zur E-Gitarre.

Nicht wie der Vater

David Barenboim
David Barenboim Quelle: ZDF/Michael Kramers

Bereits 1998 gründet er mit Freunden seine erste Band und drei Jahre später seine Produktionsfirma „Level Eight“. In der Szene wird er unter dem Namen "KD Supier" bekannt und veröffentlich nach einigen Einzeltiteln 2005 sein Debutalbum „Im Game“. Zwischen 2008 und 2010 studiert Barenboim in Boston Musik und kehrt dann als Musikproduzent und Songwriter nach Berlin zurück.

Auf die Frage, wie eine Freundschaft zwischen zwei Menschen mit so unterschiedlichen Biografien möglich ist, zucken die Künstler nur mit den Schultern. Was sie verbindet, ist die Musik, alles andere ist egal. Natürlich kommt noch dazu, dass sie sich im Laufe der Jahre sehr gut kennen- und schätzen gelernt haben. Und auch, dass eine Freundschaft zwischen einem Juden und einem Moslem nicht alltäglich ist, scheint die beiden nicht zu interessieren. Diese vermeintlich natürliche Feindschaft ist ihnen fremd. Sie spielt auch in den Texten ihrer Musik keine Rolle, die eher von persönlichen, privaten Problemen handeln als von Politik oder Religion. Insofern versuchen sie erst gar nicht, dem berühmten Vater Davids nachzueifern. Der Dirigent Daniel Barenboim ist dafür berühmt und ausgezeichnet worden, dass er das „West-Eastern Divan Orchestra“ mitbegründet hat. Dieses Orchester setzt sich zusammen aus 14- bis 25-jährigen Musikern, die aus Spanien, mehreren nordafrikanischen und arabischen Staaten sowie aus Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten stammen. Das Orchester versteht sich als ein Beitrag zum friedlichen Zusammenleben aller Völker im Nahen Osten.

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