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Interview mit Innovationsforscher Sascha Peters

Neuen Ressourcen auf der Spur

Viele Rohstoffe schaden der Umwelt. Dabei gibt es nachwachsende Alternativen zu Plastik und Co. Das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft, erklärt Innovationsforscher Sascha Peters.

Herr Peters, wie sieht Ihre Arbeit als Innovationsforscher für neue Materialien aus?

Dr. Sascha Peters, Material - und Innovationsforscher
Dr. Sascha Peters, Material - und Innovationsforscher
Quelle: privat

Sascha Peters: Es gibt eine Lücke zwischen der Erforschung neuer Materialien auf der einen Seite und denen, die sie verwenden könnten auf der anderen Seite. Also, Designer, Architekten oder Produzenten, wie die Automobilindustrie. Wir bauen die Brücke und bringen die verschiedenen Seiten zusammen.

Wie groß ist das Potenzial natürlicher, nachwachsender Rohstoffe?

Sascha Peters: Ich gehe davon aus, dass sich in der Natur zu jeder technischen Fragestellung eine Lösung finden lässt. Das muss natürlich adaptiert und weiterentwickelt werden, aber die Grundideen sind alle bereits da. Es ist wirklich erstaunlich, was allein in den letzten Jahren gefunden und entwickelt wurde.

Zum Beispiel?

Sascha Peters: Das große Thema derzeit sind zellulosebasierte Kunststoffe. Zellulose ist in jeder natürlichen Pflanze enthalten. Es ist der Baustein, der die Natur zusammenhält, sich aber ganz normal wieder zersetzt und in den Naturkreislauf zurückkehrt. Aber auch lang bekannte Rohstoffe feiern ein Comeback. Birkenrinde ist langlebig, sehr flexibel und wurde schon vor Jahrhunderten genutzt. Mit der Erfindung des Plastiks geriet der Rohstoff in Vergessenheit. Jetzt kommt er wieder vermehrt zum Einsatz, als Ersatz für Leder oder eben Plastik.

Was sind die umweltschädlichsten Materialien?

algen-betriebenes Thermometer
algen-betriebenes Thermometer
Quelle: Fabienne Felder

Sascha Peters: Überall wo wir schnelllebige Produkte haben wie Verpackungen oder Textilien, müssen wir eigentlich zu Materialien kommen, die wir im natürlichen Kreislauf der Natur finden. Plastik basiert auf Erdöl und kehrt selbst nach 500 Jahren Zersetzung nicht mehr in den Kreislauf zurück, sondern wabert dann einfach in kleinsten Teilen über den Meeresboden. Wenn ich mir das vorstelle, wird mir richtig übel. Wenn ich Materialien erzeuge, die die Natur nicht erkennt, sind die eigentlich nicht vertretbar. Aber auch alle Materialien, in denen sehr viel Energie drin steckt, sind belastend, weil sie am Ende einen hohen CO2-Fußabdruck in der Umwelt hinterlassen. In der Bauindustrie ist das Zement. Aber auch alles was mit Metall zu tun hat, hat einen Fußabdruck, der vielleicht um den Faktor 1000 höher ist als bei nachwachsenden Rohstoffen.

Was sind die Gründe für diese Entwicklung?

Sascha Peters: Meiner Ansicht nach gibt es zwei Hauptgründe für das Desaster. Zum einen haben wir den Produzenten die Verantwortung für die Entsorgung der Produkte abgenommen. Müssten sie zum Beispiel ihre Verpackungen wieder zurücknehmen, würden sie sich viel mehr Gedanken machen. Zum anderen kombinieren und verkleben wir Materialien überall, damit sie noch flexibler, noch haltbarer sind. Damit erschaffen wir Materialen, die nicht recycelt werden können. Die Baumwolle und das Polyester aus ihrem Pullover bekommen sie nie wieder auseinander.

Wenn die Natur für alles bereits Lösungen bietet, was ist dann der Knackpunkt? Warum nutzen wir nicht bereits hauptsächlich nachwachsende Rohstoffe?

Versuch zur Verwendung von Pilzen für die Herstellung von Holzwerkstoffen
Versuch zur Verwendung von Pilzen für die Herstellung von Holzwerkstoffen
Quelle: Diana Drewes

Sascha Peters: Der Knackpunkt ist einfach, dass wir in den wenigen Jahren und Jahrzehnten nicht das aufholen können, was die Natur in Jahrmillionen entwickelt hat. Das wäre auch sehr viel verlangt. Zudem sind wir auf dem Weg dahin falsch abgebogen und haben Materialien geschaffen, die eben nicht natürlich sind. Diese Materialien fallen uns gerade auf die Füße.

Und wie gehts weiter?

Sascha Peters: Ich finde es besonders spannend, dass die Innovationen nicht aus den Konzernen, sondern aus vielen kleinen Laboren und Unternehmen kommen. Genau da sehe ich auch die Lösung. Wir werden in Zukunft nicht das eine große Material und die eine große Lösung haben, sondern sehr viele kleine Lösungen. Die Natur hat in verschiedenen Regionen auf dem Globus ja auch ganz unterschiedliche Lösungen gefunden. So wird das auch in der Zukunft bei den Materialien sein. Die Forschung wird global bleiben, aber die Materialen werden lokal unterschiedlich sein. Wir schicken also nicht mehr die Ressourcen um die Welt, sondern nur noch den Bauplan.

Das Interview führte Felix Franz

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