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Pioniere im Brückenbau

Meine Recherchen für plan b: Stadt, Land, Baustelle

Mit Carbon tun sich die deutschen Bauämter schwer. Weder gibt es DIN-Normen noch gängige Berechnungsmodelle, um den Materialeinsatz zum Beispiel beim Bau von Brückenträgern zu standardisieren.

Deshalb braucht es Pioniere, die von dem Material überzeugt sind und sich durch fehlende Zulassungen nicht schrecken lassen.

Der Ingenieur Dirk Büchler aus Hohen-Luckow in Mecklenburg-Vorpommern ist so ein Pionier. Schon bei dem Vorgespräch in seiner Firma konnte er mich von dem Potential seiner Idee überzeugen. Auf seinem Büroschreibtisch steht das Modell einer modernen Klappbrücke – ein Selbstbau aus Carbon, betrieben mit einem Elektromotor. Normalerweise fertigt er in seinem Betrieb Flügel für Windkraftanlagen oder Bootswände aus Carbon. Büchler ist aber auch fest davon überzeugt, dass dieser Baustoff besser geeignet ist, um Brücken zu bauen, als zum Beispiel Stahl. Carbonstäbe, die genauso große Lasten tragen können wie Stahlstäbe, sind dabei deutlich leichter und dünner.

Um seine Idee von Brücken aus Carbon umsetzen zu können, hat Büchler öffentliche Ausschreibungen für neue Gemeindebrücken durchstöbert. In Sassnitz auf Rügen brauchte die Kommune eine neue Brücke für Fahrradfahrer und Fußgänger. Büchler bewarb sich und wurde eingeladen seine Idee vorzustellen. Er überzeugte auf ganzer Linie, weil er eine lange Haltbarkeit der neuen Brücke versprach und weil er das Behördenproblem mit der Zulassung in Eigeninitiative lösen wollte. Ein faszinierendes Projekt, das mich auf Anhieb begeisterte und das ich unbedingt in einem Film begleiten wollte.

Doch nur der Pionier war mir zu wenig, um ein wirkliches Umdenken hin zum Baustoff Carbon abzuleiten. An der TU Dresden fand ich Wissenschaftler*innen, die ebenfalls an das Material glauben. Sie prüfen und testen, verbessern und verändern Carbon, damit es in Zukunft DIN- Normen und standardisierte Zulassungsverfahren für Carbon als Baustoff im Brückenbau geben kann. Professor Steffen Marx und seine Forschungsgruppe sehen den großen Vorteil von Carbon: Es hält viele Jahre länger als Stahl. Es gibt aber auch einen Nachteil: Meist wird Carbon aus Erdöl gewonnen, bei dessen Förderung viele Treibhausgase freigesetzt werden.

Das zu ändern ist aber auch möglich. Wissenschaftler*innen um Frank Hermanutz vom Deutschen Institut für Textil- und Faserforschung im schwäbischen Denkendorf haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Carbonfasern aus Holz herstellen lassen. Diese Fasern sind noch nicht ganz so stabil, wie die aus Öl, aber das ist laut Hermanutz nur noch eine Frage der Zeit. Damit war für mich Carbon als innovativer Baustoff im Brückenbau ein schlüssiges Konzept, das es verdient hat, als plan b für die Zukunft vorgestellt zu werden.

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