Ehe "light" - Die etwas andere Art zu heiraten

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Heiraten kann in Deutschland ganz schön kompliziert sein. Und bei einer Scheidung wird es oft verdammt teuer. Muss das so sein? Wie wäre es mit einer "Ehe light"?

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 12.11.2018, 03:40
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

In Frankreich ist das "einfache Heiraten" bereits möglich. Georgia und Clément haben sich dafür entschieden, sie wollten ihre Liebe "offiziell machen", aber nicht heiraten. Das Wichtigste ist in einem Vertrag geregelt, der jederzeit einseitig gekündigt werden kann.

Vorteile für französische Paare

Fast jeder zweite Franzose, der sich formal bindet, wählt inzwischen den Vertragsweg, den sogenannten "Pacs" (Pacte civil de solidarité). Georgia, gebürtige Neuseeländerin, erhält dadurch ein Aufenthaltsrecht in Frankreich. Das Paar hat aber auch noch andere Vorteile, zum Beispiel bei der Steuer. Gegenüber dem Staat oder auch in Krankenhäusern sind die beiden nun als Paar anerkannt.

Die Folgen einer bürgerlichen Ehe spart der "Pacs" aber aus: Das schwerfällige Scheidungsrecht samt Anwaltszwang kennen die "verpacsten" Franzosen nicht. Dabei war der "Pacs" ursprünglich als eheähnliches Bündnis für Homosexuelle gedacht und gar nicht für alle. Das Erstaunliche: Obwohl der "Pacs" unbürokratisch aufgelöst werden kann, trennen sich weitaus weniger Paare als konventionell Verheiratete.

In Deutschland keine Ehe-Alternative in Sicht

Vanessa aus Niedersachsen hat eine leidvolle Trennungsgeschichte hinter sich. Sie führt seit Jahren einen zermürbenden Kleinkrieg mit ihrem Ex-Mann. Am Ende ging es "nur um Macht und Geld", sagt sie, und bewundert die Franzosen für ihren modernen Ansatz des Miteinanders.

Deutschlands Eherecht ist aufgebläht und birgt reichlich rechtliche Fußangeln. Das merken viele erst, wenn sie sich trennen wollen, und das sind gar nicht so wenige: 40 Prozent aller Ehen werden wieder geschieden. Eine gesellschaftliche Realität, vor der manche die Augen verschließen. Der Schutz der Ehe steht im Grundgesetz, eine Alternative zur Ehe steht nicht auf der Agenda.

Kommt in Europa bald die „Ehe light“?

Dabei könnte es gut sein, dass der europäische Gerichtshof für Menschenrechte bald über die Zukunft der Ehe entscheidet. Am Straßburger Gericht liegt eine Klage von Helga Ratzenböck und Martin Seydl aus Österreich. Beide wollen nicht heiraten, ziehen eine eingetragene Partnerschaft vor, ähnlich dem "Pacs" in Frankreich. In der Alpenrepublik dürfen das aber nur Homosexuelle. "Das ist uns gegenüber diskriminierend", meinen Ratzenböck und Seydl. Beide erhoffen sich vom Richterspruch ein europaweites "Zwei-Modelle-System" - und vielleicht eine "Ehe light" für alle.

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