Lieferhelden - Wege aus dem Zustellwahnsinn

Gesellschaft | plan b - Lieferhelden - Wege aus dem Zustellwahnsinn

In Deutschland werden täglich über zehn Millionen Pakete versendet - Tendenz steigend. Die Innenstädte leiden unter Stau, Lärm und Umweltbelastungen – "plan b" zeigt, wie es anders geht.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 09.12.2018, 18:00
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Die Alternativen sind Elektrofahrzeuge, Sammelzustellung oder sogenannte Mikro-Depots. Im belgischen Gent gehen sie sogar noch einen großen Schritt weiter: Die Stadt ist beinahe autofrei, und die Pakete erreichen trotzdem ihre Empfänger.

Innenstadt für Pkw und Lkw gesperrt

Seit April 2017 ist die Stadt Gent für alle Pkw und Lkw nur noch morgens bis 11:00 Uhr zugänglich. Danach dürfen nur zwei Firmen in die Stadt: Bubble Post für kleine Lieferungen und City Depot für große. Die Fahrer verteilen die Pakete mit zum Teil exotischen elektrischen Fahrzeugen wie dem Stint. "Zu Beginn waren viele Bürger natürlich skeptisch, dass wir den Verkehr so einschränken, mittlerweile sind die allermeisten jedoch positiv überrascht", berichtet Hannelore Bonami von der Stadt Gent. Dort hat man den großen Wurf gewagt: wenige, neue Fahrzeuge, zentrale Paketdepots, Mehrfachlieferungen vermeiden.

Lösungsansätze in Deutschland

Auch in Deutschland experimentiert man mit Ansätzen wie diesen. Die vier Jungentwickler von Carla Cargo etwa setzen in Freiburg auf ein altbewährtes Konzept im modernen Gewand: Ihre Fahrradanhänger können - dank elektrischer Unterstützung - bis zu 150 Kilogramm transportieren und selbst engste Gassen in der historischen Altstadt befahren. "Immer wenn wir einen unserer Anhänger sehen, wissen wir, dass ein Auto weniger unterwegs ist - das ist ein gutes Gefühl", sagt Markus Bergmann, der Gründer von Carla Cargo.

Hamburg stellt aktuell an mehreren Standorten sogenannte Mikro-Depots auf: Von dort aus werden die Pakete mit Lastenrädern und Sackkarren ausgeliefert. Ein Gemüsehändler in Dortmund hat für sich eine pragmatische Lösung gefunden: Anstatt Dutzende Gemüsekisten zu Kunden auszuliefern, die dann womöglich nicht zu Hause sind, beliefert er kurzerhand Schulen und Kindergärten. So können Eltern neben ihren Kindern auch gleich noch ihr Obst und Gemüse mitnehmen. Viele Wege, die aus dem Zustellwahnsinn herausführen können.

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