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Recherchen zum Film

Damit´s fürs Alter reicht

257 Jahre wird es in Deutschland dauern, bis Frauen genauso viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wenn wir jetzt nichts dagegen unternehmen.

Mal ganz ehrlich: Auch ich verdiene als Regisseurin zu oft weniger als meine männlichen Kollegen. Ich habe das einmal ausgerechnet: Am Ende meiner Berufstätigkeit werden es ca. 150.000 Euro sein, die mir auf dem Konto fehlen. Nicht, weil ich weniger kompetent oder hart arbeite, nein, einzig und allein, weil ich eine Frau bin. Ich frage mich: Warum zählen wir Frauen immer noch so viel weniger in unserer Gesellschaft, dass man meint, uns für gleiche Arbeit nicht auch gleich bezahlen zu müssen? Und warum hört man kaum etwas zu diesem Thema, wo es doch eigentlich um eine himmelschreiende Ungerechtigkeit geht? Denn ein niedrigeres Gehalt, das bedeutet ja nicht nur ein schmaleres Portemonnaie. Es bedeutet langfristig auch eine kleinere Rente. Sind wir Frauen einfach nicht laut genug in unseren Forderungen nach gleichem Gehalt?

Bei meinen Recherchen fand ich die Gleichstellungsbeauftragte Karina Holst aus Stade. Sie schafft aktiv Raum für Protest. Damit war der von ihr auf die Beine gestellte Lohn- und Renten-Lücken-Protesttag gesetzt für unseren Dreh - mit ganz vielen Fragen im Gepäck: Wissen Frauen überhaupt von der immerhin 21 Prozent großen Lohnlücke? Welche Forderungen an die Politik stellen sie, und wo liegt die Verantwortung bei den Frauen selbst, vehementer für den eigenen Wert einzustehen?

Na, klar, frau kann das eigene Gehalt einfach anders, besser verhandeln, richtig? Gehaltstrainerin Sandra Schumacher war die perfekte Informationsquelle, und ein wenig Erleichterung machte sich breit. Wir Frauen sind nicht von ungefähr so schlechte Verhandlerinnen. Viel liegt in der geschlechtsspezifischen Sozialisierung begründet, in tief verankerten Rollenmustern. Brave Mädchen tun das nicht! Mehr Geld fordern, zum Beispiel. Die gute Neuigkeit: Ist das einem einmal bewusst, kann man ganz viel dagegen tun. Habe ich dann auch gleich mal gemacht und hey, beim nächsten Film schon mehr verdient, und zwar deutlich!

Ich fragte mich, gibt es noch mehr gesellschaftliche Faktoren, die uns Frauen davon abhalten, für unsere Altersvorsorge den Männern gleichgestellt zu sein? Ein klares Ja ist die Antwort: Wir überlassen sie viel zu oft unseren Männern. Das ist auch kein Wunder. Wusstet Ihr, dass bis 1958 Frauen kein eigenes Bankkonto eröffnen durften und Männer den Arbeitsvertrag ihrer Ehefrau jederzeit kündigen konnten? Noch bis 1977 durfte eine Frau nur berufstätig sein, wenn das ihre PFLICHTEN in Ehe und Familie nicht störte. Auch, wenn all das historisch begründet ist, sagt doch niemand, dass es so bleiben muss.

Den eindringlichsten Spruch bei meiner Recherche habe ich dann auch gleich zwei Mal gehört, von Cornelia Frey, die an der Stuttgarter Börse die Lady Days moderiert, und von Xenia Borger, die mit dem Finanzverein Daboberta e.V. Frauen Mut machen will, sich mit Aktien ein nettes Polster aufzubauen, auch fürs Alter. „Dein Mann ist nicht Deine Altersvorsorge!“ Denn was, wenn der Mann krank wird, ihn ein früher Tod ereilt, die Liebe oder Lust vergeht? Statistisch wird jede dritte Ehe geschieden, also kümmert Euch früh genug selbst um Eure Geldangelegenheiten, Mädels! Bei den Rechercheergebnissen musste das auf jeden Fall in den Film.

Ich wollte mir zu gerne ein Land ansehen, das weltweit das Vorbild in Sachen Gleichstellung ist: Island. Bei meinen Recherchen am meisten überrascht haben mich die konkreten Schritte, die dort in Richtung gleiche Elternzeit gehen - per Gesetz. Die Folgen sind wunderbar: Nicht nur bauen Kinder zu Müttern UND Vätern ganz früh intensive Bindungen auf. Endlich ist es auch vorbei mit der Benachteiligung von Frauen bei Bewerbungen um lukrative Stellen, weil die vielleicht in den nächsten Jahren einen Kinderwunsch hegen könnten. Müssen beide Eltern zu gleichen Teilen die Erziehungszeit übernehmen, fällt dieses Hindernis einfach weg. Der Weg ist frei für Frauen, Spitzenpositionen zu besetzen, und da müssen sie hin, um Veränderung bewirken zu können: in Unternehmen, in der Politik, in der Gesellschaft und in unseren eigenen Köpfen.

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