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Recherchen zum Film

Neue Wege zur Wärmewende

Wenn es um das Thema Energiewende geht, dann meistens um die Stromwende. Doch wie sieht es mit einer klimafreundlichen Wärmeversorgung aus? Als ich las, dass in Deutschland immer noch zu rund 70 Prozent mit Erdgas oder Öl geheizt wird, war ich überrascht und wollte herausfinden, welche Alternativen es gibt, welche neuen Ideen, um von den fossilen Brennstoffen wegzukommen.

Über einen Artikel im Schweizer Tagblatt bin ich auf eine solche Idee aufmerksam geworden. In Luzern erproben der Ingenieur Jörg Hoffmann und sein Team im großen Stil, wie sich Seewasser als Heizquelle nutzen lässt - und das nicht nur klimafreundlicher, sondern auch regional und preis-stabil. So fasziniert ich von der Vorstellung war, dass sich selbst bei eiskalter Außentemperatur noch Heizenergie aus dem Seewasser gewinnen lässt, so überzeugend fand ich die wissenschaftliche Begleitung des Projekts durch den Gewässerökologen Alfred Wüest.

Wüest ist Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) und erforscht seit Jahrzehnten die Schweizer Seen und ihr Potenzial zur Wärmegewinnung. Zum Thema See-Energie ist er einer der führenden Experten. Um die Forschung weiter voranzutreiben, hat er vor rund zwei Jahren das Projekt „LéXPLORE“ mitinitiiert - eine Forschungsinsel, die mit modernster Technik ausgestattet auf dem Genfer See schwimmt.

Auf diese Insel hat Wüest mein Team und mich eingeladen, um uns zu zeigen, wie der See in Echtzeit vermessen wird. Wir hatten sehr viel Glück, dass wir Anfang Dezember bei wenig Wind die Überfahrt zur Insel wagen konnten. Dort angekommen, wurden wir von lautem Möwengeschrei empfangen, das uns aus Lautsprechern entgegenschallte. Die Insel versorgt sich komplett selbst - auf dem Dach sind dafür Solarkollektoren installiert. Die Tonaufnahmen sollen die echten Möwen davon abhalten, die Kollektoren zu beschmutzen. Um die schwimmende Forschungsstation tauchen in regelmäßigen Abständen wie von selbst Messgeräte auf, die neben der Temperatur auch andere Daten zur Wasserqualität erfassen. Für die Wissenschaft und unseren Film eine einmalige Gelegenheit und für mich persönlich eine faszinierende Erfahrung.

Allerdings wurde mir gerade bei dieser Recherche schnell klar: Dem Thema Wärmewende müssen wir uns auf vielen verschiedenen Wegen nähern. Denn jede Lösung hat ihre Grenzen. Für die See-Energie sind zum Beispiel hohe Investitionen notwendig und nicht jede Stadt oder Region hat einen See vor der Tür. Für Privatleute allein ist sie gar nicht umsetzbar. Deshalb habe ich mich nach weiteren Ansätzen umgeschaut, nach Lösungen, die wir alle anwenden können. Die einfachste und schnellste: Energiesparen.

Dabei bin ich auf die Thermostate des Hamburger Start-ups Vilisto aufmerksam geworden, mit de-nen sich der Energieverbrauch deutlich senken lässt. Diese Thermostate sind buchstäblich smart, denn sie erlernen die Gewohnheiten des Gebäudes und der Menschen darin und reagieren intelligent auf die unterschiedlichen Anforderungen. Vor allem in öffentlichen Gebäuden, Büros und Schulen lässt sich mit ihnen viel Heizenergie sparen. Die Schülerinnen und Schüler einer Gemeinschaftsschule in Bad Segeberg haben mich und mein Kamerateam mitgenommen, als die Thermostate bei ihnen in der Schule installiert wurden. Dabei fand ich es beeindruckend zu erleben, wie wichtig der jüngeren Generation Energiesparen und Klimaschutz sind.

Die Themen Wärme und Gebäudehülle sind eng miteinander verbunden. Deshalb habe ich mich auch im Bausektor nach neuen Lösungen umgeschaut und bin auf Werner Schönthaler aufmerksam geworden. Der Südtiroler Baustoffproduzent hat sich ein Haus gebaut, das keine zusätzliche Wärmedämmung braucht. Im Vorgespräch erzählte er mir am Telefon, dass sein Haus aus nur zwei Materialien besteht: Naturkalk und Hanf. Trotzdem kann es mit jedem anderen hochgedämmten Haus locker mithalten und ist dabei im Gegensatz zu Gebäuden mit Dämmung aus Mineralwolle oder Styropor komplett recycelbar. Und dann speichert der Baustoff bei der Herstellung auch noch jede Menge CO2, während andere Baustoffe wie Beton CO2 freisetzten. Ein faszinierendes Projekt, dem ich unbedingt nachgehen wollte.

Die holzigen Stängel der Hanfpflanze, aus denen Schönthaler seinen Baustoff herstellt, sind eigentlich ein Abfallprodukt der Lebensmittel- und Textilindustrie. Schönthaler gibt ihm mit seinem Hanfkalk-Ziegel eine sinnvolle Funktion. Jahrelang hat er dafür das richtige Mischverhältnis von Naturkalk und den sogenannten Hanfschäben gesucht. Dabei war es ihm besonders wichtig, den Baustoff in die Form eines Ziegels zu pressen. Denn nur so lässt sich der Baustoff einfach und kosten-günstig verarbeiten.

Bei der Suche nach weiteren Lösungen bekam ich dann noch einen anderen, buchstäblich heißen Tipp: Die Nutzung von Computer-Abwärme. Das Phänomen kennen wir ja alle: Ein Rechner wird heiß, wenn er arbeitet. In Frankreich nutzt ein junges Unternehmen das professionell. Qarnot in Paris baut Heizkörper, durch die Daten fließen – statt Wasser. Die hängen jetzt in Büros und Privatwohnungen und heizen, während sie gleichzeitig für andere Firmen arbeiten. Dezentrale Rechenzentren quasi – eine Win-Win-Situation, bei der die Wärme da entsteht, wo sie gebraucht wird. Klimaanlagen, die sonst die Rechner kühlen würden, sind überflüssig, das spart jede Menge Geld und CO2.

Ob Streamingdienste oder Soziale Medien, ich bin Teil einer Generation, die beruflich, aber auch privat sehr viel Zeit im Internet verbringt. Dabei hinterlasse ich einen CO2-Fußabdruck, dessen Dimension durch die fortschreitende Digitalisierung noch deutlich größer werden könnte. Damit unser digitaler Lebensstil zu keinem größeren Klimaproblem wird, ist das Heizen mit Computern ein potenzieller Plan B für die Zukunft.

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