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Recherchen zum Film

Künstliche Intelligenz

„Wir werden gegen die künstliche Intelligenz verlieren.“ „Jeder Fünfte glaubt an KI-Weltherrschaft.“ Die Presse ist voller Negativschlagzeilen zu KI. Auch ich war skeptisch, wusste nicht einmal, was diese KI eigentlich genau sein sollte.

Die ITler in meinem Bekanntenkreis sprachen von Algorithmen oder „Machine Learning“, Begriffe, unter denen ich mir nichts vorstellen konnte – außer etwas Mysteriöses, einem schwarzen Loch, dem ich nicht bei der Arbeit zuschauen konnte. So war ich es gewohnt von meinen bisherigen Plan b Filmen. Wir machen Reportage, wollen also Menschen sehen, die etwas tun – möglichst haptisch, möglichst praktisch. Bei einem Film über KI wird das problematisch, merkte ich schon bald. Doch da war mir der Film schon mündlich zugesagt worden – mit der Einschränkung den großen Themenbereich Medizin auszusparen, denn dazu sollte es einen eigenen Film geben. Also erst mal nichts mit emotionalen Geschichten von Menschen, die mittels Künstlicher Intelligenz schneller geheilt werden können.

Ich brauchte also andere Beispiele, Protagonisten, Visionäre und ihre Projekte. Von Experten erhoffte ich mir Rat. Der Chefredakteur hatte etwas von einem deutschen Silicon Valley gehört, dem Cyber Valley in Tübingen. Mit dem Pressesprecher dort ging ich die aktuellen Projekte durch: viel Grundlagenforschung, für eine Reportage eher ungeeignet, weil man außer Menschen, die an Computern arbeiten, nicht viel sieht. Aber auch ein paar „kleine“ KI-Anwendungen, in einem Bundeswettbewerb von Schülern programmiert: ein Blindenstock oder eine App zur Erkennung von Schädlingen auf Weinreben. Doch bei alldem war die Entwicklung schon abgeschlossen wir konnten also nichts mehr reportagig begleiten, und eine große Vision, wie wir sie bei Plan b so gerne haben, schien ebenfalls in weiter Ferne.

Doch bei einer Anwendung war ich sicher, dass sie uns in den nächsten Jahren buchstäblich überrollen wird: das autonome Fahren. Schnee von gestern – meinten viele meiner Fernsehkollegen. „Die Amis fahren uns doch schon längst auf und davon.“ Ich wälzte also Artikel und mir fiel auf, dass die „Amis“ das autonome Fahren vor allem besser verkaufen. In Deutschland hat es ein Imageproblem. Technisch nicht ausgereift, Haftungsfragen ungeklärt. Doch da las ich in der Zeitung, dass gerade Deutschland mit einem Gesetzentwurf zum autonomen Fahren Vorreiter sein will. Das Thema ist also aktuell. So konnte ich die Redaktion überzeugen. Auch, weil wir in einem Auto mitfahren wollten, wo wir möglichst vielen Sensoren, Kameras und Algorithmen bei der Arbeit zusehen können. Andreas Geiger vom Cyber Valley verwies mich schließlich an seinen Doktorvater, Christoph Stiller, vom Karlsruher Institut für Technologie. Der habe ein Testfahrzeug, mit dem er regelmäßig Daten sammeln muss - im normalen Stadtverkehr.

Überhaupt entpuppte sich dieses „Daten Sammeln“ schon bald als essentiell für KI: „Daten sind das neue Öl“ hieß es oft in Artikeln zu KI. Da schrillten bei mir erst mal die Alarmglocken - dank der dauernden Debatte um Datenschutz. Aber ist das wirklich bei allen KI-Anwendungen ein Problem? Kommt es nicht immer darauf an, wofür man die Technik einsetzt?

Zum Glück haben wir in der Produktionsfirma B.Vision unseren Johannes, für mich der gewissenhafteste Rechercheur, mit dem ich bisher zusammenarbeiten durfte. Er fütterte mich mit spannenden Zeitungsartikeln, wie „Mit KI die Welt retten!“ aus dem Fachmagazin für Digitalisierung des August-Wilhelm Scheer Instituts. Das führte mich zu Oliver Zielinski vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und mit ihm in die Dünen von Spiekeroog. Dort haben wir alle sehr gefroren, konnten aber mit Zielinskis Drohne tatsächlich Müll aufspüren, den jahrelang niemand bemerkt hat – mitten im Naturschutzgebiet. Dadurch kam auch die Verbindung zu Clemens Feigl vom start-up „Everwave“, der mit Zielinskis KI-Technik zu einem Noteinsatz in Bosnien gerufen wurde.

Bilderkennung schien also das Spezialgebiet von KI. Das bestätigte auch ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung über das französische Start-up ICONEM. Der Gründer Yves Ubelmann war schwer zu fassen – bei meinem ersten Telefonat noch in Beirut im Libanon, danach auf dem Sprung nach Mali. Überall auf der Welt will er Kulturdenkmäler retten. Mit KI, die 3D Modelle millimetergenau berechnet. Nur möglich, weil die Rechenleistung in den letzten Jahren schier explodiert ist!

Das pusht auch einen anderen Bereich, über den wir bei Plan b schon viel berichtet haben: Lebensmittelverschwendung! Als ich im Tagesspiegel von  Alexander Piutti las, war ich sofort fasziniert. Er verbindet die klassischen Plan b Themen mit KI. In nicht einmal fünf Jahren will er das Problem mit den Lebensmittelüberschüssen in Deutschland gelöst haben - mit einer KI-Plattform. Ambitionierte Werbebotschaft dachte ich und wollte mich selbst vom Potential Piuttis Idee überzeugen. Also arrangierte ich ein virtuellen meeting mit ihm und seinem Team. Da war mir sofort klar: Piutti ist ein Visionär, wie er besser nicht in einem Plan b Drehbuch stehen hätte können. Aber solche Leute gibt es wirklich, die nicht müde werden, für das Gute zu kämpfen – auch wenn der Weg noch weit ist.

Und so reifte auch in mir die Überzeugung: KI ist ein mächtiges Werkzeug. Wir müssen nur lernen, mit ihr zusammenzuarbeiten und sie richtig einzusetzen, um die Welt ein Stück besser zu machen.

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