Big Data – Wer kontrolliert die digitalen Supermächte?

Richard David Precht im Gespräch mit Gabor Steingart

Gesellschaft | Precht - Big Data – Wer kontrolliert die digitalen Supermächte?

Über Datenkraken und das Ende der Privatsphäre spricht Richard David Precht mit dem Herausgeber des Handelsblatts Gabor Steingart: Big Data - Wer kontrolliert die digitalen Supermächte?

Beitragslänge:
42 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 04.09.2019, 16:59

Lassen wir uns nicht längst freiwillig taxieren, bespitzeln und manipulieren, bis wir nicht nur zum ferngesteuerten Konsumenten, sondern zum Produkt selbst degradiert sind, fragt Richard David Precht in der neuesten Ausgabe seiner ZDF-Philosophiesendung. Sind die digitalen Supermächte eigentlich noch zu stoppen? Diese und viele anderen Fragen rund um die allgegenwärtigen Datenkraken diskutiert Precht mit Gabor Steingart, dem Journalisten, Buchautor und Herausgeber des „Handelsblatts“.

Plastikkrake und ein Stift mit der Aufschrift Google
Datenkrake Google: unersättlich in seiner Sammelwut? Quelle: imago

„Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir können mehr oder weniger wissen, was du gerade denkst!“ Mit diesen Worten charakterisierte Aufsichtsratschef Eric Schmidt schon vor vier Jahren sein Unternehmen Google. Eine Allmachtsphantasie – aber offensichtlich eine realistische.

Denn Unternehmen wie Google, Facebook, Twitter, YouTube oder Amazon haben mit ihren Netzdiensten nicht nur eine unangreifbare Monopolstellung errichtet. Sie haben sich auch das gewinnträchtigste Handelsgut des digitalen Zeitalters angeeignet: unsere ganz persönlichen Daten.

Ende der Privatsphäre?

Prechts Gast Gabor Steingart hat kürzlich in einem kritischen Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Autoren und Medienschaffende in die Verantwortung genommen, weil sie ihre Leistungen und ihre Kreativität den Datenkonzernen ganz freiwillig und unentgeltlich ausliefern. Steingart ruft zum aktiven Widerstand gegen Amazon, Google und Co. auf.

Visier auf der Pupille einer Frau mit dem Schriftzug Facebook
Unversehens gerät so Manche ins Visier von Facebook. Quelle: imago

Seit der Philosophie der griechischen Antike und erst recht nach der Aufklärung des 18. Jahrhunderts definiert sich das Individuum durch seine Freiheit und die dazugehörigen Freiheitsrechte. Seit Ende des 19. Jahrhunderts gehören dazu auch das Recht an den eigenen Daten und der Schutz der Privatsphäre. Der Mensch, den unsere Verfassung voraussetzt und schützen will, ist ein selbstbestimmter Mensch, der für sich selbst entscheiden kann, was richtig und falsch ist.

Doch hat dieses Menschenbild, das Freiheit und Selbstbestimmung zu den wichtigsten Bedürfnissen des Menschen zählt, in Zukunft noch Bestand? Wer ist dazu berufen, die digitalen Großmächte und ihre stillen Teilhaber in ihre Schranken zu weisen? Müsste nicht gerade der Staat selbst die Grundversorgung an Information und Kommunikation garantieren und bereitstellen? Oder wäre das am Ende noch besorgniserregender als sich von marktbeherrschenden Unternehmen versorgen zu lassen? Doch wie kann ein einzelner Staat einen Weltkonzern reglementieren, der global und nahezu unsichtbar agiert und offensichtlich keine Grenzen kennt? Auch die neue „digitale Agenda“ der Bundesregierung gibt darauf keine Antwort.

Der Gast der Sendung

Gabor Steingart
Gabor Steingart

Gabor Steingart ist Wirtschaftsjournalist und Buchautor. Er wurde am 14. Juni 1962 in Berlin geboren und wuchs in der Nähe von Fulda auf. Bereits als Schüler veröffentlichte er sein erstes Buch. Steingart studierte Politik und Germanistik in Marburg und an der FU Berlin. Nach dem Besuch der Holtzbrinck-Schule begann er 1989 bei der „Wirtschaftswoche“.

Ab 1990 wechselte er zum „Spiegel“ und übernahm 1995 das Wirtschaftsresort in Hamburg. 2001 wurde er zum Leiter des Hauptstadtbüros befördert. Anschließend war er US-Korrespondent des „Spiegels“ in Washington.

2010 bis 2012 wechselte Steingart als Chefredakteur zur Wirtschaftstageszeitung „Handelsblatt“. 2013 wurde er in die Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt berufen und soll sich nun unter anderem um die digitale Entwicklung der hauseigenen Marken kümmern.

Bekennender Nichtwähler

Gabor Steingart hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. Nach seiner aufrüttelnden Studie über ein junges taubstummes Roma-Mädchen, das im Hamburger Auffang-Ghetto Billbrook aufwächst (Die stumme Prinzessin, List 2002), konzentrieren sich seine anschließenden Veröffentlichungen auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Analyse des Standorts Deutschland. In „Deutschland – der Abschied eines Superstars“ (Piper, 2005) intoniert er den Abgesang auf das Wirtschaftswunderland und postuliert die Notwendigkeit weitreichender Reformen in allen Disziplinen. 2006 dehnt er seinen analytischen Blickwinkel aus und richtet eine Warnung vor allem an die Politik, sich von den rasanten Entwicklungen der Globalisierung nicht abhängen zu lassen (Weltkrieg um Wohlstand, Piper 2006). In seinem bisher erfolgreichsten Essay über „Das Ende der Normalität“ (Piper, 2011) philosophiert Steingart bis ins Detail über die strukturellen Veränderungen in unserer Gesellschaft. „Ein Nachruf auf unser Leben, wie es bisher war“, heißt es im Untertitel.

Steingart bekannte sich 2009 in seiner politischen Analyse der 60-jährigen Republik Deutschland (Die Machtfrage, Piper 2009) zum Nichtwählen. In jüngster Vergangenheit machte Steingart von sich reden, als er gegen die Dämonisierung des russischen Präsidenten Putin ins Feld zog und die Rückkehr zur Realpolitik forderte. Außerdem schaltete er sich in die Diskussion über die Gefahren der digitalen Datenmonopole und das Urheberrecht ein. Gabor Steingart lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Düsseldorf.

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