Das Böse im Menschen

Richard David Precht im Gespräch mit Ferdinand von Schirach

Gesellschaft | Precht - Das Böse im Menschen

In der neuesten Ausgabe seiner Sendung spricht Richard David Precht mit dem Strafverteidiger und Autoren Ferdinand von Schirach über das Böse im Menschen.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.10.2018, 14:59

Es ist unheimlich, schockierend, aber auch faszinierend: das Böse im Menschen. Ohnmächtig und ratlos stehen wir ihm gegenüber, wenn es zum Vorschein kommt. Nichts verletzt grausamer die Menschenwürde, die Grundlagen unseres Zusammenlebens. Was aber genau ist das Böse?

Ferdinand von Schirach im  Precht-Studio
Ferdinand von Schirach im Gespräch mit Richard David Precht Quelle: ZDF/Juliane Eirich

Kann ein Mensch überhaupt böse sein oder sind es nicht eher seine Taten? Kann gar ein ganzer Staat böse sein? Über diese Fragen spricht Richard David Precht in seiner ZDF-Philosophiesendung mit dem Anwalt und Bestsellerautor Ferdinand von Schirach. Durch seine Arbeit als Strafverteidiger hat Schirach viele Facetten des Bösen kennen gelernt; in seinen Erfolgsbüchern „Verbrechen“ (vom ZDF verfilmt und 2013 ausgestrahlt) und „Schuld“ geht er den dunkelsten Abseiten der Menschen nach.


Das Böse ist die Ausnahme

Woher kommt der Antrieb zum Bösen? Befinden wir uns, wie die christliche Religion es sieht, auf dem ewigen Schlachtfeld im Kampf des Guten gegen das Böse? Sind tatsächlich nur wir Menschen zum Bösen fähig, oder gibt es Bosheit auch unter den Tieren? Hirnforscher vermuten den Ursprung des Bösen gar in einem Defekt des vorderen Stirnlappens, welcher die Fähigkeit zum Mitleid, zur Empathie abschaltet. Eine böse Tat, so Schirach, zeichnet sich dadurch aus, dass der Täter ohne Mitleid handelt, obwohl ihm die Tragweite seines Tuns durchaus bewusst ist. Wo aber ist die Grenze zwischen dem schuldfähigen Mörder und dem nicht zurechnungsfähigen Psychopaten?

Precht und Ferdinand von Schirach stimmen in der Feststellung überein, dass die Auswüchse des Bösen die große Ausnahme im Zusammenleben der Menschen sind. Richard David Precht meint: Die Erklärung der Menschenrechte, das im Grundgesetz niederlegte Gebot, andere nicht in ihrer Würde zu verletzen, ist die wohl eindrucksvollste Waffe gegen das Böse.

Gast der Sendung

Ferdinand von Schirach
Ferdinand von Schirach Quelle: ZDF

Ferdinand von Schirach wurde 1964 in München geboren. Er besuchte das Jesuiten-Kolleg St. Blasien, über das er anlässlich der Missbrauchsfälle im „Spiegel“ schrieb. Seit 1994 arbeitet von Schirach als Strafverteidiger. Zu seinen Mandanten gehörten unter anderem Günter Schabowski, Mitglied im Politbüro der DDR, die Familie des Schauspielers Klaus Kinski oder der BND-Top-Spion Norbert Juretzko. Im Falle der Liechtensteiner Steuer-Affäre machte er auf sich aufmerksam, als er den Bundesnachrichtendienst verklagte.

2009 erschien sein Erzählband "Verbrechen", in dem er außergewöhnliche, erschütternde und kuriose Fälle aus seiner Arbeit als Strafverteidiger nachempfunden hat. Das Buch stand über ein Jahr auf der Spiegel-Bestsellerliste, wurde in über 30 Länder verkauft - und einige Episoden wurden in einer sechsteiligen Reihe für das ZDF verfilmt (Ausstrahlung April 2013). Es folgte 2010 der zweite Band "Schuld", der gleich nach Erscheinen auf den ersten Platz der Bestsellerliste kletterte.

Frage der Schuld

2011 veröffentlichte Schirach den Roman "Der Fall Collini", die Geschichte des Fabrizio Collini, der an einem deutschen Industriellen und früheren Nazi-Täter Rache übt, nachdem er zuvor vergeblich eine Klage gegen den NS-Offizier angestrengt hatte. Das Buch wurde ebenfalls ein Bestseller und löste eine Diskussion darüber aus, wie wenig konsequent die junge Bundesrepublik mit der Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen umgegangen ist. Sein jüngstes Buch "Tabu" erschien 2013 und spielt im großbürgerlichen Künstlermilieu. Ein Anwalt soll einen berühmten Künstler verteidigen, der angeblich eine Frau umgebracht hat. Abermals geht es um Schuld und Sühne, um Verbrechen und Strafe.
 
Ferdinand von Schirach schreibt seit einiger Zeit auch regelmäßig vielbeachtete Essays für den „Spiegel“. Worum es Ferdinand von Schirach in seiner Arbeit als Strafverteidiger, aber auch als Autor geht, formuliert er so: "Ich verteidige nicht die Tat. Ich verteidige stets nur den Menschen. Mich interessiert die Frage der Schuld. Ist sie so offensichtlich, wie es zunächst erscheint? Die Schuld kann nur beurteilt werden, wenn man den Menschen und seinen Lebensweg betrachtet.“

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