Rasender Stillstand

Beschleunigen wir uns zu Tode?

Gesellschaft | Precht - Rasender Stillstand

Zeit ist ein knappstes Gut geworden, sie scheint immer schneller zu vergehen. Beschleunigen wir uns zu Tode? Richard David Precht spricht mit dem Zeit-Forscher und Soziologen Professor Hartmut Rosa.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.06.2020, 23:59

Fast Food, Speed Dating, Power Napping, Multitasking: Die Zeit ist unser knappstes Gut geworden, sie scheint immer schneller zu vergehen. Beschleunigen wir uns etwa zu Tode? Diese Frage stellt Richard David Precht dem Zeit-Forscher und Soziologen Professor Hartmut Rosa.

Es geht um Beschleunigung und Entschleunigung, um einen Zeitdruck, der die Menschen immer mehr belastet. Woran liegt das? Und welche Alternativen sind denkbar? Ist der digitale Kapitalismus schuld am rasenden Stillstand? Oder braucht der Mensch nicht eher die Schnelligkeit, den Fortschritt?

Der Mensch als Opfer

In unserer modernen Gesellschaft versucht jeder möglichst viele Optionen aus jener unendlichen Palette der Möglichkeiten zu realisieren, sagt Prechts Gast Professor Hartmut Rosa, und hat am Ende gerade deshalb das Gefühl, immer mehr zu verpassen. Besonders die digitale Technologie spielt dem kapitalistischen Prinzip der Profitoptimierung und der dafür notwendigen Beschleunigung in die Hände und weitet es aus bis in alle kulturellen Bereiche unseres Lebens.

Doch hat diese fortschreitende Beschleunigung in jedem Fall eine Entfremdung des Menschen zur Folge, wie Rosa befürchtet? Verlieren wir den Bezug zu dem was wir tun und wie wir leben, weil wir dabei immer seltener die Selbstwirksamkeit unseres Handelns erfahren?

Den Weg zum besseren Leben finden

Die Ohnmacht der Politik gegenüber dem rasanten Wandel in Technik und Wirtschaft legt dies nahe. Die Politik der Spätmoderne wird immer weniger vom Argument bestimmt und immer mehr vom Ressentiment. Während der Börsenhandel in Millisekunden reagieren kann, brauchen demokratische Entscheidungen oft Jahre.

Haben wir die Hoheit über unser Zeitmanagement tatsächlich dem technischen Fortschritt und dem Kapitalismus geopfert, oder spiegelt unser Drang nach Beschleunigung lediglich unsere zwangsläufige kulturelle Entwicklung wider? Sollten wir Burnouts und Zeitstress mit bewusster Entschleunigung begegnen, oder gar darauf vertrauen, dass wir immer schneller auf ein immer besseres Leben zu steuern?

    Prof. Dr. Hartmut Rosa spricht an einem Podium

    Prof. Hartmut Rosa, geboren 1965 in Lörrach, ist deutscher Soziologe und Politikwissenschaftler an der Universität Jena. Außerdem ist er seit 2013 Direktor des Max-Weber-Kollegs in Erfurt.
    Rosa studierte Politikwissenschaften, Philosophie und Germanistik in Freiburg. Er promovierte 1997 mit einer Arbeit über den kanadischen Politikwissenschaftler Charles Taylor und die mit ihm verbundene „Kommunitarismus-Debatte“

    Rosas Forschungsschwerpunkt aber liegt schon seit einigen Jahren in der Frage nach den Gründen einer in der Moderne zunehmenden sozialen Beschleunigung, die Rosa in verschiedenen kulturelle Bereichen unserer Gesellschaft ausgemacht hat.
    2004 habilitiert er mit der Studie „Soziale Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“, in der Rosa die Ursachen der stetigen und unaufhaltsamen Beschleunigung in der Dominanz des kapitalistischen Systems ausmacht. Burnouts und Stress im Beruf wie im Privaten hätten eine Entfremdung des Menschen zur Folge (2005 als Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft erschienen.)

    2013 folgte die zusammenfassende Schrift Beschleunigung und Entfremdung - Entwurf einer kritischen Theorie spätmoderner Zeitlichkeit, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2013).
    2006 erhielt Rosa den Forschungspreis für Grundlagenforschung des Landes Thüringen.
    Er ist außerdem Direktor des Kollegs „Postwachstumsgesellschaften“ in Jena.
    Prof. Rosa ist seit 2008 Mitherausgeber des internationalen Wissenschaftsjournals Time and Society.
    2013 begleitete Hartmut Rosa den Bundespräsidenten Gauck als Staatsgast auf dessen Frankreichreise.

    Bildquelle: imago

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