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Herrschaft der Zahlen

Ist alles vermessbar?

Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte der allmählichen Quantifizierung der Welt. Doch können uns Zahlen die Welt, unser Leben erklären? Darüber spricht Richard David Precht mit dem Physiker, Philosophen und ZDF-Moderator Prof. Harald Lesch.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Sprachoptionen:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.12.2021

Statistiken, Algorithmen, Rankings: Zahlen scheinen heute unsere Welt zu bestimmen. Aber ist wirklich alles messbar? Und der Mensch die Summe aller Daten?

Zahlen haben inzwischen die Herrschaft übernommen. Wo vorher Platz für Glaube, Weltanschauung, Individualität, Vermutungen und Werte war, stehen heute Zahlen, Algorithmen, Statistiken, Rankings und Tortendiagramme.

Diktat des Messens

Das Vermessen und Ausrechnen all jener Vorgänge und Geheimnisse, die man zuvor nur deuten und interpretieren konnte, verhieß dem Menschen einst den Sieg der Aufklärung, der Vernunft, des logischen Denkens über eine mythisch verklärte Welt. Was messbar ist, kann gerecht beurteilt werden, ist nicht mehr vage und subjektiv. Zunächst stürzten sich vor allem die Naturwissenschaften, die Physik und das Ingenieurwesen auf die Vermessung der Welt. Doch heute scheinen alle, auch die Gesellschaftswissenschaften, durchdrungen zu sein vom Diktat des Messens.

Auch unser Alltag wird beherrscht von Datenclouds, Tarifen und Koeffizienten. Zahlen bringen scheinbar das Licht ins Dunkel, so Richard David Precht. Doch erscheint es uns nicht manchmal so, als lebten wir daher nun in einer schattenlosen Welt? Setzen wir nicht tatsächlich unserem Denken enge Grenzen, wenn wir uns nur noch an Zahlen orientieren? Bricht sich heute eine rein quantitative Ethik Bahn, die uns nur noch nach dem bemisst, was wir besitzen und was wir an nutzbaren Daten generieren können?

Die wahren Werte erkennen

Auch in der Politik spielen scheinbar objektive Zahlen heute eine enorme Rolle. Regieren nach Zahlen: Es scheint sehr bequem zu sein, sich hinter Meinungsumfragen zu verstecken und Zuspitzungen zu meiden. Macht uns das endlose Meer der Daten am Ende bewegungsunfähig und ängstlich? Trauen wir uns deshalb keine Utopien mehr zu, so Precht, weil wir ständig nur auf die Messergebnisse starren? Es scheint uns immer schwerer zu fallen, etwas nach seinem inneren und unbezifferbaren Wert zu beurteilen.

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